Hospitalityclub boomt in Freiburg: Dein Haus ist mein Haus und meins ist deins

Adrian Hoffmann

Es ist Wahnsinn, welchen Zuspruch diese Internetseite in Freiburg findet: Im Februar vergangenen Jahres hatte der Hospitalityclub noch 200 Mitglieder in unserer Stadt, jetzt sind es bereits mehr als 500 - die meisten davon Studenten. Wie funktioniert das Konzept?

  Die gemeinnützige Organisation dient der Völkerverständigung auf eine außergewöhnliche Weise: Mitglieder aus aller Welt bieten sich gegenseitig kostenlos Übernachtungsmöglichkeiten an und umgehen damit auf ihren Reisen teure Hotels.


Es ist hier einfach hip, grün und cool zu sein”, sagt Wibke Hachmann (Foto). Die 25-jährige Studentin betreut die regionalen Mitglieder. 500 Mitglieder bei 200.000 Einwohner, damit ist Freiburg im Verhältnis zur Einwohnerzahl die Stadt in Deutschland mit den meisten Mitgliedern. Zum Vergleich: Berlin hat 2.000 Mitglieder, und das bei deutlich mehr als drei Millionen Einwohnern.

Dann muss es also stimmen: Freiburg ist wirklich international und wirklich gastfreundlich. Vor allem dank der vielen jungen Menschen hier, die Reisenden es ermöglichen, ganz spontan und flexibel für ein paar Tage unterzukommen. Viele nehmen sich dann sogar noch einen Tag lang Zeit und zeigen ihren Gästen die Stadt, das Münster, die Uni, die Kneipen.

Wibke Hachmann zum Beispiel reist ständig über den Hospitalityclub durch die Welt, zuletzt war sie im lettischen Riga auf einer Silvesterparty, ihr Mitbringsel sind die flauschigen Stiefel, die sie an hat. Sie nimmt aber auch ständig Mitglieder bei sich in Freiburg auf, in ihrem Profil haben sich mehr als 20 Leute eingetragen, die bereits in ihrer 50-Quadratmeter-Wohnung logiert haben.

Und Fabian Kern (Foto), 20-jähriger Soziologie-Student, war bereits über den Club in Kuba und Peru und hat sich mehrere Wochen bei netten Einheimischen eingemietet. Durch diese Kontakte ist er sogar in ein Armenviertel gekommen - dorthin, wo ein normaler Tourist nie gelangen würde, schon allein weil es ihm zu gefährlich wäre. "Ich war in Dörfern, da war ich der einzige Ausländer", sagt Fabian. Das macht das Reisen wieder so, wie es sich so viele Leute gerne vorstellen: abenteuerlich.

Mittlerweile gibt es die Website des Hospitalityclub in mehr als 30 Sprachen, am Montag, 10. Januar, hat sich das 100.000ste Mitglied angemeldet. Alles Menschen, die ein Urvertrauen in Fremde haben. Ohne dieses Vertrauen würde die Idee nicht funktionieren. Wenn der Club so weiter wächst wie bisher, hat er in weniger als zwei Jahren mehr als eine Million Mitglieder.

Die Freiburger Mitglieder haben inzwischen eine regionale Clubwebsite aufgebaut.

So funktioniert der Hospitalityclub:

Jeder kann sich anmelden, mit Name und Mailadresse. Diese Daten können auf der Website allerdings ausgeblendet werden. Jedes Mitglied erstellt ein Profil mit Infos über sich, seine Stadt, seine Region - und stellt klar, wie viele Leute bei ihm übernachten können, ob Rauchen ein Problem ist und wie man als Fremder seine Wohnung finden kann. Zur Sicherheit der Mitglieder muss in der ersten Nachricht an ein anderes Mitglied die Passnummer und der volle Name angegeben werden.

Ziele:

Das Zusammenbringen von Menschen völlig verschiedener Kulturen, internationale Freundschaften, kulturelle Verständigung. “Eines Tages wird jeder die Möglichkeit haben, ein anderes Land zu besuchen und fest davon ausgehen können, dass er dort mit offenen Armen von jemandem empfangen wird”, sagt Veit Kühne, der den Club 1991 gegründet hat.

Wibke Hachmann zum Beispiel reist demnächst nach Russland und in die Mongolei - und findet überall ihre Hospitalitykontakte, abseits von Touristenpfaden.

Entstehung des Clubs:

Der Hospitalityclub wurde vor sechs Jahren gegründet. Es gibt mehrere Websites, die im Grunde das Gleiche anbieten, aber lange nicht mit diesen hohen Mitgliederzahlen. Einzig ernst zu nehmden ist Couchsurfing, die Website eines Amerikaners mit 30.000 Mitgliedern, Wachstum wie beim Hospitalityclub exponentiell.