Hubschrauberjagd nach Haschischfeldern

Jens Kitzler

Nicht immer steht auf Südbadens Maisfeldern nur Mais – manchmal verbergen sich Haschischplantagen inmitten der legalen Pflanzen. Um sie zu finden, setzt die Polizei Hubschrauber ein, vor gut fünf Wochen beispielsweise auf der Strecke Freiburg–Müllheim. Was man dabei findet, erklären die Kriminalkommissare Manfred Bührer und Josef Fromm vom Drogendezernat in Freiburg.



Fliegen Sie gezielt Einsätze, um Haschisch in Feldern zu finden?

Bührer: Ja, zum Teil werden diese „Aufklärungsflüge“ nach Erfahrungswerten gezielt durchgeführt. Im September oder Oktober ist der Mais entsprechend hoch. Die in den Maisfeldern angelegten Cannabisanpflanzungen sind dann erntereif und so verborgen, dass sie nur noch aus der Luft feststellbar sind.

Und wie oft erwischen Sie denjenigen, der die dort angebaut hat?

Selten. Dafür wären wir auf Hinweise oder Zeugenaussagen angewiesen. Auch von den Landwirten wird eine Cannabisanpflanzung nicht bemerkt. Man müsste die Felder überwachen, wofür ein erheblicher personeller und zeitlicher Aufwand erforderlich wäre.

Die Kosten für einen Hubschrauberflug sind auch nicht gering.

Bührer: Die Hubschrauberstaffel erledigt oft mehrere Aufträge parallel, wie beispielsweise Verkehrsbeobachtung oder Vermisstensuche. Manchmal ist die Entdeckung eines Felds nur ein Nebenprodukt. Unlängst war ein Hubschrauber wegen der Fahndung nach Einbrechern in Freiburg angefordert worden. Der Helikopter hat dann aus der Luft ein Fahrzeug angestrahlt, wobei man in einem Garten nebenan zufällig noch 20 Quadratmeter Cannabispflanzen entdeckte.

Fromm: Man muss einfach auch den präventiven Charakter solcher Flüge sehen: Wenn die Polizei das nicht macht, ist zu befürchten, dass solche Anpflanzungen überhandnehmen.

Wo in der Gegend sind die Haschischbauern eigentlich am aktivsten?


Bührer:
Kaiserstuhl, Tuniberg – westlich von Freiburg.

Das sind ja fast dieselben guten Lagen wie beim Wein….


Bührer:
(lacht) So ähnlich, ja.

Was sieht man denn davon nun vom Hubschrauber aus?


Fromm:
Man sieht im Prinzip Aussparungen innerhalb der Maisfelder. Die können zwar auch durch Wildschweine entstehen oder durch Aussetzer der Sämaschine. Auf vielen Bildern sieht man aber sehr genau, dass dort Pflanzen herausgerissen wurden, um Cannabis anzubauen. Steht der Mais im fortgeschrittenen Stadium, kann man ihn auch farblich gut von Cannabispflanzen unterscheiden.

Und nach der Entdeckung?


Bührer:
Dann führt man Polizeikräfte heran, die das Feld abernten. Wird kein Täter gefunden, werden die Pflanzen nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft vernichtet. Unter Aufsicht, damit auch nichts passiert.

Findet der Anbau im Mais eher für den Privatgebrauch statt? Oder geht es da um Handel?

Bührer: Bei kleineren Anpflanzungen nur zum Eigenkonsum, bei größeren kann man von Handel zumindest für einen begrenzten Personenkreis ausgehen.

Fromm: Letztes Jahr gelang die Festnahme eines Beschuldigten, dabei konnten drei größere Anpflanzungen in einem Maisfeld festgestellt werden. Das war für den Handel bestimmt.

"Größere“ Pflanzungen heißt?

So an die 30, 40 Quadratmeter. Abgeerntet und nach Blüten und Blättern sortiert, waren es etwa 15 Kilogramm, für hiesige Verhältnisse etwas Besonderes.

Wie ist die Gefährlichkeit von Haschisch einzuschätzen?

Bührer: Sie wird nach wie vor bagatellisiert. Cannabis ist noch immer eine Einstiegsdroge, zumal der Wirkstoffgehalt, insbesondere beim Indoor-Anbau, immer höher wird. Die meisten Konsumenten harter Drogen sind über Cannabis eingestiegen.

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[Dieser Artikel erschien Ende September in "Der Sonntag"]