Freiburger Münster

Hunderte Katholikinnen demonstrieren für Zulassung von Frauen zum Priesteramt

Simone Höhl & Thomas Biniossek

Rund 700 Frauen und Männer aus der ganzen Erzdiözese haben beim Auszug neu geweihter Priester aus dem Freiburger Münster protestiert. "Die Botschaft kommt an", sagt Erzbischof Stephan Burger.

Rund 700 Frauen und Männer demonstrierten am Sonntag auf dem Freiburger Münsterplatz dagegen, dass die katholische Kirche Frauen das Priesteramt verwehrt. "Die Botschaft kommt an", sagte Erzbischof Stephan Burger beim Auszug aus dem Münster, in der er sechs Männer zu Priestern geweiht hatte. Aufgerufen zum Protest hatten zwölf Freiburger Frauen, die ehrenamtlich in der Kirche tätig sind. Gekommen waren Demonstrantinnen aus der ganzen Erzdiözese.


"Träumt unsern Traum" – zart tönt das Kirchenlied über den Freiburger Münsterplatz, gesungen vor allem von Frauen. Viele von ihnen halten Pappschilder. "Veränderung jetzt" steht darauf und "Fürchtet Euch nicht vor uns" oder "Wir können nicht nur Fürbitte, sondern auch Kanzel". Erzbischof Stephan Burger tritt aus dem Münster und geht zielstrebig auf zwei Sprecherinnen der Frauen zu, die zum Protest aufgerufen hatten.

"Ich werde diese Spannung heute nicht lösen können." Erzbischof Burger
"Ich möchte Frauen in der Kirche nicht missen", versicherte Burger, betonte aber, dass er am Zugang zu den Weiheämtern nichts ändern könne. Die lehramtlichen Aussagen von Rom seien bisher eindeutig, hatte er zuvor im Gottesdienst in seiner Predigt gesagt: "Ich werde diese Spannung heute nicht lösen können." Sigrid Striet von der Aktion mit dem Motto "ohne mich!" entgegnete im mehrminütigen Austausch mit Burger, dass sich die Bischöfe vor Ort sehr wohl für eine Veränderung einsetzen könnten.

Keine Priester mehr weihen, solange Frauen nicht zugelassen sind?

Sie könnten zum Beispiel keine Priester mehr weihen, solange Frauen nicht zugelassen seien, erklärte später ihre Mitstreiterin Eveline Viernickel. Burger ließ auf der Demo ein Flugblatt mit einer Stellungnahme verteilen. Seine Einladung, sich in der Kommission für Geschlechtergerechtigkeit einzubringen, wollen die Freiburger Frauen nicht annehmen: "Wir wollen jetzt, dass es vorwärts geht." Ihnen geht es um Strukturveränderung und Gleichberechtigung. Sie sehen kein theologisches Argument, warum die katholische Kirche keine Frauen zum Priesteramt zulässt. Den Ausschlag zum Protest gaben letztlich die Missbrauchskandale.



Erzbischof Burger weihte am Sonntag sechs Männer zu Priestern – unter ihnen Martin Heine aus Jechtingen am Kaiserstuhl, Christian Schätzle aus Schuttertal und Tobias Springer aus Gengenbach. Unter den Demonstrantinnen und Demonstranten, die beim Auszug des Domkapitels eine Menschenkette bildeten, waren Frauen aus Umkirch, Staufen, Waldkirch und anderen Orten der Region, aber auch aus dem Murgtal und vom Bodensee. Sie haben sich der Initiative "Maria 2.0" von Frauen in Münster angeschlossen, die eine bundesweite Protestwelle auslösten.

Protest auch in Hinterzarten

Auch in Hinterzarten beteiligten sich Gläubige an der Aktion: Rund 30 Katholikinnen und Katholiken feierten parallel zum regulären Gottesdienst vor der Kirche Mariä in den Zarten einen Wortgottesdienst. "Wir werden weiter solche Aktionen machen", kündigte Mitorganisatorin Ingrid Birkenberger an, auch wenn es fraglich sei, ob das Anliegen der Frauen in Rom ankomme. In Lauchringen im Kreis Waldshut-Tiengen soll am heutigen Montag ein knapp zweiwöchiger Kirchenstreik für Gleichberechtigung beginnen.