Hilfe! Mein Handy spricht Schwyzerdütsch!

Bianca Fritz

Überteuerte Roamingtarife und keinerlei Kostenübersicht heißen die Feinde aller Handynutzer auf Reisen. Auch wenn neue EU-Bestimmungen vieles nutzerfreundlicher gemacht haben, lässt sich beim Telefonieren im Ausland noch immer viel Geld sparen. Unsere Grenzgängerin Bianca Fritz (die als Studentin in Basel stets mit einem deutschen Handy und einem Schwyzer Natel unterwegs ist) gibt euch 7 Tipps für mobile Telefonate im Grenzgebiet und im Ausland.

  • Einbuchen: Wer gar nicht ins Ausland reist, sollte sicher sein, dass es sein Handy auch nicht tut. Gerade in Südbaden besteht beim Herumreisen stets die Gefahr, dass sich unser Mobiltelefon selbständig macht. Es wählt sich in ein Schweizer oder ein französisches Netz ein, weil dieses gerade stärkere Signale sendet als das deutsche Heimnetz. Dann kommt ein Anruf, wir nehmen arglos ab, und wundern uns Wochen später über die hohe Handyrechnung.

    Das passiert zwar inzwischen seltener, weil die meisten Anbieter ihre Kunden per SMS darüber informieren, dass sie gerade ein fremdes Netz nutzen, aber es passiert dennoch. Dagegen hilft ein ganz einfache Trick: automatische Netzwahl des Handys zu deaktivieren. Dann riskiert man zwar, hin und wieder gar nicht erreichbar zu sein. Dafür hat man aber die Kosten im Griff.

  • Die Tarife: Wer im Ausland telefonieren und die Übersicht behalten möchte, kommt nicht darum herum, sich auf der Homepage seines Mobilfunkanbieters über die Roaminggebühren zu informieren. Seit die neue EU-Roamingverordnung im Juli 2007 in Kraft getreten ist, sind diese Listen zumindest etwas übersichtlicher geworden. So zahlt man für ankommende und abgehende Anrufe im EU-Ausland inzwischen einen festen Tarif – der aber je nach Anbieter und Vertrag variiert. Ein Blick auf die Tabellen lohnt sich auf jeden Fall, denn die Kosten liegen zwischen 29 Cent und mehr als 5 Euro die Minute. Die Tarife der einzelnen Anbieter findet ihr zum Beispiel auf Handytarife.de
     

  • Die Mailboxfalle: „Wenn ich in der Schweiz bin, nehm’ ich einfach nicht ab.“ Ein Satz, den ich oft von Besuchern zu hören bekomme. Eigentlich clever gedacht. Diese Handynutzer wissen zumindest, dass sie im Ausland auch dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie selber angerufen werden. Das passiert, weil der Anrufer in Deutschland ja nicht wissen kann, wo man gerade steckt und folgerichtig nur den innerdeutschen Tarif bezahlen muss. Die Differenz für das Telefonat ins fremde Netz übernimmt der Handybesitzer, also der Angerufene.

    Einfach nicht abzunehmen, kann in bestimmten Fällen trotzdem keine kluge Lösung sein. Wer eine bedingte Umleitung zur Mailbox eingerichtet hat (wie die Mehrzahl der Handynutzer) zahlt trotzdem. Nämlich für die Weiterleitung des Gesprächs an den ausländischen Netzbetreiber und dann noch einmal für die Rückleitung auf die deutsche Mailbox. Davor kann man sich schützen, indem man entweder die Rufumleitung zur Mailbox deaktiviert, oder eine unbedingte Rufumleitung einrichtet. Dann gehen alle Anrufe sofort an die Mailbox und man kann diese zu Hause zum normalen Tarif abhören.

    Wer weiterhin Bedingungen erfüllt haben möchte – zum Beispiel, dass die Mailbox nach einer bestimmten Anzahl von Klingeltönen abnimmt, wenn besetzt ist, oder wenn das Handy ausgeschaltet ist – der zahlt dafür.

