Heute: Pro-Pain im Café Atlantik

Matthias Cromm

Im Café Atlantik gibt's am Sonntag die volle Dosis New York Hardcore: Pro Pain sind - zusammen mit einer Meute Support-Bands - zu Gast. Eine kleine Einführung in den NYHC mit Begründung, warum der Atlantik-Besuch sich heute abend lohnt:

NYHC war schon immer was Besonderes. Die New Yorker Hardcore-Szene hat ihre Wurzeln in der Punkszene und um deren Homebase CBGB’s an der Bowery in Manhattan. Bereits in den frühen 70er Jahren ebneten die New York Dolls um Johnny Thunders und David Johanson mit ihrer komprosmisslosen Art des Glam-Rocks den Weg für den Punkrock der Stadt. Mitte der 70er Jahre folgen Bands wie die Ramones, The Dead Boys, The Heartbreakers und Richard Hell and the Voidoids.


In New York regiert noch der Punkrock während in Washington bereits 1977 die Proto-Harcdore Band The Bad Brains gegründet wird, die den Grundstein zum D.C. Hardcore legt. In Washington folgen noch Ende der 70er Jahre die Teen Idles, 1980 kommen Henry Rollins erste Band State of Alert (S.O.A) und die unsterblichen Minor Threat hinzu. Schnell entsteht eine umtriebige Szene aus Fanzines, Bands und Labels deren bekanntester Vertreter das Label Dischord Records von Ian MacKaye, einem der Initiatoren des Straight Edge-Gedankens und Sänger von der Band Minor Threat. Ian MacKayne führt das Label Dischord Records noch immer, und ist außerdem Sänger der Post-HC Band Fugazi und des Folkduos The Evens.

Zwar zog die Hardcoreband The Bad Brains 1979 nach New York, doch die ersten NYHC-Bands tauchten erst ab 1981 mit der Gründung der Bands Cause For Alarm, Cro-Mags,  Agnostic Front und The Mob auf. Stilbildend für den NYHC sind wegen ihrer langen Halbwertszeit sind vor allem Agnostic Front, die sich wie die meisten anderen NYHC-Bands zunächst stark an der Szene aus Washington aber auch stark an britischen Oi!-Bands orientierten, später entwickelten sie sich eher einen Crossover aus Hardcore und Thrashmetal.

Das prägte besonders die grosse NYHC-Welle Mitte/Ende der 80er Jahre als Bands wie Sheer Terror, Sick of it All, Madball und Biohazard entstanden und der NYHC große kommerzielle Erfolge feierte. Das allgemeine Erscheinungsbild war grösstenteils an der Skinheadkultur orientiert, auch ist die NYHC-Szene bekannt für einen gewissen - wenn nicht gar exzessiven - Hang zur Gewalt, Sexismus und Homophobie. Diverse Texte - vor allem von  Agnostic Front - mussten sich den Vorwurf von Rassismus gefallen lassen. Daraus resultierten ständige Schlägereien zwischen den unterschiedlichen Anhängerschaften, die letztendlich zu einer Spaltung der Szene führten. Anhänger des NYHC bildeten die eine Gruppe, während sich andere Bands wie die Gorilla Biscuits, Judge oder Youth of Today der D.I.Y. (Do-It-Yourself) und Staight Edge Szene zuwandten.

Pro Pain wurde 1992 von Gary Meskil als NYHC Band der alten Schule gegründet. Sänger und Bassmann Gary Meskil, der 1992 bereits zehn Jahre Hardcore-Geschichte mit seiner ehemaligen Band Crumbsuckers hinter sich hatte, ist mittlerweile das einzig verbliebene Ur-Mitglied von Pro-Pain.

Mehr als ein dutzend Alben haben Pro-Pain in ihrer über 20 jährigen Bandgeschichte veröffentlicht. Waren sie zu Anfang eher dem Metalcore á la Biohazard zugewandt, scheuen sie nicht davor zurück Keybord, Trompeten und sweeten weiblichen Backgroundgesang in ihren Sound zu integrieren. Ihre Bekanntheit in Deutschland verdanken sie zu einem großen Teil den Böhsen Onkelz, in deren Vorprogramm sie des Öfteren zu sehen waren, sie waren Gäste des Böhse Onkelz Abschiedskonzertes und auf ihrer Coverplatte „Run for Cover“ spielen sie neben Stücken von Discharge, Agnostic Front, Black Flag und Sepultura auch Terpentin von den Böhsen Onkelz. So ist das im NYHC. Ein neues Album gibt’s auch und jede Menge Supportbands: Undivided, Don Gatto und Six Reasons to Kill. Also: Haare ab, Kinnbart dran, kurze Hose und Unterhemdle an und Tatoos zeigen – Los geht’s!

Pro Pain - "Fuck It" (WFF07) LIVE



Quelle: YouTube


Pro-Pain "Straight to the Dome" European Tour 2013



Quelle: YouTube


Mehr dazu:


Was:
Pro-Pain (Support: Undivided, Don Gatto, Six Reasons to Kill)
Wann: Sonntag, 24. Februar 2013, Einlass 20 Uhr
Wo: Café Atlantik
Eintritt: 18 Euro (Abendkasse), 15 Euro (Vorverkauf)