Ich steh' dazu: Ich bin ein Hipster

fudder-Redaktion

Linus Eppinger, 17, ist Abiturient aus Pfaffenweiler und bekennender Hipster:



„Ich stehe zu meinem Hipstertum, und zwar aus praktischen Gründen. Diese erkennt, wer klassische Hipsterstereotype näher betrachtet.


Warum rolle ich meine #SkinnyJeans hoch? Der nordische Ur-Hipster hatte in den skandinavischen Wäldern mit der Natur zu kämpfen und schützte seine Hose, indem er sie hochkrempelte. Dieser Mechanismus lässt sich auf zahlreiche heutige Alltagssituationen übertragen.

Warum trinke ich #ClubMate? Erstens ist statistisch bewiesen, dass auch denjenigen Club-Mate schmeckt, die nicht um ihre Hipness wissen. Zweitens regt sie Nerven, Muskeln und Geist gleichermaßen an, was uns Hipstern hilft, unseren stressigen Alltag zu bewältigen.

Warum lese ich Musikblogs wie #Pitchfork? Das Radio suggeriert uns eine bewusste Entscheidung darüber, welche Musik wir hören. Tatsächlich nimmt es uns diese Entscheidung aber ab. Die Selektion eines einzelnen Musikblogs ist noch immer umfassend – sie verhält sich aber antiproportional zur Anzahl der Blogs, die ein Individuum liest. Beachtet man dann noch, dass wir Hipster wöchentlich im Schnitt 6,8 Musikblogs lesen, wird deutlich, dass uns das höchstmögliche Maß an authentischem Musikgeschmack zukommt.

Warum benutze ich die Smartphone-App #Instagram? Es ist für das Selbstwertgefühl enorm förderlich, auf eine Party zu kommen und direkt auf den ,Organic Indonesian Spicy Chili Burger‘ angesprochen zu werden, den man am Mittag im urbanen Lieblingsimbiss verspeist hat.

Warum kaufe ich #OrganicFood? Als Hipster bin ich gut zu mir selbst, das heißt, ich will meinem Körper nicht durch Pestizide schaden.

Der Hass auf uns Hipster kommt also daher, dass wir als einzige gesellschaftliche Gruppierung zur Universalität der Evolutionstheorie stehen, uns an praktische Sachverhalte möglichst effektiv anzupassen. Wir leben der Gesellschaft vor, dass auch sie – im Streben nach  Erfolg – bald alle ihre Werte aufgeben wird. Um uns zu schützen, ironisieren wir uns. Aber eigentlich ist das gar nicht mehr nötig. Wir sind der Gesellschaft tatsächlich voraus.“

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[Foto: Privat]