Heute im Ruefetto: Mockemalör, eine Band mit alemanischen Texten aus Berlin

Peter Stellmach

Musik mit Dialekt ist nicht mehr uncool. Und wenn man in Slang und Sprache seiner Herkunft singt, muss man das nicht mehr notwendigerweise zu Volksmusik tun. Magdalena Ganter, 26, aus Hinterzarten ist 2006 nach Berlin gezogen - und hat dort die Band Mockemalör gegründet, in der sie alemanisch singt. Am Donnerstagabend tritt die Band im Ruefetto auf.



„Mockemalör“. Ist das  eine schräge Kombination aus dem französischen Malheur und dem Dialektwort „en Mocke“, also „ein bisschen“ oder „e weng“?

Magdalena Ganter: Eine 1-A-Spürnase haben Sie da! Eine Weile hab ich mal alle möglichen Worte notiert, die ich in irgendeiner Form spannend fand. Rum gekommen ist dieses Dingchen hier.  Mir gefällt der Klang. Die Bedeutung auch.

Aber warum Malheur, sorry:  Malör? Das ist doch  etwas Gelungenes?

Das hoff’ ich doch! Noch gibt es bei Wikipedia keinen Eintrag dazu. Mal seh’n, wie sich Herr Ö so macht.  Er ist in jedem Fall öptimistisch. Manchmal  passiert einem ja  ein Malheur, und es entsteht  Wunderbares daraus. Das wäre doch eine schöne Definition.

Erzählen Sie über die Ursprünge? Wer sind die Musiker?  Und was ist Ihr Tun?

Das hat sich alles ganz wunderbar gefügt. Mit Simon Steger, dem Pianisten, einem begeisterten Klangtüftler –  er studiert an der Universität der Künste (UdK) Tonmeister – und dem Drummer und Percussionisten Martin Bach, der eine Schlagzeugschule in Kreuzberg leitet, hatte ich unabhängig schon an eigenen Stücken gearbeitet. Beide sind sehr kreative, inspirierende Musiker und ganz liebenswerte Menschen obendrein.  Für meine Diplominszenierung im Mai 2010 an der UdK haben die Jungs mich  gemeinsam begleitet. Ich habe  dafür ein Stück geschrieben, das einige Szenen im Alemannischen beinhaltete. So kam Eines zum  Anderen und später auch noch Charis Karanzas dazu. Er studiert Gitarre am Jazzinstitut Berlin und kam mir gerade recht, da mir diese Richtung sehr am Herzen liegt und ich sie schon länger stärker in unsere Musik integrieren wollte. Selbst zücke ich in der Band  gerne meine Melodika, wenn ich nicht gerade singe.

Warum alemannisch? Da versteht Sie doch in Berlin kein Mensch, oder?

Wenn’s  hochdeutsch doch anders wär’. Tatsächlich hab’ ich das Gefühl, die Ohren werden größer, die Hörer aufmerksamer und das Interesse geweckt. Und wenn  hinterher jemand noch Fragen hat, freu’ ich mich. Es macht mir halt schlichtweg Spaß, Dialekt liegt so schön im Mund. Ganz rund und weich. Zumindest das, was ich noch ’rüberretten konnte. Ich hatte  während des Studiums an der UdK ja Sprecherziehung. Einzelunterricht, montags um 14.30 Uhr bei Professor Wolf. Der Name war Programm. Bis ich ihn  dann mit seiner Mutter aus „Schturgitt“ hab’ telefonieren hören. Da war das Eis dann gebrochen.



Bei Liedern wie „Zitt“ oder „Tanz“ klingt Wehmut an,  die Erinnerung an Schönes,  das man gerne nochmals erleben würde. Was ist Ihr Anliegen?

Meinem Inneren Ausdruck verschaffen. Was mich bewegt, leg’ ich am liebsten in Musik und manchmal auch in Worte (und manchmal  in Tanz). Das ist heilsam. Daher zieht es mich wohl auch besonders stark zu meinem Klavier, wenn’s mir gerade  nicht so gut geht, ich „wehmütig“ bin, wie Sie es beschreiben. Aber keine Sorge,  wir haben auch ein paar sehr euphorische Stücke in Petto. Das mit anderen teilen zu können, ist schon ein Geschenk.

Sie sind keine Rockröhre...

Nein, Mockemöhre. Viel bekömmlicher auf Dauer!

...das sind eher leise, sanfte Töne.

Eher. Manchmal sogar meditativ. Aber Obacht. Ausbrüche bestätigen die Regel.

Können Sie's für die Menschen,  die Mockemalör nicht kennen, ein wenig einordnen? Gibt es Vorbilder?

Vorbilder sind da glaub’ ich eher persönlicher Natur, die das Zusammenspiel aber ja unweigerlich beeinflussen. Die große Herausforderung besteht für uns darin einen eigenen, authentischen Klang zu finden. Schon die Suche ist spannend und bereichernd. Am Besten einfach mal reinhören!

Wie oft und wo spielen Sie?

Unsere Konzertreise in den Schwarzwald stellt den Auftakt da. Danach stehen einige Konzerte in Berlin an. Eine CD mit vier Stücken haben wir auch schon im Reiseköfferchen verstaut.

