Hörspiel statt Hörsaal

Simone Höhl

Für ein Projektseminar der Katholischen Hochschule Freiburg, haben Studierende, zusammen mit Hortkindern, das Hörspiel "Der Zeitdieb" produziert. Geräusche und die Geschichte für das Hörspiel wurde von den Sieben- bis Zwölfjährigen, zusammen mit den Studierenden und Sozialarbeitern kreiert.



Sphärischer Sound erfüllt das Zimmer unterm Dach des alten Hauses in der Wiehre. Sechs Jungs und Mädchen lümmeln im Sesselhalbkreis, aber sie hören gespannt hin. Im Ruheraum des heilpädagogischen Horts des Jugendhilfswerks sagt eine Stimme: "Es ist Schlafenszeit in New York." Die Kinder kichern. Sophie legt ihren Tipp-Kick-Torwart aus der Hand, ihr Nebenmann Nicklas hat die Arme vor der Brust verschränkt und guckt zu Arthur. Der hält sich die Ohren zu, als er seine Stimme hört: "Mein Name ist Edward, Sir Edward." Die Kinder bekommen zum ersten Mal ihr Hörspiel vorgespielt, es ist so gut wie fertig und dauert 17 Minuten 17. "Fehlt nur noch der Feinschliff", sagt Christian Jean.


Er, Anna Frei und Philipp Dockweiler sind angehende Sozialarbeiter. Die Hörspielproduktion ist ihr Projekt für ein Seminar an der Katholischen Hochschule. Mitgemacht haben Sieben- bis Zwölfjährige aus dem Hort mit integrativem Konzept und 48 Kindern, die zum Teil Probleme zu Hause, in der Schule oder im Verhalten haben. "Die Kids haben entschieden, um was es geht." Mit dabei war Daniel Bickel, Sozialpädagoge im Hort. Das war für den 34-Jährigen genauso interessant wie für die Kinder. "Ich hab’ das ja vorher auch noch nie gemacht." Zum Beispiel mit Geräusche mitentwickelt.

Alle zusammen haben die Story gesponnen: Sir Edward und drei andere Helden erobern die Zeit zurück, die Bettman gestohlen hat. Der ist eigentlich unbesiegbar "und kann sogar rückwärts mit dem Fahrrad den Berg hochfahren", tönt aus dem Lautsprecher im Dachzimmer.

Den Text haben die drei Studenten geschrieben, zudem die Aufnahme und das Schneiden übernommen. Die beiden Männer haben zuvor einen Kurs besucht, und weil Jean zudem technisch ausgerüstet ist, hielten sich die Kosten in engen Grenzen. "Wobei man die für die Gummibärchen nicht unterschätzen darf, das war schon ein Fuffi", sagt Jean. Den spendieren die Drei, ebenso die CDs mit der Aufnahme für die Kinder, die zudem ein Zertifikat bekommen.

Der Zeitdieb geht auf Sendung

"Anerkennung durch Engagement" heißt das Seminar, das die drei Sechstsemester besuchen. Es will Theorie und Praxis verbinden, junge Menschen stärken und zum konstruktiven Umgang mit Problemen ermutigen. Das Seminar wurde vor vier Jahren ausgezeichnet, 2011 gibt es sechs Projekte – vom Kochen mit Alt und Jung bis zu "Pimp Your (Life) Style" rund ums Frausein. Beim Hörspiel soll die Wertschätzung vor allem über Öffentlichkeit kommen. Das Projekttrio hat bei Radiosendern angefragt, ob sie es ausstrahlen. Dem SWR können sie eine Hörprobe schicken, bei Radio Dreyeckland sieht’s schon besser aus, fix zugesagt haben das Uni-Radio und der Sender des Jugendhilfswerks. Termine stehen allerdings noch keine fest.

In der Dachstube dreht sich Arthur und zeigt auf Anna Frei. Sie spricht den Schluss der Geschichte, es ist Aufwachzeit in New York: "Das wird, glaub ich, ein richtig schöner Tag." "Toll", sagt Oliver, der Geräusche für die Produktion gemacht hat. Nicklas nimmt die Arme von der Brust und streckt beide Daumen hoch.

Es ist der fünfte und letzte Aufnahmetag im Hort. Jetzt geht’s noch um die Namen. Einmal für die Geschichte, die behutsam moderiert von den künftigen und dem erfahrenen Sozialarbeiter auf "Der Zeitdieb" getauft wird. Und zum anderen um die für den Abspann. Christian Jean regelt die Aufnahme am Laptop, nacheinander treten die Mädchen und Jungen ans Mikro: Tommely, Arthur, Sophie, Nicklas, Tobias und Oliver sprechen ihre Namen ein, fehlen nur noch Angelina und Syla.

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[Foto © Ingo Schneider]