Henrik Schwarz: Der Verfremder

David Weigend

Henrik Schwarz, 34, hat für das Berliner Label !k7 die neue Folge der vielbeachteten DJ-Kicks-Reihe kompiliert. Sie erscheint am 13. Oktober. Davor spielt Schwarz am kommenden Samstag, 30. September, bei Root down (Wir verlosen 2 mal 2 Karten). Mit Fudder spricht der Ravensburger über seine Verfremdungstechnik und den Versuch, einer Maschine Soul zu entlocken.



Herr Schwarz, Glückwunsch, Sie sind der neue Kicks-DJ.

Henrik Schwarz: Ich war durchaus überrascht und fühlte mich geehrt, als mich ein Vertreter von k7 angesprochen hat. Das war Ende April.

Mischen sich die k7-Menschen eigentlich ein, wenn es um die Songauswahl und eine grobe Richtung für die Kompilation geht?

Nein. Ich konnte machen, was ich will. Ausgesucht habe ich nicht die Tracks, die jetzt gerade heiß sind und vielleicht nächstes Jahr keinen mehr interessieren. Ich habe meine Plattensammlung durchforstet und Sachen herausgenommen, die für mich über die Jahre hinweg spannend geblieben sind. Stücke, die bei jedem Hören besser werden.

Eigentlich sind Sie ja Grafik-Designer.

Ja, diesen Beruf übe ich immer noch hauptsächlich aus. Der k7-Artdirector hat mir sogar erlaubt, das Cover fürs Album mitzugestalten.



Löblich. Und wie sind Sie beim Mixen vorgegangen?

Ich habe das Album komplett auf dem Computer gemixt, mit dem Programm Ableton Live. Mein Ziel war es, Sachen zusammenzudrehen, die man mit Vinyl gar nicht zusammendrehen könnte. Ich versuche, diese Maschine im musikalischen Sinne zu handhaben; ihr etwas zu entlocken, das man vielleicht auch einer Gitarre entlocken kann. Allerdings darf die Maschine den Soul nicht verschlucken.

Jetzt wird’s abstrakt. Würden Sie uns bitte nochmal Ihre Arbeitsschritte erklären?

Okay. Ich habe 23 Tracks, die ich vom Plattenspieler über ein Kabel in den Computer speise. Danach eröffnen sich mir unendlich viele Möglichkeiten. Beim herkömmlichen Mischpult sind die Möglichkeiten begrenzt. Lautstärke, Bass, Mitten und Höhen. Damit kann man schon eine Menge anstellen. Mit dem Rechner jedoch kannst du die Tonhöhe verändern, ohne die Geschwindigkeit zu verändern und umgekehrt. Du kannst filtern, Effekte drauftun, rausschneiden, loopen. All dies kann sehr musikalisch sein. Beschleunigung, Bremsen, die Kombination alter Nummern mit eigenen Beats.

Nehmen wir ein Beispiel. Sie haben auf der Kicks-Kompilation einen Song von James Brown, “Since you’ve been gone.”

Genau. Im ersten Schritt mache ich Herrn Brown von seiner Geschwindigkeit unabhängig. So kann ich ihn theoretisch mit allem mixen, was da so rumliegt. Das ist bei Platten nicht möglich. Im zweiten Schritt habe ich da ne extra Bassdrum draufgepackt, damit es ein bisschen mehr in Richtung Club geht. Dann kam da eine Extra-Hi Hat drauf und mehr Hall. An manchen Stellen noch ein Echo. Hier und da Filter.



Legen Sie überhaupt noch Platten auf?

Nein, nur noch mit Computer. Ich spiele meist eigene Sachen, weil ich die in ihren Einzelteilen habe. Jede einzelne Spur, jeder einzelne Sound liegt auf meinem Rechner. Ich verfremde die stücke live noch viel stärker als auf dem Kicksalbum.

Wie gefällt Ihnen der sogenannte Minimalsound, der zur Zeit in vielen Clubs angesagt ist?

Bei mir funktioniert das oft nicht. Für mich ist das eher Drogenmusik. Wenn man sich was eingeschmissen hat, knallt so ein kleiner Sound vermutlich ordentlich rein. Natürlich gibt’s auch phänomenale Minimalplatten. Da streue ich gern mal eine ein. Aber Leute, die so was zwei Stunden lang spielen, langweilen mich zu Tode.

Danke. Wir freuen uns auf Ihr Set bei Root down.

Ich auch. Den Rainer (Trüby) habe ich noch nie getroffen. Bin schon sehr gespannt. Er ist immerhin eine Ikone. Seine Scheiben habe ich früher gekauft. Sie haben bei mir eine Spur hinterlassen. Insofern sehe ich es als großes Geschenk, bei Root down zu den Wurzeln gehen zu dürfen.

Mehr dazu:

Was: Root down mit Henrik Schwarz und Rainer Trüby
Wann: Samstag, 30. September, 22 Uhr
Wo: Waldsee

fudder verlost 2 mal 2 Eintrittskarten. Es gilt folgende Frage zu beantworten: Henrik Schwarz hat auf seinem Kicks-Album einen Song eines bekannten Soulsängers gemixt. Wie heißt dieser Sänger? Antwort an info@fudder.de