Heimweg-Apps wollen Dein Sicherheitsgefühl verbessern

Carolin Buchheim

Vor allem Frauen finden es oft unangenehm, abends allein unterwegs zu sein. Begleit-Apps fürs Smartphone wollen die Heimwegsituation angenehmer machen und das Sicherheitsgefühl erhöhen. Wir haben drei von ihnen getestet.

Wenn Nina (Name von der Redaktion geändert) nach Hause geht, gehen seit ein paar Wochen ihre Freundinnen immer mit – zumindest virtuell. "Wir haben uns nach den Morden in Freiburg und Endingen die Kommgutheim-App heruntergeladen", sagt die 32-jährige Freiburgerin. Zuvor hatte ihre Mädels-Clique die gemeinsame Whatsapp-Gruppe genutzt, in der jede nach gemeinsamen Treffen Bescheid gesagt hat, wenn sie Zuhause war. "Aber irgendwer hat das dann immer vergessen, und dann haben wir uns Sorgen gemacht."


Apps, die Sicherheit vermitteln sollen

Kommgutheimist eine von mehreren Heimweg-Apps auf dem Markt, die Frauen, aber auch alten Menschen und Kindern ein Gefühl von mehr Sicherheit im Alltag geben wollen. Die Apps unterscheiden sich in Feinheiten, das Grundkonzept ist jedoch gleich: Die App registriert den GPS-Standort der Nutzerin und übermittelt ihn an vorher ausgewählte Freundinnen oder Freunde. Sie können dann live auf einer Karte verfolgen können, wo die Nutzerin sich befindet. Am Zielort angekommen versendet die App entweder automatisch oder nach Tastendruck durch die Nutzerin eine Nachricht, dass sie gut angekommen ist.

Bei Kommgutheim erinnert die App die Nutzerin nach einer Weile Inaktivität und bittet um den Hinweis, ob sie schon angekommen ist. "Das ist besser als in der Whatsapp-Gruppe", meint Nina. "Die App erinnert einen daran, und mit einem Tastendruck erhalten alle sofort die Nachricht als Push-Mitteilung." Einen Telefonnotruf kann über Kommgutheim nur absetzen, wer ein Abo abschließt – das kostet 1,99 Euro im Monat.

Companion war die erste Heimweg-App auf dem Markt. Ursprüngliche Zielgruppe waren Studierende an amerikanischen Hochschulcampussen; jetzt ist die kostenfreie App weltweit nutzbar und für iOS und Android erhältlich. Ein Pluspunkt ist, dass Begleiter die App nicht herunterladen müssen, sondern per SMS informiert werden, dass ein Nutzer unterwegs ist.

Die App in englischer Sprache überzeugt mit ihrer klaren Optik. Über eine Notfalltaste kann mit zweimal Drücken aufs Display der Notruf betätigt und 110 angerufen werden kann. Im Test war die GPS-Ermittlung aber etwas ungenau.

Wayguard bietet Kontakt zu einem Callcenter

Wayguard ist eine Entwicklung der Versicherungsgruppe Axa, auch die Präventionseinheit der Polizei Köln ist bei der App an Bord. Die App bietet nicht nur die Begleitung durch eigene Freunde: Nutzerinnen und Nutzer können über die App jederzeit ein Callcenter erreichen, um sich während des Heimwegs mit einem echten Menschen zu unterhalten – eine attraktive Zusatzfunktion. Sie entspricht dem "Heimweg-Telefon", einem ursprünglich in Stockholm etablierten Polizeiangebot.

Einen Nachteil haben alle Heimweg-Apps: Sie funktionieren nur, wenn man GPS-Empfang hat – an Angstorten wie in Parkhäusern oder der U-Bahn ist das oft nicht der Fall. Außerdem sollte der WLAN-Empfang eingeschaltet sein, um die Genauigkeit der Ortung zu erhöhen. Zudem verbraucht die GPS-Ortung reichlich Akku. Und schließlich wollen die Anbieter der Apps wertvolle Informationen über ihre Nutzer: Alle fordern Zugriff auf die Kontakte und auf die GPS-Daten. Nina findet das nicht schlimm: "Meine Geodaten werden ja nur aufgezeichnet, wenn ich die App aktiv nutze und mich bewusst dafür entscheide."

Auch mit App muss man aufmerksam bleiben

Polizeihauptkommissar Frank Stratz ist bei der Polizei Freiburg Fachmann für Gewaltprävention. Er hält die Heimweg-Apps grundsätzlich für eine gute Sache. "Diese Apps können das Sicherheitsgefühl deutlich erhöhen", sagt er. Stratz warnt allerdings davor, sich nur auf die Apps zu verlassen. "Wie man heimkommt, das sollte man immer planen."

Er findet es besonders wichtig, dass Frauen und Männer nachts mit allen Sinnen unterwegs sind. "Man sollte also auf keinen Fall nur noch auf das Handydisplay schauen." Auch von Kopfhörern auf dem Heimweg rät er ab. "Nur so kann man mitbekommen, wenn eine Situation sich zum negativen verändert."

Die Fudder-Empfehlung

Companion punktet im App-Check, weil Begleiter die App nicht herunterladen müssen. Unser Favorit ist trotzdem Wayguard: Die App ist kostenfrei für iOS und Android erhältlich, komplett auf deutsch und bietet sowohl Begleitung durch Freunde als auch einen integrierten Telefonservice. Auch Polizist Frank Stratz lobt Wayguard: Er findet es gut, dass es in der App Verhaltenstipps der Polizei Köln gibt.
Wer direkt mit jemandem sprechen will, kann auch das Berliner Heimwegtelefon anrufen. Unter der Rufnummer Tel. 030/12074182 können Frauen donnerstags von 20 bis 24 Uhr, Freitag- und Samstagnacht und vor Feiertagen zwischen 22 und 4 Uhr mit Mitarbeiterinnen der Hotline telefonieren. "Uns ist es wichtig, das mulmige Gefühl auf dem Heimweg zu bekämpfen", sagt Frances Berger, eine der Gründerinnen. "Es geht darum, dass man sich nicht alleine fühlt und jemanden an der Leitung hat, der einem die Angst nimmt und Sicherheit gibt."