Ich steh' dazu: Ich bin geschieden

Sven Dietrich

Eigentlich ist es ein fieses Klischee: man heiratet, Anfang Zwanzig, schwer verliebt. Nur um drei Monate später festzustellen, dass das alles doch nicht so super ist und man doch nicht zusammen passt. Sven ist genau das passiert. Er steht dazu: Ich bin geschieden.



Heiraten fetzt. Scheidung auch. Ich habe mit 21 Jahren geheiratet und mich mit 23 Jahren wieder scheiden lassen.

Jeder, der bereits das Vergnügen einer solchen Hoch-Zeit hatte, weiß folgendes: Heiraten ist ein ganz großer Spaß mit jeder Menge Rumtata.In meinem Fall wurde aus Liebe (klar) und Einkommenssteigerung während des Zivildienstes geheiratet.


Kurzfristig angekündigt heirateten wir in Berlin. Als Berlin-Neulinge haben wir uns mit dem Autokorso verfahren, das Brandenburger Tor nicht gefunden und sind vor den Hakeschen Höfen auf einen Scirocco mit Ost-Proll aufgefahren. Ein schöner Tag, eine Hoch-Zeit eben.

Nach drei Monaten Ehe schlug dann das Klischee zu. Ein junges Paar, dass vom Land nach Berlin zieht m-u-s-s sich einfach streiten und trennen. Zu zweit ist man in der Stadt manchmal doch lieber alleine und plötzlich war da dieses Wort: Scheidung.

Einfach trennen ging ja nicht mehr, wir mussten uns scheiden lassen. Für jeden normalen Menschen ist eine Scheidung eine Recht komplizierte Sache, mit 21 Jahren ist es ein einziger Alarm. Hört man doch ständig von Rentenansprüchen und ähnlichen Dingen, die man nur vom Hörensagen kennt. Solche und ähnliche Themen, mit denen man nichts zu tun haben will, landen permanent im eigenen Briefkasten.

Schlimm war das, wir wollten uns doch einfach trennen aber leider sieht das Konzept Heiraten eine Trennung nicht wirklich vor. Daran dachten wir mit unseren 21 Jahren auch gar nicht, wir dachten nur bis zum nächsten Wochende.

Da hoppelten wir also getrennter Wege durch das Berliner Leben und aufgrund diverser hier nicht darstellbarer Ereignisse dauerte es dann doch zwei Jahre bis zur Scheidung. Obwohl wir uns mit 21 Jahren einvernehmlich trennten wurden wir erst mit 23 Jahren geschieden.



Morgens um neun erschienen wir am Familiengericht in Berlin-Pankow. Das war fast aufregender als die Hochzeit. Hochzeiten kennt man, aber Scheidungen? Man saß auf dem Flur, hatte sich bis auf Floskeln nicht viel zu erzählen und wartete auf den Richter. Es roch dort schlimm nach Osten und Putzmittel.

Die Scheidung selbst passierte schnell. Es wurden drei Fragen gestellt. Ich kann mich an sie überhaupt nicht mehr erinnern, lag wohl daran, dass der Anwalt auf einem Zettel drei Antworten in SEHR GROßER Schrift notiert hatte. Ich las die Antworten vor, der Richter sagte "...geschieden..." und das war es dann. Nach knapp zehn Minuten konnte ich das Gericht wieder verlassen und war ein geschiedener Mann.

So eine Scheidung kann sehr erleichternd sein. Kein Papierkram mehr, keine Rentenansprüche, kein Ehevertrag, nix, nada. Endlich wieder richtiger Single mit einer Geschichte, die man auch beim dritten Date nicht erzählen kann.

Hinterher ist man schlauer und wie jeder, der bereits geschieden ist, muss auch ich sagen: Heiratet nur mit Ehevertrag. Echt jetzt. Hört nicht auf Oma oder die beste Freundin. Hört auf die, die den ganzen Mist beim Anwalt schonmal gemacht haben.

[Sven bloggt auf pop64.de über Hamburg und Berlin; Bild: Fotolia, privat]

Mehr dazu: