Hey IG Subkultur, seid ihr zufrieden mit dem Haushalt?

Gina Kutkat

Der Gemeinderat hat die Stelle eines Popbeauftragten bewilligt und damit eine der zentralen Forderungen der IG Subkultur erfüllt. Am Tag danach sagt Nicolas Rogoll, wie es jetzt weitergeht.

Gestern hat der Gemeinderat den Doppelhaushalt 2017/2018 verabschiedet. Seid ihr als IG Subkultur zufrieden damit?

Wir sind froh, dass vor allem unsere Kernforderung, eine Stelle für einen Popbeauftragten für Freiburg zu schaffen, in der 3. Lesung doch noch durchgekommen ist. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir freuen uns ebenso, dass andere kulturelle Einrichtungen auch noch was vom Kuchen abbekommen haben. Wir fokussieren uns jetzt als IG Subkultur erstmal auf den oder die Popbeauftragte, weil das eines unserer größten Anliegen war. Das heißt aber nicht, dass der Haushalt 2017/2018 den Goldstandard für Freiburger Kulturpolitik darstellt – da ist auch noch Luft nach oben.

Was sind für euch weitere wichtige genehmigte Anträge?

Dem Artik wurde ein Zuschuss bewilligt, ebenso dem Slow Club und dem Kulturaggregat. Auch, dass der Skatepark durchkam, finden wir gut. Den Begriff Subkultur kann man natürlich weit dehnen. Wir vertreten viele verschiedene Interessen, nicht nur aus dem musischen oder künstlerischen Bereich, sondern auch aus der Sparte der Jugendarbeit. Wir finden es auch wichtig, dass von Seiten der Verwaltung Geld für unabhängige, ehrenamtlich organisierte Festivals wie beispielsweise die Schwule Filmwoche bereitgestellt wird. Schade ist allerdings, dass es so lange gedauert hat. Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir mit unserer Arbeit deutlich gemacht haben, dass es in der Freiburger Kulturszene wirklich akuten Handlungsbedarf gibt. Wir hätten uns gefreut, wenn andere Fraktionen schneller mitgezogen hätten.

"Wir schauen genauer hin, wie in der Touristik- und Marketingabteilung die Stelle des Popbeauftragten definiert wird"

Ist die Freiburger Subkultur jetzt gerettet?

Das wagen wir zu bezweifeln. Wir sind jetzt erst einmal vorsichtig. Natürlich ist es super, dass der Antrag durchgekommen ist. Damit wird anerkannt, dass es in Freiburg ein strukturelles Problem gibt, dem man mit einer Verwaltungsmaßnahme wie der Stelle des Popbeauftragten begegnen muss. Dieses Zugeständnis war uns wichtig.

Wie sollte die Stelle jetzt besetzt werden?

Die Personalie Popbeauftragter steht noch in den Sternen. Der Antrag, der von der JPG-Fraktion eingebracht und jetzt beschlossen wurde, trägt in großen Teilen die Stellenbeschreibung mit, die wir in der IG Subkultur erarbeitet haben. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das auch auch in unserem Interesse umgesetzt wird. Es besteht die Gefahr, dass jemand auf diesen Posten kommt, der andere Ansichten vertritt als wir. Wir hatten beispielsweise gewünscht, dass die Stelle beim Kulturamt angesiedelt ist, nun wird die FWTM die Stelle bekommen. Da schauen wir dann genauer hin, wie in der Touristik- und Marketingabteilung die Stelle des Popbeauftragten definiert wird.

Habt ihr Hoffnung, dass eure Wünsche erhört werden?

Wir werden aktiv mit dabei sein und hoffen, dass der Popbeauftragter das wird, was sich die IG Subkultur vorgestellt hat. Nämlich ein Bindeglied zwischen der Verwaltung und einer subkulturellen Szene, die sich frei organisiert und die auch sehr fluide ist. Der zukünftige Popbeauftragte sollte auch eine Kommunikationsfunktion erfüllen und für subkulturelle Probleme wie das Clubsterben sensibilisiert sein. Eine schwere und anspruchsvolle Aufgabe, keine Frage. Vielleicht kann sich auch jemand aus der IG Subkultur vorstellen, sich für diese Stelle zu bewerben, sobald sie ausgeschrieben wird.

In der letzten Zeit war es – zumindest in der Öffentlichkeit – ruhiger um euch. Wie sieht die Arbeit aktuell aus?

In den letzten Wochen haben wir in den gegründeten Arbeitskreisen gearbeitet, um uns zum Beispiel mit anderen Institutionen zu vernetzen oder auch der Proberaumsituation in Freiburg nachzugehen. Außerdem gibt es seit neuestem Workshops, in denen man mehr über Musikproduktion, die Gema oder – gerade in Planung – die Planung von Veranstaltungen und die Vereinsgründung lernt.
Nicolas Rogoll, 27, ist Student an der Uni Freiburg und legt als Michael Ellis im Freiburger Nachtleben auf.

Die IG Subkultur ist ein Zusammenschluss von Bands, DJs, Künstler, Party- und Konzertveranstaltern aus Freiburg. Mehr Infos gibt’s unter http://ig-subkultur.de/ und auf Facebook: IG Subkultur. Das nächste Plenum findet am Mittwoch, 10. Mai im Artik statt, die nächste IG-Subkultur-Kneipe am Donnerstag, 11. Mai um 22 Uhr im White Rabbit.

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