Wie sehen die Zukunftspläne von „Mockemalör“ aus? Soll es eine  kommerzielle Laufbahn werden?

Vor allem  wollen wir uns nun vor Publikum ausprobieren. Wir haben lange genug im Geheimen gewerkelt.  Nun sind wir  heiß darauf, das endlich mit anderen Menschen zu teilen. Und sehr gespannt auf die Reaktionen.

Wann reisen Sie an und wo treten Sie auf?

Magdalena: Am Donnerstag  werden meine Jungs und ich uns in aller Herrgottfrühe von Berlin aus auf den Weg machen, um dann pünktlich  zum Kuckuckruf um 21 Uhr frisch und munter die Jamsession im Rufetto zu eröffnen. Werd’ ja ganz aufgeregt, wenn ich dran denke.

Und das Heimspiel?  Ausverkaufte Säle dürften Ihnen ja sicher sein, so eine Berühmtheit, wie Sie geworden sind.

Da muss Ihre Berühmtheit jetzt aber schon schmunzeln!  Am Freitag spielen wir bei Toni im Culturcafé in Neustadt, da juchzt mein linker kleiner Heimatzeh schon sehr freudig, das wird aber noch ganz klar vom Sonntagsfrühschoppen im Hinterzartener Kurhaus getoppt. „Jucheee, jucheee“ ruft da der kleine Zeh!

Machen wir  den   Abstecher ins Musical.  Eine Hauptrolle bei der Weltpremiere von „20000 Meilen unter dem Meer“ nach Jules Verne: Wie oft haben Sie  als Suri, Tochter von Kapitän Nemo, in Eisenach auf der Bühne gestanden?

35 Mal. Da steh’ ich noch immer ab und an. Also eigentlich tauchen wir ja vielmehr. Mittlerweile aber am Landestheater in Meiningen. Macht mir immer noch ganz große Freude. Hab da auch einfach eine tolle Rolle zu spielen. Und so schöne Arien zu singen. Bin ich sehr froh.

Woran arbeiten Sie  gerade?

Es gibt Pläne, aber die sind noch nicht offiziell. Ich hab’ in meiner Wohnung einen Zettel an der Wand hängen. Momentan steht darauf „Achtsamkeit“ geschrieben. Dazu mache ich jeden Morgen vier Minuten Kopfstand. Sonst komponiere ich grad’ viel. Arbeite an einem Chansonprogramm,  Solo am Klavier. Das ist mein Ziel. Muss ich aber noch ein  Weilchen üben. 

Und was bringt die nähere Zukunft?

Üben, üben, üben. Und  natürlich liegt die Vorbereitung in den letzten Zügen. Die Vorfreude ist groß!

Einmal Berlinerin, immer Berlinerin?

Ich fühle mich hier jedenfalls sehr wohl. Aber die Berge und der Wald fehlen halt einfach.



Mockemalör

Quelle: Soundcloud


Zur Person

Magdalena Ganter stammt aus Hinterzarten und machte 2005 in Neustadt ihr Abitur. Sie spricht Englisch, Französisch und Spanisch, stolz ist sie auf ihren Dialekt. Im Tanzen sind Spezialitäten Ballett, Jazz, Modern und Stepp. Sie spielt Klavier. Der künstlerische Werdegang zeichnete sich früh ab.

Von 1992-2002 genoss sie Ballettunterricht an der Royal Academy of Dancing Hinterzarten, von 1998-2006 erlernte sie Jazzdance und Moderndance in der Freiburger Tanzetage. Hinzu kam von 2000-2006 klassische Gesangsausbildung bei Vera Joppig und Ricardo Bartra Asmat und 2005/06 Gesangsunterricht in Jazzstilistik (Cécile Verny). Von 2006-2010 studierte sie Tanz, Gesang, Schauspiel an der Universität der Künste (Berlin) und schloss mit Diplom mit Auszeichnung ab.

Seither spielte sie in "Der Bettelstudent", "Besser ist besser", "Leben ohne Chris" (alle Berlin), "Songs for a new world" (Dessau), "All you need is beat" (Erfurt/Chemnitz), "Woodstock – beautiful people" (Gera), "Changemakers" (Berlin/ Prag), "20000 Meilen unter dem Meer" (Eisenach/Meiningen), "Cabaret" (Berlin/München) und aktuell in "Prinzessin Lillifee" (Deutschland, Österreich, Schweiz). Die Mezzosopranistin war unter anderem Finalistin beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2007 und Darstellerin beim 75. Fifa-Weltkongress Zürich 2007. Sie ist Studiosängerin, Sängerin im Jazzduo Satin Doll sowie "Mockemalör"-Texterin/Komponistin.  

Mehr dazu:

Was: Mockemalör @ Jazz-Session
Wann: Donnerstag, 22. März 2012, 21 Uhr
Wo: Ruefetto

Weitere Termine:

23. März Mehlsack, Emmendingen (21 Uhr)
24. März  Cultur Café Posthäusle, Neustadt (21 Uhr)
25. März Kurhaus Hinterzarten (11.30 Uhr)