"Ich bin der größte Egozentriker der Welt!" Interview mit MC Krom über sein Ego-Fanzine 'Kromberger'

Manuel Lorenz

Der Freiburger Rapper MC Krom gibt sein eigenes Fanzine heraus: den 'Kromberger'. Dieser erscheint viermal im Jahr, zählt um die 40 Seiten und kommt samt EP, Buttons sowie Stickern daher. fudder-Redakteur Manuel Lorenz hat Krom gefragt, ob es sich bei der im Heft abgebildeten Scham um ein Selbstporträt handelt und wo man die angepriesene "Krawallbrause" bekommt:

 

MC Krom, alle drei Monate gibst du ein 40-seitiges Magazin heraus, das sich quasi nur mit dir selbst beschäftigt. Eckt man nicht an, mit so viel Egozentrik?

MC Krom: Nein! Kaum! Erschreckend selten! Ich weiß gar nicht, warum das so unkritisch aufgenommen wird. Ich glaube, ich bin der größte Egozentriker der Welt! Ich hab’ sogar MC-Krom-Socken und -Boxershorts zuhause, die ich auch regelmäßig trage.

Warum machst du das überhaupt?

Um den Output zu vergrößern, am Ball zu bleiben, herumzuexperimentieren – musikalisch. Dem Heft liegt ja immer auch eine EP bei.

Im Zeitalter der Online-Magazine und Weblogs: Warum erscheint der „Kromberger“ in gedruckter Form?

Für mich hat das eine ganz andere Wertigkeit. Ich finde es wichtig, was Handfestes zu haben. Dasselbe gilt für meine Musik. Wenn knapp 10.000 Leute mein Album herunterladen, ist das für mich was anderes, als wenn 100 Leute mein Album als CD kaufen. Wenn du dir Musik runterlädst, vergammelt sie auf deinem mp3-Player oder der Festplatte. Es ist einfach was ganz anderes, eine CD oder Platte aus dem Regal zu holen, sie aufzulegen und während des Hörens ihre Hülle in der Hand zu halten.

Wie viel Arbeit steckt in jeder Ausgabe?

Ich mach’ das zusammen mit Patrick Herzog, meinem Grafiker. Wir treffen uns an einem Wochenende, hängen rum, entwickeln Ideen, besprechen den Inhalt. Dann lassen wir zwei Wochen ins Land gehen, bevor wir uns noch mal ein Wochenende lang treffen und das Heft setzen, drucken und fertig produzieren. Reine Arbeitszeit: 40 bis 50 Stunden.

Wer gehört außer Patrick Herzog noch zum Kromiversum?

Markus Florian, mein Produzent, den ich – wie Patrick – aus Waldshut-Tiengen kenne. Er betreibt dort unten das Dreamland Areas Recording Studio. Opernsänger lassen sich dort Kontrollaufnahmen ihrer Stimme machen, Metalbands nehmen dort ihr Album auf. Außerdem noch DJ Burner, den ich ausm Sandkasten kenne. Er ist mein Live-DJ und produziert meine Beats.



In deiner Musik wie in deinem Magazin gibst du dich gerne politisch unkorrekt.

Ja! Immer! Das ist mir ganz wichtig! Ich habe mich total losgesagt von der political correctness. Eigentlich komme ich ja genau aus dieser Ecke. Hiphop ist ursprünglich immer auch politisch korrekt gewesen: Public Enemy, Conscious Rap. Da hat Wertevermittlung eine große Rolle gespielt.

Das muss jetzt aber ein stückweit aufgebrochen werden. Ich habe keine Lust mehr, mir Musik von Leuten anzuhören, die mir mit erhobenem Zeigefinger sagen: Mach dies, tu das, pass mal auf, so wird’s gut. Ich finde es unterhaltsam und interessant, dagegen aufzubegehren. Weil diese political correctness unglaublich Einzug in unsere Gesellschaft gehalten hat. Das ist teilweise natürlich gut, zum Beispiel, was die Diskriminierung von Minderheiten angeht. Aber es nimmt mittlerweile abstruse Formen an.

Zum Beispiel?

Meine Lieblingsgeschichte: diese Gender-Leute, die immer versuchen, für genderkorrekte Sprache eintreten. An der Uni: „Achten Sie auf die gendersensible Schreibweise.“ Das ist für mich der schlimmste Auswuchs dieses Genderwahns. Viele Institutionen schreiben jetzt „Mitgliederinnen“ – obwohl „Mitglieder“ ein Neutrum ist. Das ist doch verrückt, wenn hoch gebildete Menschen etwas grammatikalisch Falsches veröffentlichen, nur, um sich diesem Wahn anzupassen.

Ich finde, die Political-Correctness-Front ist so stark geworden – gerade hier in Freiburg –, dass es schön ist, ihr ein bisschen auf die Füße zu treten.

Der Freiburger Journalist Daniel Weber, der regelmäßig auch für fudder.de schreibt, hat im aktuellen „Kromberger“ eine Hommage auf die Audiokassette geschrieben. Welche Beziehung hast du selbst zur Kassette?

Ich gehöre wahrscheinlich der letzten Generation an, die, als sie angefangen hat, Musik zu machen, das Ganze noch zuhause mit dem Kassettenrekorder aufnehmen musste. Wir haben unsere ersten Songs mithilfe der Stopp- und Pause-Taste gebastelt; das kennen viele Kids heutzutage nicht mehr.

Ich hab' auch noch ein Tape-Deck in meinem Auto. Das leiert und knallt und ist dauernd kaputt. Tapes sind total unpraktisch, aber irgendwie cool. Vielleicht, weil man bei ihnen die Tracks nicht überspringen kann.

Dein Lieblings-Tape?

Wir sind früher nachts im Schwarzwald grillen gegangen und hatten einen Riesen-Ghettoblaster dabei. Da war spulen verboten, weil die Batterien sonst zu schnell leer gingen. Deshalb hab ich mir ein 90-Minuten-Tape gemacht, mit nur einem Track: Nas – „Got Ur Self A Gun“. Und die anderen mussten sich das 90 Minuten lang anhören. Nach zweimal abspielen ist das Tape gerissen. War wohl keine Qualitätskassette …

Der „Kromberger“ enthält viel Artwork. Unter anderem ein Foto, auf dem sich jemand eine MC-Krom-CD vor seine akkurat rasierte Scham hält. Ein Selbstporträt?

Nee! Und wenn du dir überlegst, wo da die Kamera da stand: Das war auf jeden Fall einer der seltsamsten Momente ever!

Außerdem machst du in deinem Heftle Werbung für einen Shot namens „Krawallbrause“. Wo kann man die beziehen?

Die dürfen wir nicht verkaufen, sonst kriegen wir Ärger vom Lebensmittelamt. Wir verschenken sie aber immer auf Konzerten. Dreiviertel Korn, Einviertel Sprite.

MC KROM Allein

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Hier gibt's die dritte Ausgabe des "Krombergers" online: Der Kromberger, Nr. 3. Und hier kann man sich die EP dazu anhören: Kromberger EP Nr. 3. [Bild 1: Benedikt Nabben; Bild 2: Privat]