SC-Trainer im TV

Christian Streich im Sportstudio: "Europa ist ein Abenteuer, kein logisches Ziel"

Eyüp Ertan

Nach dem 1:1-Unentschieden am Samstagnachmittag in Augsburg ist SC-Trainer Streich zu Gast im ZDF. Ein Gespräch über die Europa League, verschiedene Nationalitäten in der Startelf und soziale Kompetenzen.

Dass Christian Streich ein Freund von klaren Worten ist, weiß man inzwischen auch außerhalb Freiburgs. Ein etwas anderer Typ Trainer, passend zu Freiburg eben, der sich immer wieder zu gesellschaftspolitischen Themen äußert. Dementsprechend groß war wahrscheinlich auch die Vorfreude einiger Zuschauer des Aktuellen Sportstudios - der Kulttrainer aus Freiburg, zu Gast im ZDF, fernab des Fußballplatzes. Zu was würde er sich äußern, zur Innenpolitik, zur Außenpolitik, gar zur Weltpolitik?


Ein Privileg für Streich in seiner Heimat zu arbeiten

Das Gespräch mit Sportstudio-Moderator Sven Voss sollte, vielleicht zur Enttäuschung eben jener Zuschauer, dann doch anders verlaufen - viel drehte sich über den Trainerberuf in der Bundesliga, die Ambitionen des Sportclubs und über Streichs eigene Zukunftsvorstellung. "Was man nicht vergessen darf, ich bin zu Hause in Freiburg bei Familie und Freunden. Ich geh am Abend nach Hause, das ist ein enormes Privileg und ein Luxus, das haben nicht viele meiner Kollegen", meint Streich auf die Frage, woher er seine Energie nehme.

Ob in Freiburg die Ambitionen und Erwartungen steigen, möchte Voss mit Blick auf das für 2019 geplante neue Stadion wissen. Auch die Frage nach der Europa League fällt. Ein Thema, dem der Freiburger Trainer stets aus dem Weg zu gehen versucht. Streich nimmt gelassen Wind aus den Segeln. "Europa ist ein Abenteuer, kein logisches Ziel." Auch auf die Frage, ob mit dem neuen Stadion neue Ambitionen nach Freiburg kämen, antwortet er gewohnt bescheiden: "Schauen sie nach Hamburg, Bremen, Leverkusen und Mainz. Die haben alle ein großes Stadion. Es gibt die vier Besten da oben, danach kann jeder jeden schlagen", so der Trainer des Sportclubs.

Eine komplett deutsche Startelf

Zwei Themen erfüllen dann doch noch die Erwartungen der Zuschauer: Elf Deutsche waren am Samstag in Augsburg in der Startelf - und das in Freiburg? Hat die Nominierung der Spieler auch etwas mit der Sprache zu tun? Was Christian Streich bereits vor zwei Wochen in einer Pressekonferenz erklärt hat, wiederholt er nun noch einmal für das ZDF. "Das ist Zufall. Das hat sich so ergeben, Torrejon, Abrashi und Söyüncü haben alle andere Pässe und spielen dennoch."



Wichtig sei ihm vor allem soziale Kompetenz. "Das heißt, dass man Menschen, mit denen man jeden Tag zusammen arbeitet respektiert, egal ob sie aus Albanien, Österreich oder der Türkei kommen. Das heißt, dass man auch mal auf der Bank sitzt und das dennoch akzeptiert. Ich hatte in dem Alter keine gute soziale Kompetenz, weil ich zu emotional war."

"Selbstverständlich. Man wünscht sich politische und soziale Wesen. Auf dem Platz sind zehn, elf, zwölf Nationalitäten, und dann soll man Leute ausgrenzen? Das wäre absurd" Freiburgs Trainer Streich
Er wünsche sich mündige Spieler. Ob zu diesem Wunsch auch mündige Fans gehören, die sich gegen Rassismus und Homophobie positionierten, fragt ZDF-Moderator Voss. Eigentlich eine banale Frage, die sich fast schon von selbst beantworten lässt, wenn man auch nur einen kleinen Teil von Christian Streichs wöchentlichen Pressekonferenzen mitbekommt. "Selbstverständlich. Man wünscht sich politische und soziale Wesen. Auf dem Platz sind zehn, elf, zwölf Nationalitäten, und dann soll man Leute ausgrenzen? Das wäre absurd", sagt Streich.

Auch am Ende der Sendung, an der Torwand, schlägt sich Christian Streich ganz passabel. Zwei Treffer unten rechts, ein Treffer oben links bedeuten für ihn einen neuen persönlichen Rekord.



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