Hochhausbrand in Zähringen: Freispruch für den Angeklagten

Sina Gesell

Im Keller eines Hochhauses in der Zähringer Straße in Freiburg bricht Feuer aus. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus und verdächtigen einen Mann, der dort kurz zuvor gesehen worden sein soll. Das Gericht spricht ihn frei:



Die Verhandlung am Landgericht Freiburg war spannend bis zum Schluss, am Donnerstagnachmittag hat das Gericht sein Urteil gefällt und den Angeklagten freigesprochen.


"Wir haben unüberwindbare Zweifel, dass er der Täter war", sagte Richter Wolfgang Schmidt-Weihrich im Namen der Kammer. "Wir wissen nicht, ob er es war." Das Urteil bereite ein "gewisses Unbehagen", es wäre aber ein "völlig unerträglicher Gedanke, einen möglicherweise Unschuldigen zu verurteilen".

Während Staatsanwalt Fabian Schür eine sechsjährige Haftstrafe forderte, plädierte Verteidiger Michael Moos auf einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Möglichkeit, Revision gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil einzulegen. "Wir prüfen das", sagte Schür am Donnerstag gegenüber der BZ.

Staatsanwalt: "Eine dichte Kette nachweisbarer Indizien"

Weder im Beziehungsstreit noch im Versicherungsfall sah die Kammer des Landgerichts ein Motiv für die Brandstiftung. Am Vormittag hielten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers, bevor sich das Gericht vier Stunden zur Beratung zurückzog.

Staatsanwalt Fabian Schür sagte in seinem Plädoyer, der Sachverhalt habe sich so bestätigt, wie er in der Anklage steht. Demnach soll der 41-Jährige im Juli vergangenen Jahres an mehreren Stellen Feuer im Keller des achtstöckigen Hochhauses an der Zähringer Straße 12 gelegt haben. "Eine dichte Kette nachweisbarer Indizien" liege vor.

So hatte eine Hausbewohnerin, wie diese aussagte, ihn gegen 19.20 Uhr an jenem Sonntag im Keller gesehen, laut Polizei ist der erste Funkspruch zum Brand um 19.44 Uhr eingegangen – ein "sehr enger Tatzeitraum", befand Schür am Donnerstag.

Der Staatsanwalt blieb auch beim Motiv, wonach der Angeklagte versucht haben soll, die Versicherung zu betrügen. Kurz vor dem Brand hatte er eine Haftpflicht- und eine Hausratversicherung abgeschlossen.

Schür wies auf die "Schulden in enormer Höhe" des Mannes hin, die sich nach dessen Aussage auf rund 180 000 Euro belaufen; wäre die Hausratversicherung tatsächlich eingesprungen – auch die Wohnung des Angeklagten im dritten Stock ist in Mitleidenschaft gezogen worden – hätte er mit bis zu 2000 Euro rechnen können, so Schür.

Zudem wies der Staatsanwalt darauf hin, dass sich der 41-Jährige zum Tatzeitpunkt in einer "sehr angespannten Situation" befunden habe, da sich die Trennung zu seiner Freundin deutlich abgezeichnet habe. Zwei Tage vor dem Brand – das ergab die Auswertung von SMS-Nachrichten – hatte sie einer Freundin geschrieben: "Er will die ganze Wohnung anzünden." Am Brandtag habe er Alkohol und Drogen konsumiert.

Im Laufe der Ermittlungen hätten sich zudem keine Hinweise auf weitere Verdächtige gegeben; auch gebe es keine Anhaltspunkte, dass zum Tatzeitpunkt andere Personen im Keller waren.

Verteidiger: "Rationale Zweifel an der Täterschaft"

Für Michael Moos, den Verteidiger des 41-Jährigen, bestünden "rationale Zweifel an der Täterschaft", wie er in seinem Plädoyer sagte. Es gebe weder unmittelbare Zeugen, die die Tat oder die Vorbereitung beobachtet hätten, noch habe die Polizei Beweismittel wie Brandbeschleuniger oder Rückstände auf der Kleidung feststellen können. Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft stufte er als widersprüchlich ein.

Die Beziehung des Angeklagten zu seiner damaligen Freundin lässt laut Moos keine Rückschlüsse auf die Tat zu; zwar haben die beiden am Brandtag heftig gestritten, dies allerdings nicht zum ersten Mal.

Auch das Motiv des versuchten Versicherungsbetrugs könne Moos nicht nachvollziehen, wie er sagte, zumal der Angeklagte von seinem Vermieter aufgefordert worden sei, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. In diesem Zug habe der 41-Jährige ein Versicherungspaket abgeschlossen, dass auch eine Hausratversicherung beinhaltete.

"Ich glaube, dass der Angeklagte bis heute nicht verstanden hat, was der Unterschied zwischen einer Hausrat- und einer Haftpflichtversicherung ist", so Moos. Und: "Niemand hätte damit rechnen können, dass durch einen Kellerbrand Hausrat im dritten Obergeschoss in Mitleidenschaft gezogen wird."

Auch sei nicht nachweisbar, dass sich der Mann zwischen 19.30 und 19.40 Uhr – in der Zeit muss laut Polizei das Feuer gelegt worden sein – noch im Keller befunden habe. Moos wies darauf hin, dass ein Zeuge am Nachmittag Stimmen von Jugendlichen gehört hatte; zudem sei die Kellertür des Öfteren offen gestanden.

Als die Bewohner das Haus verlassen mussten, sei der Angeklagte in seiner Wohnung gewesen. Da hat er nach eigener Aussage Haschisch konsumiert, mit einem Rauchgerät, das die Kriminalbeamten bei der Durchsuchung nicht gefunden hatten.

"Ich schließe mich meinem Verteidiger an" – mehr sagte der Angeklagte am Donnerstag nicht. Bei der Urteilsverkündung brach er in Tränen aus.

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[Archiv-Foto: Michael Bamberger]