Heute Abend: Live-Musik, galore

Carolin Buchheim

Eigentlich heisst es ja, dass es am Abend von Gründonnerstag, in der Nacht auf Karfreitag also, ab Mitternacht nur leise Musik geben soll, und ja kein tanzen und so: Warten wir mal ab, denn heute Abend ist auf jeden Fall ganz schön was los.



Im Jazzhaus: große EP-Release Party und Deutschland-Tour Start von Neonkrieger aus Freiburg mit Superdog aus Strassbourg und Sepia aus Basel als Special Guests. In der KTS: The Audience und Garcon Bleu aus Hersbruck.


Neonkriegeraus Freiburg gewannen 2005, noch unter dem Namen Lupus, den Play Live Bandwettbewerb und damit auch den offiziellen Titel 'Beste Band Baden-Württembergs'. Ihr Sieg bescherte ihnen außerdem die Aufnahme in das Bandpool Artist Development Projekt der Popakademie Mannheim, das schuld ist dass Bands wie Revolverheldund Die Happy den Eintritt ins Musikgeschäft ermöglicht hat. Im letzten Jahr konnten die vier jungen Herren aus Freiburg und ihr Management also unter professioneller Anleitung ihre Fähigkeiten ausbauen und ihren Stil weiter definieren, und präsentieren nun mit ihrer ersten EP 'Neue Wege' das Ergebnis.

Auf 'Neue Wege', aufgenommen mit Zeus B.Held, Produzent von Nina Hagen, Udo Lindenberg und Transvision Vamp, bieten die Neonkrieger 5 Songs zwischen frühem Element of Crime (Mitte der 80er), mittlerem Rio Reiser (direkt nach den Scherben) und den späten Selig (Mitte der 90er), im weitesten Sinne also Rockmusik mit deutschen Texten, definiert durch die Zelebrierung der Liebe zur verzerrten Gitarre, dem ausgiebigen Instrumentalpart und den leidenschaftlichen Fehlgriff zum hymnischen Background-Chor an dem man mit Synthies herumgefuschelt hat.

Definierend für den Sound der Band ist die auffällige Stimme von Frontmann Johannes Winter, der - trotz seiner zarten 23 Jahre - versucht, Sven Regener Konkurrenz zu machen, sowohl was stimmliche Intonation, Lakonie, Rauchigkeit und Kratzigkeit angeht, als auch das Lamentieren über Alkohol und Einsamkeit. Leider vermisst man genau deswegen gerade bei den ruhigeren Songs die poetische Stimmigkeit, die Regener in seinen Texten unterbringt, denn noch vergreifen sich die Neonkrieger doch so ziemlich mit ihren Metaphern ("Manchmal kommt es mir vor | als wären wir beide Papierflieger im Wind in einem Luftschlosslabyrinth | die wie ein mutterloses Kind darauf warten | dass ein Sturm die schwarzen Wolken bringt." / "Schnaps, das war sein letztes Wort | dann trugen ihn die Engel fort.") und vertun dabei die Schönheit der lyrischen Chance.

Aber da sind natürlich auch schöne Momente auf der EP, wie die zweiten Hälfte des Eingangstracks 'Du bist nicht allein', die einen mit einer wirklich schönen reduzierter Hook-line, feinem Synthie-Backing und hübsch treibendem Drums aufhorchen lässt. Gleiches gilt für die erste Hälfte des Titeltrack 'Neue Wege' sowie den Refrain und die Bridges von 'Wolfmond'. Auch der Moment, den sie mit 'In deinen Armen' festhalten wollen, ist ein schöner, auch wenn hier die Lyrics beizeiten leider schmerzen.

Aber überhaupt sollte man wohl nicht allzu kritisch sein mit diesem Erstling, denn gerade wegen dieser kleinen Unstimmigkeiten auf ihrem Debüt und dem Kontrast zwischen dem wie sie sich anhören, nämlich wie abgeklärte Männer mittleren Alters die schon so ziemlich alles gesehen haben, und dem was sie sind, nämlich junge Männer die doch sicherlich noch so ziemlich alles vor sich haben, könnte es interessant sein, Neonkrieger heute Abend live im Jazzhaus zu sehen.

Das Konzert im Jazzhaus ist der Auftakt für die ersten Deutschlandtour der Neonkrieger, die sie an 9 Terminen quer durch die Republik und wieder zurück führen wird. Einmal Live-Sporen verdienen, bitte!

Zur Feier des Tages gibt’s im Jazzhaus ein Mini-Regio-Festival, denn mit dabei sein werden die Indiepopper von Superdog aus Strassbourg (F) (Website) sowie die Indierocker von Sepia aus Basel (CH) (Website/MySpace). Sepia, ebenfalls Gewinner diverser Bandwettbewerbe und gerade mitten in der Arbeit an ihrem ersten Album, werden am kommenden Wochenede in St.Gallen mit den Gods of Blitz auftreten.

Spätestens wenn im Jazzhaus die Verstärker ausgestöpselt werden, sollte man sich auf den Weg in die KTS machen. - Wie gut, dass es da ja ohnehin immer erst so schön spät losgeht.

Direkt aus der aus der deutschen Indie/New Wave/Post Hardcore Metropole Hersbruck kommen sie nach Freiburg: The Audience (Website/MySpace). Hersbruck? Nie gehört? Hersbruck ist der kleine Ort östlich von Nürnberg, aus dem die Herren von The Robocop Krausstammen. Aber: keine Sorge The Audience sind -auch wenn sie ebenfalls eine trashige Orgel dabei haben- eindeutig keine Robokopie, sondern machen trotz der geographischen Nähe und dem ähnlichen stilistischen Ursprung ihr ganz eigenes Ding. Mehr Glam, mehr Rock, weniger Pop, finden die Robos, und vermelden auf Nachfrage von ihrer US-Tournee, dass The Audience, und ganz besonders deren Sänger 'viel Spass machen'.

The Audience reisen im übrigen im gemieteten Robo-Bus an, denn die Robos sind ja zur Zeit in Kalifornien unterwegs, nachdem sie mit Art Brut die Ostküste gerockt haben,und brauchen ihn nicht. So läuft das mit der Bandsolidarität in der fränkischen Provinz. Lobenswert! Auch noch dabei: Garcon bleu, über die leider Nichts zu ergoogeln war. Deshalb einfach überraschen lassen, und auf die Qualität fränkischer Indiemucke vertrauen.

Und darauf, dass es hoffentlich niemanden vom Ordnungsamt interessiert, das mit der lauten Musik und dem Tanezn in der KTS in der Nacht auf Karfreitag.

Was: Neonkrieger EP-Release Party mit Superdog (F) & Sepia (CH)
Wann: Donnerstag, 13. April, 20 Uhr
Wo: Freiburg, Jazzhaus
Was: The Audience & Garcon Bleu
Wann: Donnerstag, 13.April, 21 Uhr steht im Programm, also wird es sicher 22:30 Uhr
Wo: KTS