Heiße Mulde

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wozu elektrische Kochplatten diese kleine Vertiefung in der Mitte haben? An so manchem Herd in so mancher Küche ist, für den ein oder anderen Studenten sicherlich überraschend, nicht nur ein Backofen zum Fertigpizzaerwärmen. Sondern oben drauf befinden sich zwischen drei und vier Stellen, auf denen man auch in Töpfen etwas erhitzen kann. Bei älteren Elektroherden haben diese Platten in der Mitte eine kleine fragwürdige Mulde.

Um den Grund der Mulde zu ergründen, muss man tiefer schauen: Unter der Heizplatte befindet sich das eigentliche Heizelement. Das sind Metallspulen, die mit elektrischem Strom zum Glühen gebracht werden. Und deren Wärme wird, überwiegend direkt via Wärmeleitung, auf die Kochplatte und von da auf den Topfboden weitergeleitet. Doch die Erwärmung der Herdplatte erfolgt nicht ganz gleichmäßig.


Im Inneren des Kreises ist es heißer als am Rand der Platte. Und bei der hitzebedingten Ausdehnung des gusseisernen Feldes könnte es dazu kommen, dass sich die Herdplatte in der Mitte nach oben wölbt. Dann finge allerdings der Topf an zu kippeln, und die Wärmezufuhr an das Essen wäre nicht mehr sehr effektiv. Nur wenn Kochplatte und Topfboden plan aufeinanderstehen, wird die Energie gut übertragen. Deshalb gibt es diese kleine Vertiefung – unter der auch weniger Heizschlangen sind – die sich gegebenenfalls ein bisschen wölben kann.

Bei Glaskeramikkochfeldern (das Wort „Ceran” ist eine geschützte Wortmarke der Firma Schott; dessen Benutzung hier wäre Schleichwerbung) ist diese Art des Dehnungsausgleiches nicht nötig. Zum einen ist dieses Glas speziell zu dem Zweck entwickelt, sich bei hohen Temperaturen nicht auszudehnen. Zum anderen wird die Wärme bei diesen moderneren Kochfeldern eher durch Wärmestrahlung als direkte Wärmeleitung übertragen. Und weil die Glaskeramik Wärme eher schlecht leitet, ist das Glas in der Nähe der rotglühenden Stelle auch nicht sonderlich heiß.