Heimliche Verwandte in Brisbane

Lilian Kaliner

Bevor Lilian ein Jahr nach Australien geht, hat sie jetzt erst mal den Rucksack-Test gemacht und ist für zwei Wochen zur Tante nach England geflogen - und dort stellte sich heraus, dass Verwandte von ihr schon lange nach Australien ausgewandert sind. Zufälle gibt's:



Blöd nur, dass ich ein paar Tage vor dem Abflug höllische Zahnschmerzen bekommen und einen Tag vor Abflug noch einen Besuch bim Kieferchirurgen hatte. Donnerstagmorgen hatte ich eine gigantische Hamsterbacke und gab mit meinem großen Rucksack und dem schiefen Schweppes-Lächeln bestimmt ein gutes Bild ab.


Meine Probereise begann also unter erschwerten Bedingungen und als mein HLX-Billigflieger (muss ja für Australien sparen!) auch noch von einer feierwütigen Schulklasse auf Klassenfahrt gebucht worden war, erkannte ich: Das war nicht mein Tag. Da einige aus der Klasse offensichtlich noch nie geflogen waren wurde jede Einzelheit des Fluges grölend kommentiert und zudem die Stewardessen angebaggert.

Diese hatten mir mitfühlend eine Spucktüte mit Eiswürfeln gefüllt und so saß ich die eineinhalb Stunden Flug nach Manchster eine Spucktüte in mein Gesicht drückend da und hörte den Ausführungen meiner Nachbarin zu, die sich aufregte weil der Zoll die drei Kilo gefrorene Wurst in ihrer Tasche gefunden hatte.

Als ich endlich auf dem abgelegenen Landsitz der Familie angekommen war gab es für mich aber die Australien-Überraschung schlecht weg: ICH HABE VERWANDTE IN DOWN UNDER!!! Tja, hab' ich da blöd geschaut. Meine Tante hatte es selber erst am Morgen erfahren und es natürlich auch fuer eine göttliche Fuegung gehalten. Die Familienverhältnisse sind etwas kompliziert und genau genommen ist mein Familienzweig auch nur angeheiratet, aber ich versuche es mal: Die Mutter meines Onkels (gebürtiger Englaender) hat eine Schwester, die seit einigen Jahren verstorben ist.

Diese wiederdum hatte einen Sohn, der irgendwann beschloss nach Australien zu gehen. Das wusste meine Tante aber nicht, da Leute die nach Australien gehen wohl irgendwie aus dem Stammbaum gestrichen werden. Na auf jeden Fall tauchte eben dieser Mann nun überraschend bei der Mutter meines Onkels auf. Im Anhang hatte er seine Frau und seine drei Kinder, alle in den 20ern, und deren Partner. Eine richtige Sippe eben, die gerade eine Europareise macht. Die wohnen tatsächlich auch noch in Brisbane, wo Patrick und ich unsere Reise beginnen. Inzwischen habe ich sie kennen gelernt und natürlich gleich Adresse und Telefonnummer bekommen. Zufälle gibt's.