Heute im KG II: Die Absageagentur

Christian Deker

Den Spieß mal rumdrehen – das dachten sich Katrin Lehnert und Thomas Klauck von der Absageagentur. Die beiden bieten einen ungewöhnlichen Service an: Sie schicken Absagen an Unternehmen, die im Stellenmarkt von Zeitungen inserieren. Das Ziel: Die Arbeitnehmer sollen kritischer mit dem Thema Arbeit umgehen und nicht mehr alles mit sich machen lassen.



Will ich Arbeit um jeden Preis? Will ich mich nur über Arbeit identifizieren? Diese Fragen bewegten Katrin Lehnert und Thomas Klauck, als sie die Absageagentur im Jahr 2005 gründeten.


„Wir wollen etwas gegen das allgemeine Arbeitsethos unternehmen: Alle wollen nur noch arbeiten und fragen nicht mehr warum und zu welchen Bedingungen. Es ist ihnen egal, ob sie 40 Stunden die Woche arbeiten, oder 50 und dafür nicht mehr bezahlt bekommen“, sagt Thomas Klauck.

„Gegen diese Fetischisierung der Arbeit wollen wir etwas setzen, indem man mal symbolisch Nein sagt.“ Und das kann man bei der Absageagentur, indem man eine Absage statt einer Bewerbung an ein Unternehmen schickt. Die Agentur vermittelt diesen Service kostenlos.

Einer der Vorschlagstexte für eine Absage lautet:

Ihre Anzeige aus der *Zeitungsname* vom *Datum*

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen für die Ausschreibung oben genannter Stelle.
Nach sorgfältiger Prüfung Ihres Angebots muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich die angebotene Stelle nicht antreten werde.

Ich versichere Ihnen, dass meine Entscheidung keine Abwertung Ihrer Person oder der *Firmenname* ist. Sondern ausschließlich auf meine Auswahlkriterien zurückzuführen ist.

Ich bedauere, Ihnen keine günstigere Nachricht geben zu können und wünsche Ihnen und der *Firmenname* für die Zukunft alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Von den Unternehmen bekommt die Absageagentur allerdings kaum Reaktionen. „Das ist uns aber auch egal, weil es uns darum geht, bei den Arbeitnehmern etwas zu ändern. Die müssen darüber nachdenken“, sagt Klauck.

Den Absagetext kann jeder frei formulieren, die Absageagentur bietet nur die Form und den Service an. Was die Leute in den Absagen kritisieren, sei ihre Sache, man wolle den Menschen nichts vorgeben.

„Die Leute haben einfach Frust. Entweder weil sie Arbeit haben und zu viel arbeiten müssen, oder weil sie keine Arbeit haben,“ sagt Thomas Klauck. Und diesen Frust lassen die Menschen über die Absagen ab.

Die Agentur ist auf Einladung des aka-Filmclubs in Freiburg, der zurzeit sein "Work in Progress“-Programm veranstaltet. „Das Thema geht jeden Studenten etwas an, da jeder früher oder später auf Stellensuche ist“, sagt Alexander Sigelen vom aka-Filmclub. „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, über das jeder mal nachdenken sollte.“

Mehr dazu:

Die Absagen kann man heute noch bis 18 Uhr im KG II abschicken, danach auch im Internet:

Die Absageagentur