Ich pfeife scheiße und du spielst scheiße!

Dirk Philippi

So in etwa soll sich ein Wortduell zwischen Hauptschiedsrichter Marcus Brill und Kaufbeurens Abwehrrecken Robert Paule beim gestrigen 3:2-Heimsieg der Wölfe Freiburg abgespielt haben, wobei zumindest der vermeintlichen Selbstdarstellung des Mannes in schwarzweiß nicht widersprochen werden will. Ansonsten war es ein nickeliges und nitteliges Spiel vor 2000 Zuschauern, mit welchem die Wölfe einen wichtigen Schritt in Richtung Playoff-Heimrecht machten.



Nach dem Aufwärmen im eisig kalten Freiburger Hockeyoval stand Adam Spylo aka Nittel am Zamboni-Eingang, grinste wie ein kleines Kind an Weihnachten, das auf die Bescherung wartet, und klatschte seine Mitspieler einzeln ab. Man sah bis in den hintersten Winkel der Franz-Siegel-Halle: Der Mann freute sich auf seinen ersten Einsatz für die Wölfe. Doch als das Spiel begann, war für Spylo erst einmal Pausemachen angesagt.


Freiburgs Topp-Sturmreihe um Petr Mares, Tomas Kucharchik und den gestern blass wirkenden Chris Billich legte los als wäre schon Playoff und schob dem guten Gästegoalie Martin Fous nach einer Minute den Puck blitzsauber zur 1:0-Führung in die Maschen. Was dann aber folgte, hatte über weite Strecken der Partie nichts mit einem Spiel per se zu tun und kommentierte Ex-Weltmeister Kucharchik hernach mit den Worten: „Das ist schlecht für das Eishockey!“

Gemeint war das Auftreten von Hauptschiedsrichter Marcus Brill, der – um eine strengst mögliche Regelauslegung bemüht – vollkommen vergessen haben muss, bei welcher Veranstaltung er an diesem Abend sein Brot verdienen sollte. Wie mit einer Schweißbombe unter den Achseln bestückt, die bei der geringsten Bewegung den Arm in die Höhe schnellen lässt, pfiff Brill die Spieler im Akkord auf die Strafbänke und das Spiel in den Hades des guten Geschmacks.

Ganze viereinhalb Minuten wurde 5:5 gespielt, die Freiburger Spezialteams versemmelten mehrere beste Überzahlsituationen wie etwa zwei 5:3-Powerplays und Adam Spylo hätte auf der Bank genügend Zeit gehabt, um darüber zu sinnieren, wie viele der Zuschauer wohl eigens für sein Punktspieldebüt in die Halle gekommen sein mögen. Fakt: Nittel, Brill und Kaufbeuren hin und her – nach dem ersten Drittel hätte man mit etwas mehr Geschick und Glück dem folgenden Gezerre entschieden gelassener entgegensehen können.

So aber kamen die Wölfe beinahe noch unter die Räder und „nur“ durch einen immensen Kraftakt konnte man den zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand doch noch drehen. Dieser allerdings war aller Ehren wert und stimmte auch Erfolgscoach Peter Salmik verständlicherweise zufrieden: „Die Jungs haben letztlich Charakter und Siegeswille gezeigt!“ Dass es zuvor überhaupt noch spannend wurde, „verdankten“ die Wölfe ihrem zunächst harmlosen Körperspiel und einer ungewohnten Zweikampfschwäche im zweiten Drittel. Kaufbeuren rollte da ein ums andere Mal wie das kompakte "Bad Tölz für Arme" auf Freiburgs Keeper Ronny Glaser zu und der hielt, was er halten konnte, was wiederum nicht wenig war.

Doch immerhin durfte Adam Spylo nun einige Eiszeiten und saubere Checks sammeln, was die Zuschauer zu Standing Ovations hinreißen ließ. Lediglich unnötige Strafzeiten verbuchte der Eishockey-Obelix nicht auf seinem Konto, was ihm anerkennende Schulterklopfer einbrachte.

Als ob es sie ihm gleichtun wollten, suchten nun auch die lauffreudigeren Wölfe den Körperkontakt zu ihren Gegnern, hielten dagegen und kamen durch Robert Hoffmann und Tom Hermann zurück auf die Siegerstraße.

Und so stand Spylo nach Spielende und noch vor dem folgenden Unterschriftenmarathon dort, wo er schon vor dem Beginn Platz genommen hatte, und beglückwünschte sich und seine Mitstreiter zu drei wichtigen Punkten im Sechspunktespiel gegen den Verfolger.

Mehr dazu:


Mehr Eishockey auf fudder:


Stimmen nach Spielende: