Her mit dem Southside-Bändchen!

Dirk Philippi

Wenn heute in einer Woche das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck starten wird, dann sind Dirk und Caro für fudder vor Ort und werden vom Treiben rund um Zeltlümmeleien, Klohäuschen, Junk-Food-Exzessen und hoffentlich guten Auftritten von jedenfalls großartigen Bands berichten. Warum Dirk zum ersten Mal mit Bändchen ums Handgelenk auf ein größeres Festival gehen wird, erzählt er in seiner ganz persönlichen Vorschau.



Seit einigen Wochen sieht man sie wieder – überall. All die Wolfgang-Petry-Doubletten mit ihren vergilbten Armbändchen, die einen voller Stolz „Ich war dabei!“ anschreien und den Besuch von einem oder mehreren der angesagten Festivals bezeugen.


Ich will ehrlich sein: Bislang ging mir die Festival-Szenerie genau dort vorbei, wo bei besagten Großveranstaltungen normalerweise ein Dixieklo drumherum steht und stinkt. Mir war diese Art der gemeinsamen Konzert-Orgie jedenfalls stets zu groß, zu voll und zu vollgekotzt. Doch dieses Mal ist alles anders. Ich bin aufgeregt wie ein Kleinkind an Weihnachten und freu mich auf mein erstes Bändchen wie auf meinen ersten Kuss. Der Grund? Die Musik – so soll das doch auch sein.

Als ich das Lineup des diesjährigen Southside-Festivals gelesen habe, dann war klar, dass ich an diesen drei Tagen auch den Geburtstag meines Sohnes aussetzen würde, um dabei zu sein, wenn sie am Sonntagabend endlich vor meine Augen treten: die Beastie Boys!

Als ich damals mit 2500 anderen Rotzlöffel-Fans in Basel vor verschlossenen Türen stand und den abgefressenen DIN-A4-Zettel (Konzert muss wegen Krankheit ausfallen) las, da schwor ich mir, dass ich nicht ohne ein Konzert der B(oys) E(ntering) A(narchistic) S(tates) T(owards) I(nternal) E(xcellence) unter die Erde gehen werde. Die drei MCs aus New York waren dabei, als wir die sturmfreie Bude meines besten Freundes zerlegten, sie sangen, als wir unsere Abi-Zeugnisse in die Hände bekamen und sie rockten in der Kabine, als sich mein Eishockey-Team den Aufstieg sicherte. Adam Horovitz zierte mein erstes Snowboard und Adam Yauch grinst noch heute von einer meiner Baseball-Kappen. Und jetzt ist es endlich soweit, dieses Mal werde ich endlich bei Ihnen sein, dann, wenn die „(Hey) Ladies“ das Flughafengelände in Neuhausen ob Eck bezirzen.

Prinzipiell hätte ich die 109 Euro inklusive Parken, Campen und Müllpfand auch allein für diese beste, ehrlichste und faszinierendste aller kreativ-innovativen Hiphop-Funk-Hardcore-Inszenierungen bezahlt, aber als ob man sicher gehen wollte, dass nicht doch jemand irgendeinen Geburtstag, eine Betriebsfeier oder den Baggersee der neunten Auflage des Hurricane-Zwillings vorzieht, hat man noch dazu kräftig in der (Alb-)Traumkiste der Kinderphantasien gewühlt und Bands verpflichtet, die einem die Gefühlswelt auf „Buntwäsche - Schleudern“ einstellen werden.



So wird der Auftritt von Pearl Jam vielen Southside-Besuchern einen ähnlich lang ersehnten Traum erfüllen, zumindest aber der Karohemd-Fraktion meiner Abschlussklasse, deren „Alive“- und „Jeremy“-Hymnen noch heute in meinen Ohren klingen. Und wenn wir schon bei Gefühlen sind: Bei Marilyn Manson scheint es ja um mehr als nur Musik zu gehen. Irgendwas zwischen Artwork, Song, Live-Show und Selbstinszenierung - hört man so. Seit "Bowling For Columbine“ bin ich zumindest neugierig auf das Manson – erst recht nach den Worten einer meiner Freundinnen, die wirklich zu keiner Zeit unter dem Verdacht einer Manson-Liebelei stand: „Die neue Scheibe ist erschreckend gut für so einen Irren wie den!“

Und wenn mir das alles dann nach Sonic Youth, Placebo, Incubus, den Manic Street Preachers und den Fantas doch zu viel Vergangenheit-Duselei werden sollte, werde ich eben bei Bloc Party, den Fotos, Art Brut, Dendemann oder bei Me first and the Gimme Gimmes wieder ins hübsche Jetzt reisen, kann mich bei www.lautgegennazis.de tummeln oder im Zeltplatz-Grummel und Gerammel abtauchen -  alles aber um rechtzeitig am Sonntag gegen zehn Uhr zu schreien, wofür ich mir zum ersten Mal ein Bändchen gesichert habe: „You Gotta Fight For Your Right … To Paaarty!“



Mehr dazu:

Southside: Website & YouTube-Videos

Was: Southside Festival
Komplettes Line-Up:
Aereogramme  ·  Arcade Fire  ·  Art Brut  ·  Beastie Boys  ·  Biffy Clyro  ·  Bloc Party  ·  Blood Red Shoes  ·  Bright Eyes  ·  Bromheads Jacket  ·  Coca-Cola Soundwave Discovery Tour  ·  Cold War Kids  ·  Datarock  ·  Deichkind  ·  Dendemann  ·  Die Fantastischen Vier  ·  Dropkick Murphys  ·  Editors  ·  Five O'Clock Heroes  ·  Fotos  ·  Frank Black  ·  Hayseed Dixie  ·  Howling Bells  ·  Incubus  ·  Interpol  ·  Isis  ·  Jet  ·  Johnossi  ·  Juliette & The Licks  ·  Karpatenhund  ·  Kings Of Leon  ·  La Vela Puerca  ·  Less Than Jake  ·  Manic Street Preachers  ·  Marilyn Manson  ·  Me First and the Gimme Gimmes  ·  Modest Mouse  ·  Mogwai  ·  Mumm-Ra  ·  Mute Math  ·  Ohrbooten  ·  Pearl Jam  ·  Placebo  ·  Porcupine Tree  ·  Queens Of The Stone Age  ·  Satellite Party  ·  SchulzeMeierLehmann  ·  Snow Patrol  ·  Sonic Youth  ·  State Radio  ·  Studebaker's Blacksmith Shop  ·  Sugarplum Fairy  ·  Super 700  ·  The Blood Arm  ·  The Blood Brothers  ·  The Bravery  ·  The Films  ·  The Hold Steady  ·  The Rakes  ·  The Sounds  ·  Tokyo Police Club  ·  TOS  ·  Virginia Jetzt!
Wann: Freitag, 22. bis Sonntag, 24. Juni 2007
Wo: Neuhausen ob Eck (bei Tuttlingen)
Tickets: €109 (inklusive € 5-Müllpfand)
BZ-Tickethotline: 01805-55 66 56 (0,14 €/Min.)