Hochschulzugang

Hunderte demonstrieren gegen Studiengebühren

Elisa Miebach

Rund 400 junge Menschen demonstrierten in Freiburg gegen die geplante Einführung von Studiengebühren für ausländische Studierende und fürs Zweitstudium.

Der indische Student San Keth war am Samstagnachmittag in Freiburgs Innenstadt einer der Demonstranten. "Bildung öffnet Türen", so San Keth: "Die Gebühren würden die Türen für viele Menschen schließen." Er studiert in Freiburg Mikrosystemtechnik. Für den Umzug nach Deutschland nahm er einen Kredit auf. Studiengebühren hätte er nicht finanzieren können – auch deshalb entschied er sich gegen Zusagen aus Schweden und den Niederlanden. Er lobt die Qualität des Freiburger Studienganges, den es so nicht in Indien gebe.


An der Universität Freiburg kommen rund 2800 Studierende aus Nicht-EU-Ländern. Das Wissenschaftsministerium, das bislang auch diese Studienplätze finanziert, muss jedoch künftig 48 Millionen Euro sparen, um die Schuldenbremse des Landes einzuhalten. Deshalb möchte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) Studiengebühren für bestimmte Gruppen erheben. Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Ministeriums ergab, dass dies zulässig sei, solange es "sozialverträglich" sei. Der Rektor der Freiburger Universität, Hans-Jochen Schiewer findet: "Ein Beitrag zu den Kosten ihrer Ausbildung ist sozialverträglich zumutbar – und mehr als einen Beitrag sehen die Planungen nicht vor."

Auch für ein Zweitstudium soll künftig gezahlt werden. Die Studentin Marie Vetter argumentiert bei ihrer Rede am Bertoldsbrunnen dagegen: "Heute wird es immer schwieriger, sofort das richtige Fach zu wählen." Auch wenn man mit seinem Abschluss erst einmal keine Stelle finde oder später im Leben umsatteln wolle, seien Gebühren für ein Zweitstudium eine Hürde. "Deutschland ist für so viele Länder ein Vorbild, gerade was den Zugang zur kostenfreien Bildung angeht", sagt Idil Isse aus Kanada bei ihrem Statement auf den Stufen am Augustinerplatz: "Ein gerechterer Zugang zu Bildung führt zu einer gerechteren Welt." Die Passantin Irmgard Mölder kann sowohl die Studierenden als auch die Ministerin verstehen: "Vielleicht wären die Gebühren gerechter, wenn sie nach dem Einkommen der Eltern der ausländischen Studierenden gestaffelt wären."

"Bildungsgerechtigkeit ist ein unglaublich hohes Gut", sagt Leon Grünig, Vorstand der Studierendenvertretung der Universität Freiburg. Zusammen mit anderen Studierenden aller Freiburger Hochschulen half er im Arbeitskreis Freie Bildung, die Demonstration zu organisieren. Die Demonstranten sind überzeugt, dass Deutschland von den ausländischen Studenten ideell und finanziell profitiert. Sie würden oft später in Deutschland arbeiten und dann in die Sozialkassen einzahlen. So wie Rang Noh aus Südkorea, die nach ihrem Masterabschluss in Physik in Deutschland bleiben will. Sie sagt: "Hätte es Gebühren gegeben, wäre ich wahrscheinlich nicht nach Freiburg gekommen."

Eine Bildergalerie von der Demo gibt’s unter mehr.bz/studidemo16