Hundreds in Schmitz Katze: wippend-leichte Coolness

Sophie Aschenbrenner & Florian Forsbach

Die Band Hundreds steht für wunderschöne Songs zwischen Indiepop und Electronica. Am Donnerstag hat sie zum ersten Mal in Freiburg gespielt und bei unserer Autorin Sophie Aschenbrenner ein ozeanisches Gefühl von Versunkensein in der Musik ausgelöst.



Schwarz ist die Farbe des Abends: Das Bühnenbild, die Outfits der Bandmitglieder sind in Schwarz gehalten - wie auch die Homepage der Band. Hundreds, das ist das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner. Die beiden könnten auch Pariser Bohemiens sein – er mit Vollbart und schwarzem Jackett, sie mit Kurzhaarschnitt, roten Lippen und dezent glitzerndem Lidschatten. Im lässig geschnittenen schwarzen Kleid, schwarzen Leggins und barfuß steht Eva auf der Bühne im Schmitz Katze – und strahlt dabei eine Mischung aus Coolness, Kraft und Eleganz aus, wie das in diesem Outfit wohl nur wenige Frauen vermögen.

Die Crowd steht auf ihrer Seite. Vorrangig ist Freiburger Studierenden-Style vertreten, viele karierte Hemden, Cardigans, bunte Schals und verwuschelte Frisuren, flache Schuhe, entspannte Atmosphäre. Das Konzert ist gut besucht, dennoch gibt es ausreichend Platz zum Tanzen. Dieses Konzert ist das Erste, das Hundreds in Freiburg geben, es ist das zweite ihrer aktuellen Tour. "Wer von euch hat uns schon mal live gesehen?", fragt Eva. Wenige Hände heben sich in die Luft. Dies tut der Stimmung keinen Abbruch.

Das Konzert in der Katze ist ein Vorgeschmack auf das "Between the Beats"-Festival in Lörrach, das im März stattfinden wird. Dort sind Hundreds, die eigentlich elektronischen Indie-Pop machen, auch im Line Up zu finden. Heute jedoch ist ihre Musik ruhiger, akustischer und reduzierter als sonst. Der Auftritt ist nicht nur für das Publikum etwas Besonderes, sondern auch für die Band.

Kollektives Wippen

Unaufgeregt steht Eva hinter dem Mikrofon, ihre tiefe und samtige Stimme trägt die Songs durch den Abend. Philipp "hat hier ziemlich viel zu tun", wie seine Schwester sagt, und allerdings: Er spielt teilweise auf zwei im rechten Winkel zueinander aufgestellten Klavieren gleichzeitig und bedient dazu ein Glockenspiel und allerlei elektronische Geräte. Denn nicht der ganze Abend bleibt rein akustisch: Unter anderem bei "Circus", ihrem bekanntesten Song, legen Hundreds sanfte elektronische Beats hinter Klavier, Schlagzeug und Gesang, die Menge beginnt kollektiv zu wippen, Begeisterung. Beim dritten Song kommt ein Schlagzeug dazu, auch der Drummer ist ganz schwarz gekleidet, die Luft vibriert vom Beat. Bei einem Song nutzt er eine leere Glasflasche als Klangkörper, es entsteht ein ungewöhnlicher Sound.

Wie Philipp und Eva wirkt auch er den ganzen Abend extrem lässig. Die Musik, die Hundreds heute Abend spielen, ist getragen von Evas Gesang, untermalt von Klavier, Schlagwerk und gelegentlichen sanften elektronischen Beats oder den Tönen eines Glockenspiels. Sie lädt ein zum wippen und sich wiegen. Wenn Eva selbstvergessen auf der Bühne tanzt, nicht bemüht aufreizend oder choreographiert, sondern einfach so, wie sie es wohl auch in einem Club tun würde, steckt das an. Die Crowd wippt mit, die erste Reihe geht ganz gut ab. Insgesamt liegt keine ausgelassene Stimmung in der Luft, sondern eher ein Versunkensein in die Musik.

Ganz besondere Kraft zu zweit

Selten singen die beiden Geschwister im Duett, doch dann breitet sich Gänsehaut-Faktor aus. Zu zweit haben ihre Stimmen eine besondere Kraft, vor allem bei der letzten Zugabe, einem Lied, das Eva geschrieben hat, als "ich liebeskummerkrank war." "Es geht vorbei", verspricht sie allen im Publikum, denen es gerade so gehen könnte wie ihr damals. Und wie sie da steht, versunken in ihren Text und alte Gefühle, mag man es ihr einfach glauben. Oder bei "Stones", einem Song aus dem neuen Album, das 2014 erschienen ist.

Eva steht ganz ruhig auf der Bühne, ihre Arme hängen an der Seite herunter, sie wirkt fast verloren, dann fassen ihre Hände das Mikro. Als Philipp beim Refrain in den Gesang mit einsteigt, stehen alle im Publikum sehr still, konzentriert, eingenommen von der Musik. Die beiden Geschwister sind ein Team. Das merkt man, wenn Eva sich bei den Instrumentalteilen, zum Beispiel bei "Happy Virus", ganz zurückhält und ihrem Bruder und dem Schlagzeuger beim Spielen zusieht, ebenso wie an kleinen Blicken, die sie einander zuwerfen.

Nach fast jedem Lied bedankt sich Eva lächelnd:"Vielen, vielen Dank." Am Ende sagt sie sehr bescheiden: "Ihr wart ein großartiges Publikum. Ihr habt es uns sehr leicht gemacht." Doch auch Hundreds haben es uns leicht gemacht. Ein Abend voll wunderbarer, wippend-leichter, ansteckend schöner Musik.

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Text: Sophie Aschenbrenner, Fotos: Florian Forsbach

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