Hilfe, meine Eltern sind bei Facebook!

fudder-Redaktion

12 479 980 Deutsche haben einen Facebook-Account: das sind 15 Prozent aller Menschen in unserem Land. Dazu gehören auch immer mehr Menschen über 45, unsere Eltern. Und das bringt neue Probleme mit sich. Unsere - anonym bleibend wollende - jugendliche Autorin fragt sich: Sollen wir mit unsere Eltern auf Facebook befreundet sein?


"Ich habe immer gerne Zeit auf Facebook verbracht. Bis zu dem Tag, an dem ich die Freundschaftseinladungen meiner Eltern erhielt.


Nun gut. Ich hatte mir vorgenommen, nur mit Leuten auf Facebook befreundet zu sein, mit denen ich auch außerhalb des Sozialen Netzwerks etwas zu tun habe. Das trifft dummerweise natürlich auch auf meine Eltern zu. 'Warum also nicht', dachte ich mir, und klickte auf 'Bestätigen'.

Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Früher habe ich mich gefreut, wenn ich Bilder vom Wochenende, neue Kommentare oder witzige Pinnwandeinträge gesehen habe.

Jetzt sehe ich Bilder vom Wochenende, unter die mein Vater möchte-gern-lustige Kommentare geschrieben hat, oder Pinnwandeinträge, in denen meine Mutter meinen Freunden von peinlichen Erlebnissen aus meiner Kindheit berichtet. Das ehemalige Baby-Fotos-zeigen hat neue Dimensionen erreicht. Virtuelle Dimensionen.

Mittlerweile bin ich soweit, dass ich mir wünsche, niemals ihre Freundschaftseinladungen angenommen zu haben. Mama und Papa aus meinem Facebook rauswerfen oder sie zumindest von meiner Wall zu verbannen erscheint mir als äußerst konfliktträchtiges Vorgehen.



Was haben unsere Eltern denn eigentlich in sozialen Netzwerken zu tun? Sollen unsere Eltern überhaupt unsere Freunde bei Facebook sein?

Die Zahl der Eltern auf Facebook steigt so rasant, dass in Amerika bereits eine Website gegründet wurde, die sich nur mit diesem Thema beschäftigt: Oh crap, my parents joined Facebook.
Jeden Tag gibt es dort lustig-peinliche Facebook-Erlebnisse von und mit Eltern zu lesen.

Und doch: gibt es nicht auch Eltern, die sich weniger peinlich anstellen und mit denen man gerne bei Facebook befreundet ist? Wahrscheinlich wären das Eltern, die kaum bei Facebook aktiv sind, die ihre Meinung lieber am Abendessenstisch als auf der Facebook-Wall mitteilen und sich primär anmelden, um während eines Auslandsaufenthalts der Kinder besser in Kontakt bleiben zu können und Fotos zu gucken.

Warum und mit welcher Motivation melden sich Eltern überhaupt bei Facebook an? Wollen sie einfach cooler sein, als Eltern, die nicht wissen, wo ihr Computer angeht? Wollen sie kontrollieren, was in diesem schrecklichen Netzwerk, vor dem öffentlich-rechtliche Medien nahezu konstant warnen, abgeht? Wollen sie dazugehören und sich jugendlich fühlen? Oder wollen sie mit ihren Kindern wenigstens über die virtuelle Welt in Kontakt bleiben, wenn es ihnen in der „echten“ Welt schwer fällt?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß aber zumindest einen Grund, warum ich die Freundschaftseinladungen meiner Eltern angenommen habe: so sehr mich ihre Kommentare nerven, bin ich doch froh, moderne Eltern zu haben, die nicht hinterm Mond leben, und die sich dafür interessieren, was in der Welt - und in meinem Leben - passiert.

Nur das mit dem Einmischen und mit den Kommentaren, dass müssen sie noch lernen. Aber das gilt ja auch für das Babys-Foto-Zeigen."