Hess-Todestag: Wasserbomben-Party statt Neo-Nazi-Demo

Philip Hehn

Für den 17. August zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, der in der rechten Szene einen gewissen Ruf als "Märtyrer" besitzt, war von einem Twitternutzer für alle größeren deutschen Städte zu Flashmobs aufgerufen worden. In Freiburg sollte die Aktion auf dem Rathausplatz stattfinden.



Geplant war, dass die Teilnehmer ab 19:30 Uhr für drei Minuten regungslos auf dem Platz verharren sollten. Anschließend war vorgesehen, Heß’ Schlussworte vor dem Nürnberger Gerichtshof zu verlesen.


Die Aktion hatte sich offensichtlich auch herumgesprochen, allerdings hauptsächlich in der linken Szene. Die Polizei war mit einigen Beamten vertreten, auf dem Pflaster vor dem Rathaus waren antifaschistische Parolen aufgemalt worden. Einige Dutzend Gegendemonstranten waren anwesend, teilweise mit Fahnen der Linken und antifaschistischen Transparenten „bewaffnet“. Auch der Freiburger SPD-Abgeordnete Gernot Erler war dabei.



Für die Heß-Fans, die laut Choreographie minutenlang regungslos hätten verharren sollen, hatte eine Gruppe jüngere Demonstranten tütenweise Wasserbomben vorbereitet. Nachdem sich zehn nach halb abzeichnete, dass niemand als Teilnehmer an dem Heß-Mob erscheinen würde, wandten sich die Gegendemonstranten in Ermangelung des einigenden Feindes schließlich gegeneinander und bestätigten damit die Theorie von Aufrüstungsgegnern, dass Waffen Kriege nicht verhindern, sondern wahrscheinlicher machen.

Aus Sicht der Organisatoren dürfte der Heß-Mob in dieser Form ein Misserfolg gewesen sein, für Freiburg war es ein gelungener Abend.