Ich steh' dazu: Ich bin Bush-Fan

Anita Reiter

Seit gestern ist George W. Bush, 43. Präsident der Vereinigten Staaten, im Ruhestand. In der allgemeinen Obama-Euphorie scheint niemand dem laut Historikern "worst president ever" eine Träne nachzuweinen. Politik- und Germanistikstudentin Anita Reiter, 23, aus Freiburg steht dazu: Sie wird George W.vermissen.



"Bush-Fan bin ich buchstäblich seit dem ersten Tag seiner Amtszeit. Damals, als 15-Jährige, landete ich beim 'rumzappen zufällig bei der CNN-Übertragung seiner Vereidigung. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber irgendwie mochte ich ihn auf Anhieb. Je mehr ich später über Bush und seine Politik erfuhr, desto mehr bewunderte ich ihn.


Wenn jemand erfährt, dass ich Bush mag, liegt die Reaktion irgendwo zwischen abgrundtiefem Entsetzen und völliger Überraschung, denn den „Dabbelju“ hat man hierzulande gefälligst blöd zu finden. Diese Intoleranz von Leuten, deren Wissen oft lediglich auf dem Film „Fahrenheit 9/11“ basiert, regt mich manchmal schon auf. Gleich nach dem Entsetzen kommt die schockierte Frage: „Warum?“

Das hat dann zumeist eine stundenlange Diskussion zur Folge. Solche Diskussionen habe ich schon hundertfach geführt, mit Verwandten, Freunden und Leuten, die ich kaum kenne. Einmal habe ich sogar drei Stunden lang mit einem Freund in einer Disco über Bush debattiert und so manche Privatfete endete in einer Polit-Talkshow.

Nun, ich mag vor allem die Art und Weise, wie George W. Bush seinen Job macht: Er ist konsequent, hat Rückgrat und steht zu seinen Prinzipien, auch und gerade wenn es unpopulär ist. Er trifft mutige Entscheidungen und hält daran fest. So ist Bush eine erfrischende Abwechslung zu den typischen Politikern ohne Profil und Überzeugung, die einfach nur guten Umfragewerten hinterher hecheln. Außerdem ist „Dabbelju“ mir mit seiner manchmal unfreiwillig witzigen und selbstironischen Art einfach sympathisch. Anders als viele Andere denke ich, dass er ein guter Mensch ist.

Natürlich stehe ich auch hinter seiner Politik, ob im Inneren der USA, im Irak oder im Anti-Terrorkampf. Ganz besonders mag ich Bushs Eintreten für Freiheit und Demokratie, besonders im Nahen Osten als Waffe im Kampf gegen den Terror.



Meine Verwandten und Freunde haben sich in den letzten acht Jahren an meine Bush-Verehrung gewöhnt und betrachten das Ganze schmunzelnd als sympathische, wenn auch komische Eigenheit von mir. Seit ungefähr einem Jahr fragen sie mich mit ernsthaft besorgter Miene: „Was bitte wird aus dir, wenn der Bush mal nicht mehr im Amt ist?“

Tatsächlich werde ich mich an einen Alltag ohne ihn gewöhnen müssen, gehörte das tägliche Verfolgen seiner Handlungen im Internet, im Fernsehen und in Zeitungen doch acht Jahre lang zu meinem Tagesablauf. Um Reden von George Bush live zu sehen, stand ich manchmal sogar mitten in der Nacht auf. Ja, ich werde ihn vermissen.

Mein Traum ist, ihn einmal persönlich zu treffen. Bisher hat er mir nur einmal aus seiner Limousine heraus zugewunken und 2003 antwortete er mir auf einen Brief, den ich ans Weiße Haus geschickt hatte. Ich bin überzeugt, dass die Geschichte Bush deutlich positiver beurteilen wird, als das viele Menschen derzeit erwarten. Mir ist das aber egal, ich habe mir meine Meinung gebildet."