Heute: Politikstammtisch Schlusswort im Artik

Martin Honecker

Wo könnte man eigentlich besser über Politiker und deren verkorkste Politik abledern als auf einem Stammtisch? Klischeemäßig sind solche Stammtische allerdings eher älteren Herren in gutbürgerlichen Kneipen vorbehalten. Nicht so der Politikstammtisch "Schlusswort": im Artik diskutieren an jedem letzten Dienstag im Monat Teenager und junge Erwachsene über Politik. Die 19-jährige Organisatorin Julia Söhne erklärt uns im Interview wie der Stammtisch funktioniert – und was anders läuft als bei den alten Herren.



Julia, wie funktioniert Euer Politikstammtisch?

Julia Söhne: Naja, wir setzen uns gemütlich in eine Ecke - und dann ist das der klassische Stammtisch, wie man ihn sich vorstellt. Bier gibt's bei uns natürlich auch. Für gewöhnlich diskutieren wir zwei Themen, ein überregionales und ein regionales. Ich stelle am Anfang kurz das Thema vor und sage meine Meinung, und dann geht es auch schon los. Da muss eigentlich gar nichts moderiert werden, das läuft wie von selbst.

Welche Themen werden so besprochen? Frei Schnauze was einem gerade so einfällt?


Ungefähr zwei Wochen vor dem Stammtisch starten wir auf Facebook eine Abfrage. Da schlagen wir selbst die Themen vor, die uns so einfallen. Zusätzlich kommen noch Vorschläge von den Teilnehmern. Wir haben auch schon Themenvorschläge von Gemeinderäten bekommen. Bei denen ging es vor allem um die Jugendbeteiligung in Freiburg.

Das Thema, das auf Facebook die meisten Likes bekommen hat, besprechen wir dann. Am besten sind natürlich Themen, bei denen alle mitreden können. Bisher haben wir zum Beispiel den Friedensnobelpreis für die EU diskutiert. Außerdem waren der Einfluss der Medienlandschaft auf die Politik und das NPD-Verbot Thema.

Regional haben wir zum Beispiel über die Wohnungsnot in Freiburg und Jugendbeteiligung diskutiert. Für nächsten Dienstag stehen bei Facebook bisher der Verfassungsschutz, der neue Papst, die Wasserprivatisierung, die gleichgeschlechtliche Ehe, der Krieg in Mali und die Sexismus-Debatte zur Auswahl, wobei der Verfassungsschutz knapp vor dem Papst und der Wasserprivatisierung führt. Es kann aber immer noch jeder, der kommen möchte, einen eigenen Vorschlag dazu tun und darüber abstimmen lassen.

Stammtisch klingt ja ein bisschen nach Populismus. Wie läuft das bei Euch?

Bei uns ist das Niveau relativ hoch. Das liegt auch daran, dass bisher die meisten Teilnehmer aus den Jugendparteien kommen. Das ist schade, das wollten wir eigentlich vermeiden. Weil die meisten eben aus den Jugendparteien kommen, musste der Stammtisch im Januar und Februar ausfallen. Da waren wir zu sehr damit beschäftigt den Ring der politischen Jugend zu gründen.

Diesen Monat geht’s aber wieder los. Mit dem Politikstammtisch haben wir jetzt endlich mal eine Plattform, auf der man sich locker austauschen kann. Wir haben das Treffen extra Stammtisch genannt, weil wir bewusst aus dem Sitzungsfeeling raus wollten. So kann jeder, der politisch interessiert ist, reinkommen. Auch wenn man mal nur eine halbe Stunde Zeit hat und dann wieder gehen muss. Ein Stammtisch ist keine Veranstaltung, bei der man von Anfang bis Ende teilnehmen muss.

Im grünen Freiburg könnte man ja vermuten, der Stammtisch ist so etwas wie das gemütliche Zusatzprogramm der grünen Jugend. Wie sieht's aus?

Nein, das ist gar nicht so. Bei uns halten sich die Fraktionen ziemlich die Waage. Grob gesagt: von den Parteien, die im Bundestag sind, sind auch bei uns jeweils so zwei bis drei Teilnehmer dabei. Das ganze ist also sehr ausgeglichen und bunt.

Welche Leute kommen so zum Politikstammtisch?

Im Moment zieht sich das Alter bei unseren Teilnehmern von 17 bis 23. Ab und zu kommen auch jüngere vorbei, die sind dann so ab 14. Das ganze ist ja gerade für junge Leute gedacht.

Mehr dazu:

Was: Politikstammtisch Schlusswort im Artik
Wann: Jeden letzten Dienstag im Monat ab 19 Uhr (dieses Mal der 26. März)
Wo: Artik, Friedrichsring 2, unter dem Siegesdenkmal     [Bild 1: © Ro - Fotolia.com; Bild 2: Schlusswort]