Interview

Hip Hop-Tänzerin aus Kirchzarten wird Vierte bei Weltmeisterschaft in Graz

Moritz Lehmann

Der Rauswurf aus der Ballettschule machte aus Nina Zipfel eine erfolgreiche Hip Hop-Tänzerin. Im BZ-Interview verrät sie, was eine gute Tänzerin ausmacht und was sie am HipHop fasziniert.

BZ: Frau Zipfel, Sie wurden mit zwölf Jahren aus dem Ballett geworfen. Das ist zumindest über Sie ist zu lesen. Warum?

Nina Zipfel: Ich wurde bereits mit fünf Jahren aus dem Ballett geschmissen. Das war damals eine Falschmeldung. Ballett hat mir einfach überhaupt keinen Spaß gemacht. Im Unterricht saß ich die ganze Zeit nur an der Seite. Meine Ballettlehrerin hat zu meiner Mutter gesagt: "Tanzen ist nichts für Nina." Meine Mutter wollte nicht aufgeben und hat mich bei der Tanzschule Gennaro&Christian in Freiburg für Hip-Hop-Tanz angemeldet. Das hat mir zunächst auch keinen Spaß gemacht. Aber irgendwann habe ich es für mich entdeckt und bin in der Leistungsgruppe gelandet, die für Wettkämpfe trainiert.


BZ: Was war das erste Lied, zu dem Sie getanzt haben?

Zipfel: Das war irgendwas von dem R&B-Sänger Usher, glaube ich.



BZ:
Was fasziniert Sie am Hip Hop-Tanzen?

Zipfel: Vor allem die Körperbeherrschung, das Lernen, den Körper zur Musik einzusetzen. So hört man auch viel mehr aus der Musik heraus. Das passiert ganz automatisch.

"Eine gute Tänzerin muss jede Faser ihres Körpers verstehen" Nina Zipfel
BZ: Was ist das Besondere am Hip-Hop-Tanz, etwa im Vergleich zum Breakdance oder zum Ballett?

Zipfel: Es ist nicht so akrobatisch wie Breakdance oder Ballett. In den über zehn Jahren, in denen ich jetzt Hip-Hop tanze, habe ich noch nie einen Spagat verwendet. Dafür bewegt man sich viel, wohingegen es beim Ballett eher auf Ruhe und Gelassenheit ankommt. Hip-Hop ist energetischer, da steckt mehr Kraft dahinter.



BZ:
Was zeichnet eine gute Hip-Hop-Tänzerin aus?

Zipfel: Sie muss die Musik und den Körper verstehen. Sie muss ihren Körper beherrschen, ihn in jeder einzelnen Faser verstehen. Sie muss wissen, wie die Bewegungen entstehen – aus dem Oberkörper, den Beinen, oder aus den Fingern. Und sie muss im Takt tanzen können.

Europameisterin und Vize-Weltmeisterin

BZ: Das scheinen Sie zu beherrschen. Gemeinsam mit ihrem Duo-Partner Dominik Heinrich aus Lörrach haben Sie bei der Weltmeisterschaft den vierten Platz belegt. Glückwunsch!

Zipfel: Wir waren auch schon mal besser. In den Jahren 2014 und 2015 waren wir Europameister und 2014 waren wir Vize-Weltmeister. Da sind wir aber als Gruppe angetreten, zu siebt. Aber der vierte Platz ist trotzdem ganz schön gut.

BZ: Wie kam es zu dem Duo?

Zipfel: Dominik Heinrich war damals noch mein Trainer und hat eine neue Duo-Partnerin gesucht. Inzwischen arbeitet er bei der Tanzschule Dance Energy in Lörrach. Als Duo sind wir dann auch für Lörrach angetreten, nicht für meine Freiburger Tanzschule.

BZ: Was bedeutet es, als Duo aufzutreten? Was ist schön, was ist schwierig?

Zipfel: Man muss mit dem Partner klarkommen und sich auf ihn einlassen. Das ist schön und schwierig zugleich. Man muss wissen, wie der Andere reagiert, wenn etwas schiefgeht. Bei der WM habe ich mich zum Beispiel vertanzt, und Dominik hat irgendwie dafür gesorgt, dass ich wieder reinkomme. Wie genau er das gemacht hat, kann ich gar nicht genau sagen. Wir haben einfach gut zusammen agiert.

Platz vier beim Robotertanz

BZ: Wie funktioniert denn so eine WM? Haben Sie zuvor eine Choreografie einstudiert?

Zipfel: Das muss man so gut wie immer, außer beim Solotanz, da passiert alles im Freistil. Wir hatten zwei Duos, einmal Hip-Hop und einmal Electric Boogie, das ist eine Art Robotertanz. Lustigerweise haben wir uns eigentlich vor allem auf das Hip-Hop-Duo vorbereitet, den Electric Boogie haben wir erst zwei Tage vorher einstudiert und dachten, das wird schon irgendwie. Beim Hip-Hop haben wir dann aber nur den 25. Platz belegt, im Electric Boogie den vierten.

Bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche

BZ: Wie oft trainieren Sie pro Woche?

Zipfel: Normalerweise zweimal die Woche, vor einer Meisterschaft bis zu sechs Mal.

BZ: Ist das für Sie ein Hobby, das Sie gerne zum Beruf machen möchten?

Zipfel: Ich mache jetzt eine Ausbildung zur Mediengestalterin, von meinem Vater Thomas Zipfel habe ich die künstlerische Ader geerbt. Ich habe schon mal darüber nachgedacht, aber das wird nicht so gut bezahlt. Deswegen mache ich das nebenbei, ich trainiere auch ein paar Kinder bei meiner Tanzschule in Freiburg. Außerdem habe ich mit meiner Gruppe Impuls immer wieder Auftritte für verschiedene Firmen oder einem verkaufsoffenen Sonntag, wie jetzt in Kirchzarten.

BZ: Gab es mal einem Punkt in Ihrem Leben, wo Sie daran gedacht haben, das Tanzen aufzugeben?

Zipfel: Nein.

BZ: Zu welcher Musik tanzen Sie am liebsten?

Zipfel: Ich mag Songs, die eine Spannung haben, die rhythmisch abwechslungsreich sind, sodass man viel mit dem Körper machen kann. Und Lieder, die viele Beats haben.
Zur Person

Nina Zipfel aus Kirchzarten wird am Sonntag 18 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin bei Jumedia Print in Kirchzarten. Seit einigen Jahren tanzt sie erfolgreich bei Wettbewerben auf internationalem Niveau mit. Gemeinsam mit ihrem Duo-Partner Dominik Heinrich belegte sie bei der Weltmeisterschaft der "International Dance Organization" den vierten Platz in der Kategorie Electric Boogie und den 25. Platz in der Kategorie HipHop. Als Solo-Tänzerin belegte sie den 51. Platz.

Nächster Auftritt

Mit der Formation Impuls, die der Freiburger Tanzsschule Gennaro & Christian angehört, gibt es Nina Zipfel beim verkaufsoffenen Sonntag in Kirchzarten auf dem Martkplatz zu sehen. Impuls tritt jeweils zur vollen Stunde von 13 bis 16 Uhr auf.


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