Hiphop mit Salami und Käse: Die neue Buddah-Woofaz-EP "Verrückt"

Manuel Lorenz

Fast schon retro, wenn sich Deutschrapper auf die guten, alten Deutschrap-Tugenden zurückbesinnen: Beats, Ironie und Wortakrobatik. Genau das tun aber die Buddah Woofaz auf ihrer neuen EP "Verrückt". In Zeiten, in denen sich der deutsche Hiphop nicht mal zu schade ist, Skinny Jeans anzuziehen und auf Tocotronic zu machen, mutet solch ein Gebaren wie eine Frischzellenkur an.



Allzu viel Bodenständigkeit darf man den Freiburger Hiphop-Zwillingen dennoch nicht unterstellen. Denn: Ihre EP bringt sechs sehr eigenständige und verschiedenartige Tracks zusammen und versammelt auf engem Raum zahlreiche, teils internationale Gastmusiker.


So zum Beispiel Katja Vögeli aus der französischen Schweiz, die den Refrain in der Sinnsucher-Ballade „Chemin de la paix“ mit rotem Satin einhüllt. Den Cellisten Gunnar Vosgröne, der eigentlich in Hardcore-Bands wie Grand Griffon spielt, hier aber die soliden BuWoo-Beats anmutig unterstreicht. Oder den Freiburger Deutsch-Franzosen Lexot, der seit 2003 fester Bestandteil der Band ist und mit seinen französischen Lyrics eine tragfeste Brücke nach dem linken Rheinufer schlägt.

Der deutsch-französische Spagat ist seit jeher die Lieblingsübung der Buddah Woofaz. Bei der diesjährigen Frauenfußball-WM steuerten sie die Hymne zum Klassiker Deutschland gegen Frankreich bei. Im Juli gaben sie an einer Realschule in Schwäbisch Hall einen deutsch-französischen Rap-Workshop. Und im September veröffentlichten sie den - natürlich deutsch-französischen - Track „Grenzgänger / Frontalier“. Aus der Reihe tanzt in diesem bilingualen Reigen der deutsch-chinesische Kracher "Roter Drache" mit Green Clan aus Kunming.



Im Titelssong von "Verrückt" geht es aber zunächst darum, den theoretischen Grund zu legen und Rap überhaupt erst mal zu definieren: „Wir sagen immer ‚Yo’, wenn wir ‚Ja’ meinen. / Und immer ‚what?!’ wenn wir’s nicht peilen.“ Flex und Rokkz zwinkern mit den Augen, was das Zeug hält und liefern eine gut gelaunte Beschreibung der eigenen Spezies: Gestik, Vokabular und Klamotten – „Rapper sind halt verrückt“, so die halbernst gemeinte Conclusio.

Buddah Woofaz, das heißt aber auch immer schon eine – um im Jargon zu bleiben – fette Portion Spaß, unter der kleine Wahrheiten des Alltags begraben liegen. Die rastalockige Nummer „Nur das Eine“ lebt von der Spannung zwischen dem, was der Protagonist angeblich will – nur den Rücken jener „Göttin von Frau“ eincremen – und dem, was er eigentlich will. Und im dubbig-roughen „Duschsong“ werden zuerst alle möglichen Arten aufgezählt, „es“ zu mögen, bevor im Refrain die Auflösung kommt: „Duschen! Wir woll’n duschen! Duschen! Wir woll’n die Brause aufdrehen!“

Buddah Woofaz - Nur das Eine

Quelle: YouTube
[youtube W3Q74hn3-Ng nolink]

Mit „Pizza nou tombée“ verweisen die Freiburger noch einmal auf ihre Karibik-Connections. Ihr maßgeblicher V-Mann in dieser Angelegenheit ist Leander Neumann alias Troove. Seit kurzem lebt er zwar in Paris, davor arbeitete er aber zwei Jahre lang als Musikproduzent auf La Martinique. Troove hat übrigens auch fast alle Beats auf „Verrückt“ produziert und die EP gemixt sowie gemastert. Und er hat das Klavier für die Akustikversion der Chill-Out-Anleitung „Chilli Bang“ eingespielt.

„Pizza nou tombée“ bedeutet auf Deutsch soviel wie: Pizza ist am Start. „Eigentlich ist das ein Diss-Song gegen einen Pizzabäcker aus La Martinique“, sagt Flex. „Der Typ hatte den Musiker Tai-J zuvor in einem Lied gedisst, woraufhin Tai-J seinerseits mit einem Lied antworten wollte.“ Troove holte dann die Buddah Woofaz mit ins Boot. „Und am Ende war der Song auf der ganzen Insel in aller Munde.“

Kein Wunder, denn der Kuduro – so die Musikrichtung samt eigenem Tanz – stampft sich recht einprägsam ins Gehör. Und hängen bleibt eine typische Buddah-Woofaz-Zeile - vielleicht sogar der inoffizielle Untertitel des gesamten Tonträgers: „Dieser Beat is’ ’ne Karibikrakete, / so geil wie Pizza mit ’ner Ladung dick Salami und Käse.“

Buddah woofaz feat Tai J " Oki aha die pizza ist am start "

Quelle: YouTube
[youtube CZFi9FJQpSI nolink]

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[Bilder: Promo]

[Disclosure: Till ist freier Mitarbeiter bei fudder. Über sein Hiphop-Projekt Buddah Woofaz würden wir aber auch berichten, wenn dem nicht so wäre.]