Humor auf hawaiianisch: Das United Ukulele Orchestra im Paulussaal

Janna Breitfeld

"We will rock you" ohne E-Guitarre, geht das überhaupt? Am Donnerstagabend spielte sich das United Ukulele Orchestra im Paulussaal quer durch die Jazz-, Pop- und Rockgeschichte. Es bewies dabei, dass sich so manches fehlende Instrument einfach durch eine Portion Selbstironie und (britischen) Humor ersetzen lässt.



Einer der acht englischen Musiker, mit Anzug und Brille, zwängt sich zwischen den Notenständern nach vorne, greift zum Mikro und fragt mit heiserer Rocker-Stimme: „Are you ready to rock? Are you ready to roll?“ Die gespielte Heiserkeit bringt ihn dabei zum Husten. Er hebt die Arme und animiert sein Publikum dazu, in Queens Kultsong "We will rock you" einzustimmen und den Rythmus zu klatschen.


In diesem Moment müsste eigentlich die E-Guitarre einsetzen und den Saal durchdringen. Doch es gibt keine. Stattdessen lassen sich sanfte Ukulelenstimmen vernehmen, die angestrengt versuchen, ein Rockstar zu sein. Ihr Effekt: das Publikum rockt nicht, es lacht.



Humor und Eigenironie gehören eindeutig zum Song-Potpourri des United Ukulele Orchestra dazu. Locker flockig performt es seine Stücke der Jazz-, Pop- und Rockgeschichte, die Orchester-Leiter Peter Moss eigens für die hawaiischen Instrumente umgeschrieben und neu arrangiert hat.

Besonders heikle Stellen übertuschen die Musiker dabei durch Wechselschläge, wie man sie vom Mandolinenspiel her kennt. Durch schwierige Textstellen, wie die italienischen Passagen bei „Time to say goodbye“, schummeln sie sich mit einem einfachen „Nanana“.
Doch nicht bei jedem Stück wird gemogelt. Die "Bohemian Rapsody" erhält eine beeindruckende Performance, die besonders durch die Stimme der Sängerin Sarah getragen wird.

Neben dem Ukulelespiel präsentiert das Orchester reichlich britischen Humor, schauspielerische Fertigkeiten und allerlei Zusatzequipment: von beschrifteten Plakaten über Bauarbeiterhelme bis zur Bierbong. "Bloß keine Langeweile!", scheint der Vorsatz des Abends zu sein. Manchmal vernimmt man diesen Vorsatz allerdings zu deutlich.



Das Klatschen, das bei „We will rock you“ eine gute Idee war, hält leider während des gesamten Konzerts an. Dadurch erinnert es zuweilen nicht mehr an den Auftritt eines Orchesters, sondern  ans Musikantenstadl, besonders bei Songs wie "Rote Lippen soll man küssen".

Auch die zarten Ukulelenstimmen werden durch die akustische Teilhabe des Publikums hin und wieder verschluckt. Das ist schade, gerade für diejenigen, die weniger fürs Entertainment, sondern des Instruments wegen gekommen sind. Manch Ukulelespieler im Publikum bedauert es auch, dass die kleinen Instrumente hinter den großen Notenständern kaum zu sehen sind. Gerne hätte sich hier der ein oder andere ein paar Griffe abgeschaut.

Und dennoch: Ein Grinsen kann sich an diesem Abend keiner verkneifen, auch wenn die richtige Begeisterung eher den höheren Semestern, die die Mehrheit an diesem Abend bildet, zukommt. Die vom Orchestra anscheinend befürchtete Langeweile hat es erfolgreich vom Saal fern gehalten, alleine schon durch die kreativen Ersatzgeräusche (Preisfrage: Welches Instrument macht "blush"?) für fehlende Instrumente. Ein lockerer, unterhaltsamer Abend, der zeigt, wie hilfreich es manchmal sein kann, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

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