Ich steh' dazu: Ich bin froh, das Große Latinum zu haben

Lisa Soravia

"Latein? Das ist doch eine tote Sprache!" In den Schulen in Baden-Württemberg ist Latein trotzdem beliebt: rund ein Drittel aller Gymnasiasten lernt die Sprache; ein Anteil, der über die vergangenen zehn Jahre konstant geblieben ist.. Lisa Soravia, 27 Jahre, freiberufliche PR- und Werbetexterin, hat ab der fünften Klasse Latein gelernt und das große Latinum. Und sie steht dazu.


„Man kann Schulfächer mögen, dulden oder hassen, gut darin sein oder miserabel. Der Sinn und Nutzen keines anderen Fachs scheint jedoch so diskussionswürdig wie der von Latein. Eltern hinterfragen wohl kaum, ob ihre Kinder für das spätere Leben wirklich Mathe- oder Chemieunterricht brauchen. Warum eigentlich nicht?


Weder beim Brötchen- noch beim Autokauf, der Nebenkostenabrechnung oder meiner Steuererklärung musste ich je eine binomische Formel anwenden oder einen mathematischen Beweis führen.

Nun war es aber nicht mein leichter Akademikerdünkel, der mich zum Latein geführt hat. An meinem Gymnasium war Latein Pflicht und meine Eltern entschieden, dass ich es ab der fünften Klasse lernen sollte. Das habe ich mit zehn natürlich nicht reflektiert. Das war einfach so. Glücklicherweise hat es Spaß gemacht und fiel mir nicht sonderlich schwer. Das eine bedingte vermutlich das andere – oder vice versa, wie der Lateiner sagt.



Dem Vorurteil, Latein sei besonders lernintensiv, stimme ich nur bedingt zu. Dass Studierende das so empfinden, die innerhalb weniger Semester ihr (Großes) Latinum nachholen müssen, ist verständlich.  Latein ab Klasse fünf ist wohl die am wenigsten traumatisierende Variante, so bleibt genügend Zeit für das Erlernen der Grundlagen. Danach ist es ähnlich wie bei Mathe: Hat man den Bogen raus, die Logik dahinter verstanden – läuft’s von alleine.

Wenn man keinen Zugang zu dieser Sprache findet, mag sie einem dröge und schwer erscheinen – so geht es mir mit Naturwissenschaften. Ich bin froh, das Große Latinum zu haben. Das Erlernen weiterer Sprachen fiel mir leicht, ich verstehe  viele der romanischen Sprachen in den Grundzügen, ohne sie gelernt zu haben. Und ich behaupte: Hätte ich nicht Latein gelernt, verstünde ich weniger, wie  das Deutsche funktioniert. Meine Studienfachwahl hat es vermutlich auch ein wenig beeinflusst: Ich habe Altgermanistik und Lateinische Philologie des Mittelalters studiert.“

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[Bild 1: dpa; Bild 2: Privat]