Hinweis für Lehrer: Verletzungen bei Schneeballschlachten gehen eventuell als Dienstunfall durch

Manuel Lorenz

Ein Lehrer nahm an einer Schneeballschlacht seiner Schüler teil und wurde von einem Schneeball direkt aufs Auge getroffen. Das Auge musste operiert werden, der Lehrer wurde einen Monat lang dienstunfähig krank geschrieben - und das, obwohl die Schulordnung das Werfen von Schneebällen untersagt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts en detail:



Das Regierungspräsidium Freiburg als Schulbehörde hatte den Antrag des Lehrers auf Anerkennung des Vorfalls als Dienstunfall abgelehnt, weil der natürliche Zusammenhang mit seinen eigentlichen Dienstaufgaben fehle.


Das Regierungspräsidium

Er habe den Interessen des Dienstherrn zuwidergehandelt, da nach der Schulordnung das Schneeballwerfen sogar ausdrücklich verboten gewesen sei. Er sei nicht als Lehrer im ÜberUnterordnungsverhältnis gegenüber den Schülern eingeschritten, sondern habe privat als gleichgeordneter Teilnehmer an der Schneeballschlacht mit den Schülern teilgenommen und durch Missachtung des Verbots seine erzieherische Vorbildfunktion verletzt.

Daraufhin klagte der Lehrer gegen das Regierungspräsidium; das Verwaltungsgericht Freiburg gab der Klage statt und verpflichtete das Regierungspräsidium, den Unfall als Dienstunfall anzuerkennen.

Der Unfall

Der Unfall habe sich noch „in Ausübung des Dienstes“, nämlich am Dienstort auf dem Schulgelände und auch noch während der Dienstzeit ereignet, als der Lehrer beim Verlassen des Unterrichtsraums auf dem Weg zum Hauptgebäude von circa 15 Schülern seiner Klasse mit Schneeballwürfen empfangen worden sei.

Er sei zunächst mit schützend vor das Gesicht gehaltener Mappe auf die Schüler zugerannt, habe versucht, den nahestehenden Werfern die Schneebälle aus der Hand zu schlagen, und ihnen zugerufen, sie sollten aufhören, weil es unfair sei, wenn alle auf ihn werfen. Daraufhin sei eine allgemeine Schneeballschlacht entbrannt, bei der alle auf alle geworden hätten, woran er sich dann mit eigenen Würfen beteiligt habe.

Die Urteilsbegründung

Vor diesem Hintergrund sei es lebensfremd, wenn das Regierungspräsidium diesen einheitlichen Vorgang in eine noch dienstliche, rein defensive Verteidigungsphase und eine anschließende außerdienstliche, rein private aktive Teilnahme an der Schneeballschlacht aufspalte.

Es sei nachvollziehbar und jedenfalls nicht unvertretbar, dass der Lehrer selbst sich als noch im Dienst betrachtet und die Schneeballschlacht nicht als Privatsache verstanden habe. Er habe plausibel dargelegt, dass er wegen seines guten Verhältnisses zu den Schülern ihren Schneeballangriff nicht als böswillig, sondern als Ausdruck der Lebensfreude und für sich als Herausforderung begriffen habe und dass er sich mit einer bloßen Aufforderung aufzuhören und einem teilnahmslosen Verlassen des Handlungsortes auch als Pädagoge lächerlich gemacht hätte.

Es könne dahinstehen, ob, in welchem Umfang und für welchen Personenkreis die Hausordnung der Schule überhaupt gelte. Selbst wenn nämlich der Lehrer mit seinen Schneeballwürfen gegen ein wirksames Verbot des Dienstherrn verstoßen haben sollte, verliere er damit nicht dessen dienstunfallrechtliche Fürsorge.

Wie im gesetzlichen Unfallversicherungsrecht schließe nämlich selbst verbotswidriges Verhalten einen Versicherungsfall nicht aus. Im Beamtenrecht sei dies allenfalls dann der Fall, wenn Beamte den dienstlichen Rahmen objektiv und subjektiv derart verlassen, dass sein Verhalten sich als ein „dienstfremder Exzess“ darstelle, wie dies in der Rechtsprechung etwa zu einer Alkoholfahrt nach einer Betriebsfeier oder einer Schlägerei bei einer dienstlichen Weihnachtsfeier entschieden worden sei. Davon könne im vorliegenden Fall jedoch keine Rede sein.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Binnen eines Monats nach Urteilszustellung kann noch die vom Gericht zugelassene Berufung beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim eingelegt werden.

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