Hiphop im Senegal: Der Fotograf Djibril Drame

Martin Küper

Der Fotograf Djibril Drame dokumentiert den senegalesischen Hiphop mit seiner Kamera - und stellt zur Zeit im Haus der Jugend aus. Martin Küper stellt uns den 24-Jährigen vor.



Glaubt man Djibril Drame, dann ist Hiphop im Senegal nicht nur eine Frage von Musikgeschmack oder Kleidungsstil, sondern eine Jugendbewegung, die sogar politisch wirkmächtig ist. Der westafrikanische Foto-Künstler muss es wissen, schließlich ist er mit seinen 24 Jahren älter als die meisten seiner rappenden und sprayenden Protagonisten. Nun zeigt er einige seiner Bilder im Haus der Jugend an der Uhlandstraße in der Wiehre.


Im Haus der Jugend läuft an diesem Wochenende zum ersten Mal das Jam-Down-South-Festival, das alle Facetten der Hiphop-Kultur zeigen will. Djibril Drames Bilder zeigen nicht nur bunt besprühte Häuserwände und Graffiti-Künstler aus der Hauptstadt Dakar, sondern aus dem ganzen Land: "Die Leute kennen inzwischen meine Bilder und laden mich ein, so komme ich überall herum mit meiner Kamera." Im Senegal ist Djibril Drame eine Berühmtheit, große Zeitungen haben schon über seine künstlerische Arbeit geschrieben.

Zur Fotografie ist er eher aus Versehen gekommen. Vor vier Jahren bekam er ein Stipendium für die Universität – und kaufte sich erstmal eine Kamera. Seine kulturelle Heimat ist Hiphop, er selbst ist Rapper. Da lag es nahe, in seinem Umfeld zu fotografieren: "Die Sicht auf Afrika ist oft pessimistisch, dabei ist unsere Hiphop-Kultur das beste Beispiel für die Schönheit und Energie hier." Tatsächlich strahlen seine Fotos Stolz und Aufbruchstimmung aus, zum Beispiel "Mr. President": Ein vielleicht zehn Jahre alter Junge posiert vor seinem neuesten Graffito – barfuß und im Nadelstreifenanzug.

Eigentlich studiert Djibril Drame Journalistik und Kommunikation in seiner Heimatstadt Dakar und arbeitet für eine lokale Zeitung. Darin sieht er auch seine berufliche Zukunft, denn Djibril Drame ist ein politischer Mensch. Das wird spätestens klar, wenn er von der senegalesischen Staatskrise im Frühjahr 2012 spricht: Der langjährige Präsident, Abdoulaye Wade wollte sein Amt nicht abgeben. Massenproteste zwangen ihn schließlich zur Anerkennung seiner Abwahl: "Hiphop war entscheidend für die Mobilisierung der jungen Leute", sagt Djibril Drame, "er ist das Sprachrohr der Jugendlichen, die ihre Unzufriedenheit durch die Musik, durch Graffiti und Tanz artikulieren."

Die Verbindung zum Haus der Jugend kam über eine Freiburger Journalistin zustande. Die Jugendkunstschule unterstützt den jungen Künstler bei seiner Ausstellung. Dabei will Djibril Drame auch an diesem Wochenende seine Kamera auspacken, wenn beim Jam-Down-South-Festival gerappt, gesprayt und getanzt wird. Am Sonntag sitzt er schließlich mit auf dem Podium und berichtet von den Erfahrungen aus seinem Heimatland, wenn es um das Selbstverständnis der Hiphop-Kultur geht: "Ich habe großen Respekt vor der Hiphop-Kultur in Deutschland und bin gespannt auf die Diskussion."

Bis zum 3. Oktober bleibt Djibril Drame in der Stadt, sein persönlicher Höhepunkt steht schon fest: "Ein Bruder von mir lebt in Paris und bei der Gelegenheit kommt er mich hier natürlich besuchen!"

Mehr dazu:

[Foto: Michael Bamberger]