"Ich mache, was mir Spaß macht": Eardrum-Veranstalter DJ Kefian im Interview

Bernhard Amelung

Seit zehn Jahren veranstaltet der Freiburger Christian Koch alias DJ Kefian die "Eardrum"-Partys. Warum er das heute noch macht und wie man als DJ so lange relevant bleibt, erzählt er im Interview.

"Der Blues ist die Wurzel, alles andere sind die Früchte." So wird die US-amerikanische Blues-Legende Willie Dixon (1915-1992) zitiert. Seit zehn Jahren stellt der Freiburger Christian Koch auf seinen "Eardrum"-Partys diverse Früchte jener Musik vor, die ihren Ursprung im Süden der USA, vor allem in den Staaten Mississippi und Louisiana hat. Sie heißen Funk, Soul und HipHop. Koch, 40, nennt sich als Discjockey Kefian, betreut das Musikmagazin bei Radio Dreyeckland und ist ein großer Radsportfan.





Weißt Du, wer in der aktuellen Etappe bei der Tour de France vorne liegt?

Kefian: Nein. Ich habe den Ticker nicht verfolgt.

Steve Cummings hat gerade angegriffen.

Kefian: Ah. Sowas habe ich mir gedacht. Das Profil dieser Etappe liegt ihm.

Wer ist dein Favorit auf den Gesamtsieg?

Kefian: Mir gefällt, wie der Italiener Fabio Aru fährt. Er ist ein guter Bergfahrer, er attackiert gerne, und er gibt sich nicht so unnahbar wie Chris Froome. Bei Froome gefällt mir nicht, dass er sich ausschließlich auf die Tour de France konzentriert. Das erinnert mich an die Jahre, in denen US-Postal so dominant war. Aber sprechen wir jetzt eigentlich über die Tour de France?

Das können wir. Aber lass davor kurz über deine Partyreihe Eardrum sprechen. Du feierst ihr 10-jähriges Bestehen. Was waren die größten Highlights?

Kefian: Das klingt jetzt pathetisch, aber ich finde es toll, dass ich als DJ und Veranstalter etwas machen kann, was mir und meinen Gästen Freude bereitet.

Mit etwas weniger Pathos: An welche Partys denkst du gerne zurück?

Kefian: Die Auftritte von Brenk Sinatra, Figub Brazlevic und Dexter waren großartig. Ganz besonders in Erinnerung bleibt mir aber der Abend mit Damu The Fugemunk in der Passage46. Mit dem Booker war vereinbart, dass er ein reines DJ-Set spielen werde. Auftritte, bei denen er live mit der MPC spielt, kosten mehr. Vor seinem Gig war ich mit ihm indisch essen. Er war danach so glücklich, dass er trotzdem die MPC ausgepackt hat und ein Live-Set gespielt hat.

Ich mag aber auch den Moment, an dem die Party vorbei ist und ich mit meinen Jungs, den DJs Noset und Megabutter, die Nacht Revue passieren lassen kann. Ich mag die blaue Morgenstunde.

Als Veranstalter bist Du vom Anfang bis zum Ende einer Party im Club dabei. Wann nervt dich eine Party?

Kefian: Gar nicht. Ich mag den Stress der Vorbereitung, wenn alles auf die Minute passen muss. Wie am Samstag auf dem ZMF. Da ist alles etwas sperriger, als gedacht, weil ein Künstler später kommt, als geplant.

Und sonst? Wann hast du dich gefragt, warum du das eigentlich machst?

Kefian: Als DJ und Veranstalter hatte ich nie einen Durchhänger mit meinen Partys. Aber als Bewohner der Stadt Freiburg beobachte ich natürlich die Entwicklungen in meiner Stadt. Es gibt wenig Räume für kreatives Leben, für Musik und Nachtleben, das kein klassischer Diskobetrieb ist. Thema Clubsterben. Viele Jugendliche haben doch keine Möglichkeiten mehr, das zu erleben, was wir als Jugendliche erlebt haben.

War das in den Neunzigerjahren wirklich anders?

Kefian: Wenn ich an die ersten Lazer-Partys oder die Taste of Honey-Veranstaltungen im Waldsee denke, habe ich den Eindruck, dass alles etwas leichter war. Gefühlt würde ich sagen, dass wir in den Neunziger- und ersten Nullerjahren mehr Orte hatten, an denen wir Partys veranstalten konnten.

Wie haben sich denn die Eardrum-Partys in dieser Zeit entwickelt?

Kefian: Ursprünglich sollte "Eardrum" nur ein einmaliges Event sein. Ich habe das nach einer Auszeit im Jos-Fritz-Café veranstaltet. Das Feedback vom Publikum war danach so positiv, dass ich wieder Lust am Auflegen und Veranstalten von Partys bekommen habe.

Die Halbwertszeit einer Feiergeneration beträgt fünf Jahre. Wie bleibt man denn als DJ so lange relevant?

Kefian: Ich verbiege mich nicht und mache einfach, was mir Spaß macht. Ich hoffe, dass ich diese Einstellung auch vermitteln kann. Dazu kommt, dass ich auch eine musikalische Nische bediene, die sonst in Freiburg keine Plattform hat. Klassischer HipHop, aber auch ganz viel instrumentaler HipHop und so Beatmaker-Kram.

Klar, die Generationen ändern sich. Ich denke aber, dass die Gäste vor allem auch wegen der Musik zu meinen Partys kommen. Ich finde es wahnsinnig schön, wenn junge Leute vor mir stehen und sich ein Stück von Madlib wünschen. Genauso freue ich mich über Gäste, die auf meinen ersten Eardrum-Partys getanzt haben und heute noch kommen. Aber wenn ich irgendwann einmal nicht mehr relevant sein sollte, ist das auch okay. Dann gehe ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz.


  • Was: 10 Jahre Eardrum w/ Luk & Fil, Kefian, Noset, Megabutter
  • Wann: Samstag, 15. Juli 2017, 23 Uhr
  • Wo: Spiegelzelt, Zelt-Musik-Festivalgelände am Mundenhof, Freiburg