  • SMS im Ausland: Wenn es etwas Dringendes ist, kann der Zuhausegebliebene ja immer noch eine SMS schicken. Der Empfang von Kurzmitteilungen ist nämlich (entgegen vieler Behauptungen) in den allermeisten Ländern kostenlos. Lediglich einige wenige Netzbetreiber in zumeist exotischen Ländern berechnen hierfür laut Teltarif.de Kosten, die an den Handynutzer weitergegeben werden – es lohnt sich also, vor der Reise noch einmal einen Blick auf die Homepage des Netzbetreibers zu werfen. 

    Das ist übrigens der Grund, warum ich in der Schweiz immer zwei Handys mit mir herumtrage. So können mir meine deutschen Freunde günstig SMS aufs deutsche Handy schicken. Die Antwort tippe ich auf dem Schweizer Natel. Mit meinem Vertrag würde ich nämlich 39 Cent für eine SMS aus der Schweiz nach Deutschland zahlen. Mit dem Schweizer Handy nur 6 bis 7 Cent. (Siehe nächster Tipp.)

  • Handynutzung bei längeren Auslandsaufenthalten: Wer häufig in ein und dasselbe Land reist, oder für längere Zeit dort verweilt, für den lohnt sich die Anschaffung einer Prepaid-Karte. Diese kostet in den meisten Ländern nur wenige Euro, wovon ein großer Anteil als Startguthaben vertelefoniert werden kann. Ein Vergleich der Anbieter lohnt sich, besonders wenn man denjenigen herausfinden möchte, der die günstigsten Tarife für Telefonate und SMS nach Deutschland hat.

    Ein heißer Tipp für die Schweiz: Bei Coop-Mobile zahlt man nur 10 Rappen (zwischen 6 und 7 Cent) für eine SMS. Und zwar ganz egal, ob sie im Schweizer Netz bleibt oder in ein ausländisches Netz geht, also zum Beispiel nach Deutschland.

  • In vielen Ländern unterwegs: Natürlich wollen weder Geschäftsreisende noch Weltreisende 20 Prepaidkarten mit sich herumschleppen. Für sie bieten viele deutsche Handyanbieter Spezialtarife oder Urlaubspakete an, die für eine ganze Reihe von Ländern die Preise festlegen und/oder herunterschrauben. 

    Eventuell lohnt sich auch die Anschaffung einer globalen Simcard. Der große Vorteil: egal, wo man steckt, man kann sich anrufen lassen, ohne Weiterleitungsgebühren zu bezahlen. Auch das Nachhausetelefonieren ist oft günstiger als mit dem Roaminggebühren des deutschen Mobilfunkanbieters. Unter Globalsim.net kann man sich zum Beispiel für 29,95 Euro plus Versand und Guthaben eine solche Karte bestellen. Hier bekommt man allerdings eine englische Rufnummer zugewiesen.

    Die Zuhausegebliebenen müssen also in England anrufen – was sich nur lohnt, wenn der Reisende sehr weit weg ist oder der Anrufende eine spezielle Flatrate hat. Außerdem soll nicht verschwiegen werden, dass Globalsim zu Beginn des Jahres mehrere Monate nicht funktioniert hat.

  • Alternativen zum Handy: In Ländern mit vielen Rucksacktouristen gibt es an den Kiosken und in den Herbergen häufig spezielle Traveler-Telefonkarten zu kaufen, mit denen man für nur wenige Cent von öffentlichen Telefonen aus stundenlang nach Deutschland telefonieren kann. Die Karten sind quietschbunt, die Tarife vielfältig und unübersichtlich. Aber wer lange in einem Land weilt und Marathongespräche führen will, für den lohnt sich die Suche nach der günstigen Alternative zum Handy.
Weitere Artikel zum Thema "Mobilfunk" gibt es in den kommenden Wochen in unserem neuen Handy-Blog.

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