Heute im E-Werk: Moritz von Oswald und das SWR-Sinfonieorchester

Bernhard Amelung

Was? Noch eine Ankündigung für die Veranstaltung des SWR-Sinfonieorchester mit Techno-Pionier Moritz von Oswald? Ja. Denn am Donnerstagnachmittag hatte fudder-Autor und Elektro-Aficionado Bernhard die Möglichkeit, einer Probe für das Konzert beizuwohnen. Wie's war:

Ein leises, düsteres Knistern dringt durch die Lautsprecher des großen Saals des Freiburger E-Werks. Sanft steigert es sich zu einer brodelnden Geräuschwelle. Sie bricht herein über sforzato gespielte Streichertöne und verhallt in derselben kosmischen Ferne, aus der sie herzukommen schien. "Noch einmal von Anfang an!" François-Xavier Roth, der Dirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, unterbricht die Vermählung der ungewöhnlichen Klänge. Mit ruhiger Stimme gibt er musikalische Anweisungen. "Energischer" sollen die Streicher aufspielen. "Hast Du noch andere Sound-Pattern bereit?", fragt er Moritz von Oswald, der hinter einem großen Mischpult, unzähligen Kabeln und einem Laptop kaum zu erkennen ist.


Bei der Probe für die heutige Veranstaltung "Messagesquisses" im Rahmen der Reihe "Linie Zwei" im Freiburger E-Werk begrüßte das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg mit Moritz von Oswald einen Künstler in seinen Reihen, der die elektronische Musikszene seit zwei Jahrzehnten wie kaum ein anderer prägt.

Nach seinem klassischen Schlagzeug-Studium war von Oswald Anfang anfangs der 80er Jahre Mitglied der Hamburger Band Palais Schaumburg. In den 90er Jahren schuf er in Berlin mit seinem Studiopartner Mark Ernestus unter Pseudonymen wie Basic Channel, Maurizio oder Rhythm & Sound wahre Blaupausen des Techno. Diese gelten werden in Kennerkreisen bis heute wie eine Offenbarung verehrt. Doch nicht nur dies: Moritz von Oswald führte für die Deutsche Grammophon an der Seite des Detroiter Elektronik-Musikers Carl Craig den Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky und Maurice Ravels "Boléro" einer Neuinterpretation zu.

Dafür zerlegten sie alte Aufnahmen dieser klassischen Werke bis auf ihre Grundfrequenzen und erschaffen daraus hypnotische Klangmuster, deren Sog nur schwer zu entkommen ist. Zudem treibt von Oswald gemeinsam mit Max Loderbauer und Sasu Ripatti im Moritz von Oswald Trio die Verbindung von Jazz und elektronischer Musik voran.

Genauso wie er gelten John Cage, Pierre Boulez und Morton Feldman als Vorkämpfer und Wegbereiter ihrer Kunst. Diese drei Komponisten haben in ihrem Werk eine experimentelle und abstrakte Musiksprache entwickelt, die ihren Hörern vor allem eines abverlangt: überkommene Hörgewohnheiten über Bord zu werfen. Mit "Atlas eclipticalis" von Cage, "Messagesquisse" von Boulez und "Out of ,Last Pieces’" von Feldmann wird das SWR-Sinfonieorchester unter Leitung von François-Xavier Roth drei Werke dieser Pioniere aufführen – und Moritz von Oswald tritt in musikalischen Dialog mit ihnen.

Mehr dazu:

Was: 'Messagesquisses' mit Moritz von Oswald und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden
Wann: Freitag, 27. April 2012, 21 Uhr
Wo: E-Werk
Eintritt:
16 Euro; ermäßigt 8 Euro
[Bild: Promo]