Herr Voßkuhle, haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Aljoscha Harmsen

Jetzt ist es definitiv: Uni-Rektor Andreas Voßkuhle (44) hat die Wahl zum Vize-Präsidenten des Bundesverfassungerichts (BVerfG) angenommen. Die Uni muss nun die Suche nach einem neuen Rektor von vorne beginnen. fudder hat gefragt: Herr Voßkuhle, haben Sie ein schlechtes Gewissen?"



"Die Nominierung ist für mich die Gelegenheit, von einem schönen Amt in das schönste zu wechseln", erklärt der seit kaum vier Wochen amtierende Uni-Chef. "Von meiner Nominierung für das Amt des Vize-Präsidenten habe ich erst vor wenigen Tagen erfahren, vor Amtsantritt habe ich davon nichts gewusst."


Ein schlechtes Gewissen habe er nicht. "Ich kann gut verstehen, dass man enttäuscht ist, mich so früh wieder zu verabschieden, nachdem wir so viel machen wollten. Aber ich habe alles gegeben, um die Hoffnungen in mich zu erfüllen." Einen Augenblick habe er gezögert, "aber dieses Amt verlangt es einfach, es anzunehmen."

Seine Amtszeit als Rektor umfasst kaum vier Wochen, doch "der Kapitän wird das Schiff nicht verlassen, ohne den Kurs festgelegt zu haben", so Voßkuhle. Für die Universität hat er mit seinen drei Prorektoren ein 16-Punkte-Programm ausgearbeitet, das auch umgesetzt werde. Noch ist er aber nicht weg. Er wird bis zum 7. Mai im Amt bleiben. An dem Tag wird ihm die Ernennungsurkunde zum Vizepräsidenten des BVerfG übergeben.



"Neuwahlen wird es schon am 21. Juli geben", erklärt Pressesprecher Rudolf-Werner Dreier. In der Zwischenzeit wird Vize-Rektor Hans Jochen Schiewer kommissarisch das Rektoramt übernehmen. Voßkuhle ist für die Uni Freiburg aber nicht verloren; er wird seinen Lehrstuhl behalten, somit an der Uni präsent bleiben und vereinzelt Vorlesungen halten. "Das ist eine fantastische Gelegenheit: Studenten können weiterhin Vorlesungen von dem Mann hören, der in zwei Jahren automatisch Präsident des BVerfG ist", so Dreier.

Obwohl er kein schlechtes Gewissen habe, sei er ein bisschen traurig: "Die Uni liegt mir sehr am Herzen, deswegen bleibe ich auch in kleinem Rahmen tätig." Das Okay von seiner Frau hat er natürlich vorher eingeholt, da er alle großen Entscheidungen vorher mit ihr bespricht. Sie freue sich für ihn. Ob die Studenten der Albert-Ludwigs-Universität mit dem nächsten Rektor auch einen Grund zur Freude haben werden, hängt davon ab, was der neue Kapitän mit dem Kurs des alten anstellt.

Die Berufung nach Karlsruhe muss für Voßkuhle in der Tat überraschend gekommen sein. Noch Anfang April hatte der frisch in sein Amt eingeführte Rektor im fudder-Interview auf die Frage, was nach der Zeit als Rektor komme, gesagt:

"Darüber mache ich mir im Augenblick noch keine Gedanken. Fragen Sie mich in fünf Jahren, dann sage ich ihnen, wie es weiter geht. Ich habe jetzt diese sechs Jahre vor mir, da versuche ich, die Uni weiter nach vorne zu bringen und kurz vorher werde ich mir überlegen, wie es weiter geht."




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