"Ich gehe in die Höhle des Löwen, um eine Lösung zu finden": Joe Evers ist jetzt Mitglied im Lokalverein Innenstadt

Konstantin Görlich

Der Pro-Nachtleben-Aktivist und Ex-Artik-Vorstand Joe Evers, ein bekannter Gegner des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), ist jetzt dem Lokalverein Innenstadt beigetreten - den vehementesten KOD-Befürwortern. Was zum Geier er sich dabei gedacht hat:



Joe, what the fuck?!

Joe Evers
: Als der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) beschlossen wurde, hab ich als Einzelperson und auch als KOD-Gegner gedacht: Der Lokalverein ist eigentlich für die Interessen aller Innenstadtnutzer zuständig, aber das, was von dort kommt, ist sehr einseitig. Es kann nicht sein, dass ein Bürgerverein nur eine Seite vertritt, beziehungsweise dass da die andere Seite gar nicht drin ist. Wie kann man das vielfältiger machen? Indem man eintritt, in diesen Verein!


Ich finde es geil, wenn man gemeinsam eine Lösung findet, anstatt sich zu bekämpfen. Und die ist für mich durch den Gemeinderatsbeschluss in absolut weite Ferne gerückt. Es haben sich zwei Fronten gebildet, die nur noch übereinander gesprochen haben, aber nicht mehr miteinander. In einer Wahlkampfsituation ist das schön und gut, aber jetzt haben wir einen Ordnungsdienst, den junge Menschen einfach nicht wollen.

Es ist ganz wichtig, dass die Leute wieder miteinander kommunizieren, denn der KOD wird jeden von uns betreffen, und wenn er Scheiße ist, dann werden wir alle darunter leiden.

Wie war es denn nun, in der Höhle des Löwen?

Hehe, ja, äh. Der Löwe hat gar nicht so laut gebrüllt, als er uns gesehen hat, sondern es war überraschend harmonisch. Es blieb hängen, dass man in den Lokalverein Innenstadt eintreten kann und die Resonanz positiv ist. Am Ende wurde auch noch mal betont, dass es eine Bereicherung war, dass wir da waren. Wenn es hart auf hart kommt, ist natürlich die Frage: Wie verhält sich der Löwe dann?

Apropos hart auf hart: Wo überall kannst Du Dich jetzt nicht mehr blicken lassen? Die jungen Leute, die damals gegen KOD und Lokalverein demonstriert haben, die haben ja jetzt irgendwie gegen Dich demonstriert, oder?

Nö! Ich bin ja nicht im Lokalverein und bin jetzt plötzlich KOD-Befürworter. In keinster Art und Weise! Null! Ich bin hundertprozentig gegen einen KOD, als Joe Evers, und ich tue alles dafür, ich geh sogar in die Höhle des Löwen um eine Lösung zu finden!

Ich hoffe, dass ich mich in der Stadt noch überall blicken lassen kann. Ich geh überall hin. Ich hab keine Angst vor der Höhle des Löwen. Und das will ich auch einfach für Freiburg: Dass ich in die Innenstadt gehen kann, wenn ich will. Ich stehe für eine tolerante Stadt und deswegen freue ich mich, wenn ich das als Feedback zurückbekomme.

Wir könnten auch einfach abwarten und dann kommt der KOD, weil der Gemeinderat ihn nunmal beschlossen hat. Oder wir versuchen alles, um einen anderen Weg zu finden. Und das ist, aufeinander zuzugehen und zusammen zu gucken, ob es vielleicht doch eine andere Möglichkeit gibt.

Kannst Du das mit der lebendigen Innenstadt auch für junge Leute jetzt noch glaubwürdig vertreten? Mal ernsthaft: Glaubst Du wirklich, dass Du den Lokalverein Innenstadt in der Sache KOD umdrehen kannst?

Ich mach das, was ich für richtig halte und kann eigentlich nur die jungen Leute animieren: Wenn ihr tatsächlich Eure Stimme noch stärker vertreten wollt, dann könnt ihr das genauso tun. Das ist ein Innenstadtverein, der die Interessen der Innenstadtleute vertritt. Und wenn ihr euch nicht vertreten fühlt, dann versucht, das zu ändern. Das ist das, was ich versuche. Ich sage, der LVI vertritt nicht unsere Stimme, also gehe ich da rein, und sage, hey, jetzt hört mal, wir sind auch da!

Ich glaube nicht, dass ich den LVI in der Sache KOD umdrehen kann. Aber ich kann reingehen und sagen, hallo, hier sind noch andere Leute, und ihr könnt euch nicht hinstellen und sagen: Die Innenstadt will das so. Weil die Innenstadt ist vielfältig.

Wenn sich nach einem halben Jahr herausstellt, dass dieser Verein überhaupt nicht klar geht, dass da keine Gesprächsbereitschaft ist, dass die nichts mit uns zu tun haben wollen, dann kann ich ja auch wieder austreten. Wenn keine Zusammenarbeit möglich ist, dann lassen wir es.

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[Fotos: Ingo Schneider; Michael Bamberger]