Heute: Rafik Schami im Paulussaal

Julia Nikschick

Rafik Schami passt perfekt in unsere Zeit: Der Rationalität des 21. Jahrhunderts begegnet er mit dem Geschick eines klassischen Märchenerzählers. Heute Abend liest er im Paulussaal aus seinem neuesten Werk "Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte".



Momentan kennt man den Namen Rafik Schami vor allem aus Interviews und Expertisen über die kritische Lage in Syrien. Eigentlich ist der Exil-Syrer, der seit 1971 in Deutschland lebt, jedoch Schriftsteller. Mit seinem neuesten Buch "Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte", beweist er wieder einmal sein literarisches Talent.


In elf kleinen Geschichten erzählt Rafik Schami, wie er selbst zum Erzähler wurde. Mit dem unnachahmlichen Geschick eines Hakawati, des klassischen Märchenerzählers, zeichnet Schami eine Welt, in der Geschichten mehr als genug zum Leben sind. Geschichten, für die man gerne seine Haare vom Friseur des Misstrauen verunstalten lässt, nur um auf dem Heimweg eine Frau dabei zu beobachten, wie sie ihren Mann auf dem Flohmarkt verkauft.

In seinen kindlichen Erinnerungen nimmt Rafik Schami den Leser mit auf Erkundungstour in eine der schönsten Städten des Orients: Damaskus. Eine Stadt, die mit Gerüchen betört, die Sinne vernebelt und Erzählungen kennt, wie sonst nur Scheherazade in 1001 Nacht.

Doch warum sollte man Geld für eine Lesung ausgeben, wenn das Buch zu Hause auch gleich selbst gelesen werden kann? Grund dafür gibt Rafik Schami selbst genug. Denn wer ihn einmal selbst erzählen hörte, verfällt seiner Stimme. Mit dem arabischen Akzent, der auch nach über dreißig Jahren noch deutlich in seiner Stimmer verhaftet ist, verzaubert er seine Zuhörer.

Tief und im gleichmäßigen Sprechrhythmus beginnt er, die Welt seiner Bücher zu erwecken. Die Häuser erheben sich aus dem Boden, die Straßen füllen sich mit Gerüchen und dem Gelächter der Menschen, die er in seinen Erinnerungen trägt oder seiner Fantasie entspringen lässt. Denn so bezaubernd die Erzählungen sind, so schwingt doch immer ein wenig das Augenzwinkern des arabischen Geschichtenerzählers Rafik Schami mit, bei dem keiner sicher ist, ob die Geschichte wahr oder erfunden ist, durch die man eben noch spazierte.

Mehr dazu:

Was: Lesung von Rafik Schami
Wann: Donnerstag, 10. Mai 2012, 20 Uhr
Wo: Paulussaal
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro

[Bild: Root Leeb]