Hochzeit zwischen 12 Uhr und 15 Uhr (4)

Müslüm Erikci

Müslüms Aufenthalt in Malaysia wird von einem Todesfall im Freundeskreis überschattet. Unmittelbar lernt er, wie Malaien mit dem Tod umgehen. Und er beschreibt im Kontrast, wie es auf einer malaischen Hochzeit zugeht.



Es passierte an einem Donnerstagabend. Mein Bruder Azrul, seine Freunde und ich hingen draußen herum.

Am nächsten Morgen weckte mich Azrul mit einer schrecklichen Nachricht. Er erzählte mir, dass der jüngere Bruder von seinem Freund Kamul bei einem Autounfall umgekommen war. Er war genauso alt wie ich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. In diesem Moment erinnerte ich mich an die Autounfälle, an denen wir am gestrigen Abend vorbei gefahren waren.


Am Abend rief mich mein Bruder zu sich und sagte, ich solle mich richten, da wir zu Kamul und seiner Familie fahren würden. Als wir uns dem Haus der Familie näherten, hörte ich mehrere Menschenstimmen. Und plötzlich stand ich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Alle drehten zu mir und starrten mich verblüfft an. Ich kam mir wie ein wildes Tier vor, das vor kurzem aus dem Zoo ausgebrochen war.

Ich entschied mich dafür, geduckt hinter meinem Bruder zu bleiben und das Geschehen aus der Distanz zu beobachten.

Etwa eine dreiviertel Stunde später hatte der Imam in einer nahe gelegenen Moschee das Gebet „Yasin“ beendet. Es ist mit dem Rosenkranz zu vergleichen. Die Folge davon war, dass sich die Anwesenden rasch in Richtung des Buffets begaben, das vom Gastgeber bereit gestellt worden war. Die Aufs-Buffet-Stürzer waren meist Jugendliche, hyänengleich.



An diesem Tag hatte ich viel dazu gelernt. Zum einen, dass ein "fauler Malaie"- so bezeichnen sich meine Freunde hier selbst - es auf die Reihe bekommt, eine muslimische Bestattung an nur einem Tag zu organisieren.
Zum anderen war ich ziemlich schockiert darüber, wie gelassen man hier mit dem Tod umgeht, was sich auch darin gezeigt hat, dass einige unmittelbar nach der Bekanntgabe des Todesfalls einfach essen gegangen sind.

Einen Tag vor Schulbeginn gingen wir noch auf eine malaische Hochzeit. Ich war bedrückt und aufgeregt zugleich. Denn ich wusste, dass man mich wieder einmal die ganze Zeit anstarren würde. Am Eingang von einer Sporthalle, in der die Hochzeit stattfand, begrüßten uns Bruder und Vater des Bräutigams. Das zweite Foto zeigt übrigens, wenn auch unscharf, das Brautpaar.

Mein erster Eindruck von der Hochzeit: Dreiviertel der Halle waren leer. Ich fragte meinen Vater, ob das gewöhnlich war. Er sagte, dass die Hochzeiten hier von 12 Uhr bis 15 Uhr dauerten; in dieser Zeit könne man kommen und gehen, wann man wollte.

Ich fand es schon ein wenig dreist, dass niemand tanzte, sich dafür aber jeder haltlos den Magen vollschlug. Immerhin hatte die Musikauswahl so etwas wie einen sozialistischen Grundgedanken. Jeder durfte mitbestimmen. Wer Lust hatte, machte beim Karaoke mit.

MfG Müslüm