Ich mach' jeden Job: Putzen im Lorettobad

Silke Mülherr

Das Strandbad ist bereits seit einigen Woche geöffnet, morgen nun geht auch im Lorettobad und im Freibad St. Georgen die Saison los. Zuvor mussten aber erst einmal alle Bäder auf Vordermann gebracht werden. Zu tun gab’s einiges, wie Silke Mülherr feststellte, als sie mithalf, dem Lorettobad im Stadtteil Wiehre den letzten Schliff zu verpassen.



Sanft plätschert das klare Wasser gegen den Beckenrand, die Sonne kitzelt auf der Haut. „Ich Glückspilz!“, denke ich mir. Immerhin ist das Wetter prächtig, wenn ich schon im Freibad schuften muss. Kurz vor Saisonbeginn wird dort letzte Hand angelegt, bevor die Badegäste die zwei Becken stürmen.


Wo sonst von überall her Kindergeschrei zu hören ist, herrscht heute noch friedliche Stille. Ganz für sich allein müsste man das Bad mal haben! „Da sind Sie ja“, unterbricht Günter Maier, stellvertretender Badleiter, meine Tagträume. Gleich darauf steckt er mich in eine blaue Regenhose samt Jacke. Die Gummistiefelgröße will er noch wissen. Und los geht’s.

Mein Chef nimmt mir schnell meine Hoffnung auf eine angenehme Tätigkeit im Außenbereich des Bades. „Blitzblank sollen die Umkleiden heute geschrubbt werden!“, sagt Maier. Ich füge mich meinem Schicksal und stapfe mit dem Wasserschlauch in der Hand zur Sammelkabine. Voller Tatendrang richte ich den Wasserstrahl in den ersten Spind – und erhalte umgehend die Quittung für meinen Übermut.

Die Spindwand wirft den Strahl mit voller Wucht zurück, und mir läuft ein kaltes Rinnsal den Rücken hinab. „Na toll, das geht ja gut los.“ Aus den Spinden läuft eine braun-graue Brühe aus Pollen und Staub, die sich in der Mitte des Flurs zu einem kleinen See sammelt. Schon nach kurzer Zeit wird mir heiß unter der Regenkleidung,  auch die Gummistiefel sind nicht gerade atmungsaktiv.

„Einfach kurz aufsperren lässt sich so ein Freibad nach dem Winter natürlich nicht“, erklärt Betriebsstellenleiterin Claudia Held. Schon seit März schuften drei  Mitarbeiter jeden Tag, um das Lorettobad für die Saison flott zu machen. „Als Erstes lassen wir im Frühjahr immer das Wasser ab“, berichtet die Chefin. Die beiden Becken aus Metall bleiben nämlich den Winter über gefüllt und offen: „Ohne den Gegendruck durch das Wasser würden sich die Metallwannen sonst wölben und Risse bekommen.“  Ist das alte Wasser im Gully, müssen zehn bis 15 Schubkarren Dreck aus dem Becken gehievt werden. „Keine schöne Arbeit“, versichert Maier.



Anschließend läuft das geschrubbte Becken im Familienbad wieder mit 450.000 Litern Wasser voll.  Dann stehen noch Malerarbeiten an, die Wiesen müsen gemäht  und die Hecken geschnitten werden. „Wenn der Spielplatz mit frischem Sand gefüllt ist und die Spielgeräte hergerichtet sind, machen wir uns ans Putzen“, berichtet Held vom Ablauf der Vorbereitungen.

Meine Augen haben sich mittlerweile auf das Halbdunkel im Umkleidehäuschen eingestellt. Gewöhnungsbedürftig bleibt die Putzuniform: das Regenkostüm ist mittlerweile zu einem Backofen geworden. Sehnsüchtig vernehme ich das Plätschern vom nahen Schwimmbecken her. Auch nach dem Auswaschen der Spinde mit Putzmittel wollen die Eisenschränke nicht so richtig glänzen. Da würde wohl nur ein neuer Anstrich helfen, der alte Lack blättert überall ab.

Trotz der Handschuhe brennt das Putzmittel auf meinen Handflächen und ich stelle mir vor, wie wohltuend jetzt ein Sprung kopfüber ins Becken wäre. Stattdessen mache ich mich an die Reinigung der Bodenfliesen. Seit mehr als zehn Minuten schrubbe ich auf den Knien an zwei Quadratmetern Fläche: Statt weniger entdecke ich immer mehr Flecken!

So viel Arbeit im Hintergrund, von der ich als Badegast nichts geahnt habe. Ob die Besucher diesen Aufwand zu schätzen wissen? „Unbedingt!“, versichert mir  Betriebsstellenleiterin Held, als ich Feierabend mache, und fügt hinzu: „Bei Umfragen wird das Lorettobad immer für seine Sauberkeit gelobt, darauf sind wir sehr stolz.“ Müde steige ich aus meinen dampfenden Gummistiefeln.

Bei einem letzten Blick auf die Umkleidekabine stellt sich ein unerwartetes Gefühl ein: Tiefe innere Zufriedenheit über den entfernten Schmutz. Nun kann sie beginnen, die Badesaison! Aber bitte keinen Schmutz machen.

Mehr dazu:

Web: Lorettobad

Freibadsaison

  • Am morgigen Samstag, 16. Mai 2009, öffnen das Lorettobad, Lorettostraße 51 a, und das Freibad St. Georgen, Am Mettweg 42. Beide Bäder haben dann, wie auch das vor drei Wochen geöffnete Strandbad, täglich von 12 Uhr bis 19 Uhr geöffnet (bei schlechtem Wetter schießen sie etwas früher). Der Eintritt kostet 3,70 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Die Saisonkarte, die zum Eintritt in alle drei Freibäder berechtigt, kostet 70 Euro, ermäßigt 34 Euro.
  • Die  Hallenbäder bleiben zunächst geöffnet: Das Faulerbad ist ab 25. Mai geschlossen, die Hallenbäder in Lehen und Hochdorf machen erst im August zu, das Westbad bleibt ebenfalls vorerst geöffnet, das Haslacher Bad ist wegen Sanierungsarbeiten weiterhin geschlossen.
[Dieser Text erscheint heute ebenfalls auf der 'Frisch gepresst'-Seite der Freiburger Lokalausgabe der Badischen Zeitung.]