House

"Ich bin ein Analog-Freak": DJ Tobi Neumann im Interview

Valentin Heneka

Der Wahlberliner Tobi Neumann ist eine Autorität in Sachen elektronischer Clubmusik. Bevor er am Freitag im Neko auflegt, sprach er mit fudder über seine Herangehensweise als DJ, sein Studio und Remixe für House-Legenden aus Chicago.

Zuletzt hast Du vor vier Jahren auf einer fudder-Party in Freiburg aufgelegt. Was hat sich seither bei Dir getan?

Tobi Neumann: Geändert hat sich, dass ich aktuell sehr viel im Studio arbeite. Ich produziere nicht nur in verschiedenen Kollaborationen, sondern bin jetzt auch im Bereich Schulung aktiv. Mit meiner Studio-Managerin habe ich ein Kurssystem aufgezogen, das sehr gut funktioniert. Nach wie vor bin ich ein sehr leidenschaftlicher DJ und versuche, gute und abwechslungsreiche Sets zu spielen. Mein Sound lebt immer noch davon, wie ich verschiedene Stile miteinander kombiniere und weniger von einzelnen Genres. Jede Woche durchforste ich viel neue Musik, was mir gefällt, verbinde ich mit dem, was ich schon kenne.
Zur Person
Tobi Neumann, Jahrgang 1965, kam durch ein Erweckungserlebnis auf der Loveparade Mitte der 90er zur Clubmusik. Zuvor Tontechniker und Musikproduzent für Film und Fernsehen, produzierte er danach für Chicks on Speed oder Miss Kittin und prägt als DJ das Nachtleben seiner Heimatstadt München. Heute lebt er in Berlin, wo er das Apollo Studio betreibt.

Wie kam es dazu, dass du Tontechnik nun auch unterrichtest?

Ebenso wenig, wie ich geplant habe, DJ zu werden, wollte ich Lehrer werden. Ich bin da reingerutscht. Ausschlaggebend war ein Video auf Youtube, in dem ich erkläre, wie man einen Bassdrum-Sound mit analogen Modulen erzeugt. Darauf wurde ich häufig angesprochen und ermuntert, Kurse zu geben. Ich habe allerdings auch zuvor schon ein paar Leute ausgebildet, aus denen auch etwas geworden ist. Für mich schließt sich da in gewisser Hinsicht ein Kreis.



Kennt man deine Schüler?

Mein erster Schüler war Marcin Öz, der später die Band The Whitest Boy Alive gegründet hat. Heute ist er Weinbauer auf Sizilien. Auch den DJ, Produzent und Labelbetreiber Binh habe ich zwei Jahre lang ausgebildet. Ebenso Fadi Mohem, der auf Ben Klocks Label veröffentlicht und im Berghain auflegt. Es gab immer wieder erkennbare Talente, die auch meine persönliche Philosophie in ihre Arbeit aufgenommen haben.

Wie würdest du deine Philosophie beschreiben?

Ich bin ein Analog-Freak. Im Studio habe ich vor allem echte Geräte und weniger digitale Plugins. Meine Studiotechnik ist groß, platz- und wartungsaufwendig, aber geil vom Sound.

Du warst bereits ein erfolgreicher Produzent von Filmmusik und Werbejingles, als du Mitte der 90er mit Clubmusik angefangen hast. Was hält dich bis heute bei House und Techno?

Mich motiviert es nach wie vor, wenn die Leute tanzen. Ganz einfach. Ich glaube allerdings, dass heute nicht mehr so sehr darauf geschaut wird, wie die DJs spielen und dafür das Aussehen der DJs eine größere Rolle spielt. Da kann ich dann halt nicht mithalten. Trotzdem gibt es, vor allem in Berlin, noch einen Markt für Qualitätsmusik – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Hautfarbe.



Im Laufe deiner Karriere hast du etwa mit so unterschiedlichen Bands und Künstlern wie Chicks on Speed, Miss Kittin, Tocotronic, Sven Väth und Westbam zusammengearbeitet. Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Partner aus?

Ehrlich gesagt habe ich da kein großes Konzept dahinter. Die Chemie muss stimmen, damit im Studio gute Dinge passieren. Manche Sachen bleiben einmalige Kooperationen, aus anderen entwickelt sich eine langjährige Zusammenarbeit.

Letztes Jahr erschien Dein Remix des 1988 erschienen Acid-House-Klassikers "We are Phuture" von Phuture. War das anders als andere Remixaufträge?

Da war schon mehr Ehrfurcht im Spiel. Ich mag natürlich den analogen Sound der Klassiker aus Chicago. Die Sache ist nur: Während man heute Tausende von Euro für eine originale 303 (ein stilprägender Synthesizer, Anm. d. Red.) hinblättern muss, haben die Jungs damals einfach das genommen, was sie hatten. Für meinen Remix habe ich mir auch ein reduziertes Setup aus wenigen Geräten hingestellt und den Track innerhalb von 30 bis 40 Minuten produziert. Deswegen heißt er auch "True School Remix" und nicht "New School Remix".



Deine erste Wirkungsstätte als DJ in den 90er Jahren war München, seit 2001 lebst Du in Berlin. Kannst Du dir vorstellen, jemals wieder nach Süddeutschland zu ziehen?

Ich verbringe aktuell wegen meiner Freundin und Familie viel Zeit in München. Ich fühle mich da wohl, aber Berlin ist halt liberaler. Und es gibt mehr arme Menschen als in München, was aber ja irgendwie auch eher der Wahrheit entspricht.



Was verbindest Du mit Freiburg?

Mein letzter Gig dort war super. Ich habe ausschließlich Underground-Kram gespielt und die Leute sind mitgegangen. Abgesehen davon habt ihr ein ganz tolles Fußballteam. Ich bin großer SC-Freiburg-Fan. Christian Streich treibt mir manchmal die Tränen in die Augen.
Was: Modulate Label Night mit Tobi Neumann
Wann: Freitag, 22. November 2019, 22 Uhr
Wo: Neko, Freiburg

Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde zwei Mal zwei Tickets für die Modulate Night. Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden.

Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Modulate" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Freitag, der 22. November, um 10 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

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