Hey Ruin kommen am Sonntag in den Slow Club

Bernhard Amelung

Trockenes Drumming, melodische Hooklines: Am Sonntag tritt die Punkrock-Band Hey Ruin im Slow Club auf. Das Video zu ihrem Song "Appetite For Destruction" hat ein Freiburger Künstlerkollektiv produziert. Prädikat: schön schräg.

Für einen Punk muss das die Hölle sein: Zwei Pärchen treffen sich an einem sonnigen Tag zum gemeinsamen Kochen. Sie bereiten Blattsalat sowie grünen Spargel mit einem leichten Sößle zu. Dazu gibt’s einen Weißwein. Das klingt furchtbar, nach bürgerlicher Normvorstellung, nach Mittelklasse und Langweiligkeit.


Diese Hölle hat das Freiburger Künstlerkollektiv Flimmern DC für die Köln-Trierer Punkrock-Band Hey Ruin inszeniert, die am Samstag im Slow Club auftritt. Irgendwo in der Stadt Freiburg, vielleicht in der Wiehre, vielleicht in Herdern, haben Silke Jaspers, Tilmann Waldvogel, Moritz Esser, eine Stockfoto-Atmosphäre erschaffen. "Junge Pärchen", "Glückliche Pärchen", "Verliebte Paare". Das wären die Schlagwörter, mit denen man diverse Datenbanken nach lizenzfreien Fotos mit ebensolchen Szenen durchforstet. Ein Enddreißiger, der Petersilie fein wiegt und dem frisch gewaschenen Salat bei gibt. Seine Freundin schenkt Weißwein ein. Gewissermaßen aus dem Nichts kullern Tomaten und Kartoffeln über die Arbeitsplatte in der Küche. Alles Klischeebilder statt konkreter Momentaufnahmen. Und über allem diese leichte, pastellene Wärme.



Produziert haben Esser, Jaspers und Waldvogel, die sonst als Grafiker in der Alten Blechnerei arbeiten, für den Song "Appetite For Destruction". Er gehört zu den neun Songs, die das Quartett von Hey Ruin in diesem Frühjahr auf seinem Debütalbum "Irgendwas mit Dschungel" veröffentlicht hat.

Auf diesem bringen sie ein trockenes, organisches Drumming mit melodischen Riffs und melancholischen Hooklines zusammen. Gesungen wird auf Deutsch. Damit beziehen sie Position zwischen der Musik von Bands wie Die Nerven, Freiburg und Love A. Für Letztgenannte haben sie bereits Tour-Support gespielt genauso wie für Turbostaat.

Ihre Texte behandeln Themen wie Homophobie ("Hemd offen") und Fremdenhass ("Spaß als Fetisch"). Sie unterhalten mit skurrilen Geschichten, so zum Beispiel in dem Song "Arthur und die Diaspora", dessen zwei Teile eine Klammer um das Album bilden.

Das Cover dieses Albums zieren papageienartige Vögel. Rot leuchtet ihr Gefieder. Eine Gestaltung, die er klassischen Punk-Farbästhetik eigentlich vollkommen zuwider läuft. Dass sich die Band darum nicht schert, hat sie bereits 2015 bei ihrer Debüt-Single gezeigt. Auf dem Cover: Eine Katzenfamilie vor einem Blumengesteck, das man eher im Flur eines englischen Bed & Breakfast vermuten würde. Da Punk jedoch für auch laut, wild und unangepasst steht, passt dieser Bruch mit den Klischees sehr gut.

Musikalische Unterstützung bekommen Hey Ruin am Sonntag von Hello My Name Is, einer Punkband aus der Schweizer Stadt Lausanne. Im Anschluss an das Konzert legt DJ Bleakphil Post Punk, New Wave und Indie auf.
  • Was: Hey Ruin, Hello My Name Is
  • Wann: Sonntag, 2. Oktober 2016, 20 Uhr
  • Wo: Slow Club