Humoresk, schlageresk, grotesk: Supergaul haben ein neues Album

Alexander Ochs

Ihre wichtigste Grundhaltung ist: Wir scheißen auf alles. Supergaul sind wieder da. Die hiesige Band hat ein neues Album: "Musik für Menschen mit oder ohne Penis".



Im Jahr erblickte 2011 der sogenannte Supergaul das Licht der Welt. Die Combo besteht aus Rockrainer-Mitgliedern aus Lahr und dem Kehler Musiker Flying Bob. Was die drei musikalisch zusammenbrutzelten, rangierte bei ihnen unter Mofapop für die Kreisliga-C-Disko. Ein Jahr später kam es dann ganz dicke mit dem Debüt namens "Eigentlich wollte ich Klein, aber dann kam Groß." Nun kommt es noch dicker, fett bis monströs. Nicht umsonst bezeichnet sich die Truppe als "den einzig akzeptablen Grund für Selbstmord".


Doch erst mal: Wer steckt eigentlich hinter Supergaul? Laut Selbstauskunft der Band handelt es sich um den Essayist und Schmierfinken Bier Wolfmann, den Moped-Restaurateur Axel H. und die Trailerpark-Kuratorin Uschi. Die drei gießen ihren Elektro-Trash-Pop und ihre geballte Häme über alles aus, was dem Spießbürger oder Otto Normalverbraucher heilig ist. Es ist ein elegant zusammengewürfelter Kübel aus gekonnt ge-dreck-seltem, lustvoll veredeltem Verbal-Müll, der sich in die Gehörgänge des Zuhörers ergießt. So liegt der brechend-bestechende Reiz der 17 Tracks nicht vordergründig in der Musik, sondern in den brachial-genialen Texten, die eben auch mal gen Genitalien zielen.

Das wichtigste Grundprinzip von der Haltung her: Wir scheißen auf alles. Ein Frontalangriff auf den guten Geschmack. Da reihen sich politisch höchst unkorrekte Aussagen wie "Heute ist der perfekte Tag für ein Drive-by-Shooting am Supermarkt" (Der perfekte Tag), "Die Existenz von hübschen Ziegen ist ein haltbarer Grund für Sodomie" (Geschichten über Katzen und Träume) oder Titel wie "Der Guantanamo-Fun-Hit" und "Das Pro Atomkraft Lied" bizarr aneinander.

Genretechnisch bewegt sich das Album zwischen Elektropop, Schlager und Satire. Echte Instrumente wechseln sich, organisch eingebaut, ab mit vielen synthetischen Beats. Humoresk, schlageresk, grotesk. Da gibt es auch ein lustiges Wiedersehen, nein Wiederhören mit dem Wiener Schmäh à la Falco, wie ihn Sänger Sandro De Lorenzo alias Bier Wolfmann schon bei Rockrainer in "Angst vorm Adel" parodiert hat (Inkunabel Paradeiser). Und im ebenso parodistischen Zwischenstück "Kultur kontrovers mit Hajo Schirmberg" bekommt das klassische Kulturformat im Radio sein Fett weg.

Das Spiel mit dem Ekelfaktor zelebriert auch das eine Coverbild: Fritten und Currywurst – wobei die Wurst, hübsch mit Ketchup und Currypulver garniert, im Penis-Look daherkommt... Wie drückt es die brüllkomische Truppe selbst aus? "'Musik für Menschen mit oder ohne Penis' ist ein Album, das in der Lage ist, eine neue Generation von Feelgood-Zynikern zu züchten."



Mehr dazu:

[Bild: Supergaul]