Heute gab es am Bertoldsbrunnen intensiven Augenkontakt geschenkt - fudder hat mitgemacht

Sarah Röser

Eine ungewöhnliche Aktion gab es heute in der Kajo: Die Einladung zu einer Minute Augenkontakt mit einer fremden Person - fudder-Autorin Sarah hat vor zwei Freiburgern Platz genommen und sich auf den Augenblick eingelassen.

Zunächst bemerke ich das außergewöhnliche Setting am Bertoldsbrunnen nicht - dann schaue ich näher hin: "Herzliche Einladung für 1 Minute Augenkontakt", heißt es auf dem Aufsteller. Ich bin neugierig und stellte mich den freundlichen Freiburgern vor.


"Wie läuft das ab? Fangen wir einfach an, uns in die Augen zu schauen? Wer stoppt die Zeit? Wem soll ich gegenüber sitzen?", frage ich etwas verunsichert. Ich denke, es gibt einen geregelten Ablauf, oder so ähnlich. Schnell merke ich aber, dass es hier nicht um Zeit oder Regeln geht - sondern um ein Gefühl.

Ich musste ständig blinzeln

Ich nehme vor der Dame mit Hut Platz: Wir blicken uns in die Augen. Die Sonne blendet mich sehr und nach einigen Sekunden wird es etwas anstrengend. Ich kann diesen Augenkontakt jederzeit beenden, will aber durchhalten. Ich fange an, ständig zu blinzeln. Umso mehr konzentriere ich mich auf die hellblauen Pupillen meines Gegenübers. Und für einen kurzen Augenblick bin ich gedanklich nur beim Versuch: "Irgendwie ja schon komisch", "Sehr ungewohnt", "Schöne Augenfarbe!" - komplett loslösen kann ich mich von meinen Gedanken aber nicht.

Meine Gefühle, die ich während dem Augenkontakt habe, kann ich nicht ganz zuordnen. Ich weiß aber, dass ich nach etwa dreißig Sekunden wegschauen will. Nicht aus Scham oder Unwohlsein. Sondern eher, weil ich es nicht anders gewohnt bin. Es ist ein fremdes Gefühl, jemand Unbekanntem so tief in die Augen zu blicken. Selbst für eine Minute.

"Langer Augenkontakt fördert die emotionale Wahrnehmung"
Im Anschluss erzählt mir die herzliche Freiburgerin ganz offen von ihrer Motivation: "Wir möchten den Menschen zeigen, wie wichtig direkter Augenkontakt ist. Denn nur durch diesen intensiven Blickkontakt erfährt man seine wahren Emotionen - gegenüber den Gesprächspartnern aber auch sich selbst gegenüber. Die Gespräche werden zu sehr von den Gedanken kontrolliert. Dabei sollen Worte doch direkt von Herzen kommen!"

Aber meine Worte kommen doch auch von Herzen, wenn ich keinen direkten Augenkontakt habe - oder? Da ich nie darüber nachgedacht habe, kann ich das nicht beantworten. In Zukunft werde ich meinen Empfindungen während einem Gespräch mehr Beachtung schenken: Gibt es tatsächlich einen emotionalen Unterschied zwischen direktem und indirektem Augenkontakt?

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