Hinterhof-Macher Philippe Hersberger im Interview: "Jede Investition zahlt sich aus"

Bernhard Amelung

Die Hinterhof Bar in Basel ist Club, Konzertlokal und Ausstellungsfläche in einem und weit über die Landesgrenzen bekannt. Berghain-Resident Tama Sumo, Robert Johnson-Mitgründer Ata, der Elektronikmusiker Sébastien Tellier - sie alle sind dort aufgetreten. Am kommenden Wochenende öffnet der Betrieb seine vierte, aber voraussichtlich letzte Saison auf dem Dreispitz-Areal. Wir haben Chefbooker Philippe Hersberger gefragt, wie es ist, den Club mit der Schließung vor Augen zu führen:



Der Hinterhof geht in seine vierte Saison. Was ist in den vergangenen Jahren passiert?

Philippe Hersberger: Wir können auf spannende knappe drei Jahre mit großer Entwicklung und Veränderungen zurückblicken. Der Hinterhof hat sich in und um Basel etabliert, eine Entwicklung, die wir zu Beginn unseres Projektes nicht erwartet hätten. Dies sicherlich auch wegen seiner knappen Laufzeit, da wir ganz ursprünglich einen befristeten Vertrag bis Ende 2010 hatten.

Was hat euch in dieser Zeit überrascht?

Wir sind überrascht, wie sich unser Betrieb innerhalb von drei Jahren entwickeln und wie gut sich unsere Lokalität in kurzer Zeit etablieren konnte. Von anfänglich vier Personen sind wir zu einem Betrieb mit mehreren Arbeitsplätzen herangewachsen, mit einer Dachterrasse, einem Kunstraum und einem musikalisch abwechslungsreichen Programm. Dies dank der Unterstützung von Freunden und Bekannten, ohne die unser Vorhaben nicht möglich gewesen wäre. Auch sind wir über die konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden überrascht. Klar gibt es immer wieder kleine Baustellen, dennoch hat sich ein angenehmer Austausch entwickelt.

Was habt ihr euch für dieses Jahr vorgenommen? Welche Neuerungen wird es geben?

Wir nehmen uns ständig viel vor, teilweise auch zuviel. Deshalb haben wir uns fest vorgenommen, das dritte Jahr entspannter anzugehen, zumindest entspannter als die letzen beiden Jahre, die von stressigen Umbauphasen geprägt waren. Dennoch arbeiten wir konstant an unserer Qualität. Wir optimieren auch dieses Jahr Akustik, Sound und Licht sowie die gesamte technische Infrastruktur hinter den Kulissen und bei der Bar. Das ermöglicht einen professionelleren Rahmen für Clubabende und Konzerte. Von einem Betrieb mit mangelnder Infrasktruktur sind wir zu einem professionellen Betrieb herangewachsen der stetig nach Verbesserung strebt.

Wie verträgt sich das kontinuierliche Wachstum mit dem Wissen, dass der Club ein Projekt auf Zeit ist?

Die kurzfristigen Laufzeiten unseres Mietvertrages erschweren die Planung enorm. Das Risiko war teilweise immens. Gerade bei größeren Projekten wie der Dachterrasse. Ursprünglich hätten wir die Dachterrasse nur ein Jahr nutzen können. Dieses Jahr gehen wir jedoch in die dritte Dachterrasse-Saison - eine Nutzung, mit welcher wir insgeheim gehofft hatten, im Vorfeld aber nicht rechnen konnten. Wir haben auch wieder in Umbauarbeiten investiert, ohne zu wissen, ob unser Vertrag über 2013 hinaus verlängert wird. Eine weitere Entscheidung, die einem im Nacken sitzt. Aber bis jetzt sind wir erfolgreich damit gefahren und haben gut gepokert!

Der Club hatte stets die Schließung zum Ende eines Jahres vor Augen. Wie plant man da den Geschäftsbetrieb und den Veranstaltungskalender?

Das ist tatsächlich ein Problem. Bereits jetzt sind wir mit Bookings über die Jahreshälfte dran. Das heißt, Mitte des Jahres müssen wir auch Bescheid wissen, ob der Vertrag nochmals verlängert wird. Ein großes Problem ist aber auch die Sicherheit für die Mitarbeiter. Gerade bei wichtigen und unabdingbaren Mitarbeitern muss man darauf achten, dass das Commitment bestehen bleibt. Dies verlangt Lösungen und Ideen, zumal ja Hinterhof bei einer Schließung am jetzigen Standort in einer Form weiter existieren  will.

2012 habt ihr noch einmal einen fünfstelligen Betrag in die Infrastruktur investiert. Warum dieser Aufwand?

Die Investitionen Anfang 2012 waren unerlässlich. Umso schöner, dass der Mietvertrag jetzt bis zum Ende diesen Jahres verlängert wurde. Jede Investition zahlt sich aus, und daher werden wir auch dieses Jahr weitermachen mit der Hoffnung, weiterhin richtig zu pokern. Uns begleitet dabei ständig das Wissen, dass wir damit unseren Gästen - der wichtigste Faktor unseres Erfolgs - etwas zurückgeben. Ihnen möchten wir was bieten. Das kann eine Vertragsverlängerung nicht beeinflussen.

Zur Person

Philippe Hersberger lebt und arbeitet in Basel als Kulturveranstalter. Er ist Mitgründer des Hinterhof Kulturvereins und der Hinterhof Bar, die als Zwischennutzung von Anfang an ein Projekt auf Zeit war. 2012 hat er den Weiterbildungsstudiengang "Kulturmanagement" Studienzentrum Kulturmanagement mit einer Grundlagenanalyse zu Zwischennutzungsprojekten abgeschlossen.



Mehr dazu:

Was: Hinterhof Season Opening w/ Prins Thomas (Full Pupp, Oslo), John Roberts (Dial, New York), Marco Resmann (Upon.You, Berlin), u.v.m.
Wann: Freitag und Samstag, 25. und 26. Januar 2013, ab 23 Uhr
Wo: Hinterhof Bar, Basel [Fotos: © Hinterhof / Philippe Hersberger]