HDR-Fotos - ein Tutorial in digitaler Fotografie

Markus Berger

DSLR, JPG, WB, CCD, SSS, HDR, ... von Abkürzungen dieser Art wimmelt es nur so im Dschungel der digitalen Fotografie. Aus diesem Grund wendet sich dieser Workshop an alle, die entweder wissen wollen, was HDR heißt beziehungsweise an diejenigen unter euch, die ihren Freunden immer schon mal Fotos zeigen wollten, gegen die konventionelle Bilder ganz schön "alt" aussehen.

Was sind HDR-Fotos?
HDR kommt aus dem Englischen und steht für High Dynamic Range: Fotos dieser Art zeichnen sich vor allem durch ihren hohen Kontrastumfang aus, womit gemeint ist, dass selbst in den sehr dunklen und hellen Teilen des Bildes viele Details vorhanden sind.

Wem diese Beschreibung jetzt zu sehr nach technischem "Nerd-Talk" klingt, dem wird an dieser Stelle geraten, einen Blick in die Galerie bzw. auf das Beispielfoto werfen, da dadurch schnell klar wird, wie eindrucksvoll und surreal HDR-Fotos durch ihren fast schon impressionistischen Charakter aussehen.

 
Was brauche ich?
Um selber in die Welt der HDRs einzutauchen, benötigt man folgende Dinge:

  • Digitale Kamera (Belichtung manuell einstellbar)
  • Stativ
Wichtig ist, dass man an der Kamera die Belichtung manuell einstellen kann. Hierfür ist keine digitale Spiegelreflexkamera von Nöten, denn viele kompakte Digicams bieten diese Option ebenfalls an - ein Blick in die Bedienungsanleitung sollte genügen, um sich die Vorgehensweise bei dem jeweiligen Modell zu verdeutlichen.

Step-by-step Workshop

Nach dem Download und der Installation der kostenlosen Testversion des HDR-Tools Photomatix geht es erst mal Raus an die frische Luft! Zu HDR-Testzwecken kann auch der heimische Garten oder der Blick aus dem Fenster herhalten, wobei man beachten sollte, sich bewusst eine Szene auszusuchen, in der beispielsweise ein Teil des Bildes im Schatten liegt und ein anderer direkt von der Sonne angestrahlt wird.

Nun muss die Digitalkamera nur noch auf ein Stativ montiert, oder auf jeden anderen festen Untergrund platziert werden und dann kann es losgehen: da nun drei Fotos derselben Szene gemacht werden, muss darauf geachtet werden, dass der Bildausschnitt nicht geändert wird - warum, wird später noch deutlich.

Bietet die Kamera die Option an, mit EVs (Exposure Value) zu arbeiten, sollte das erste Foto um 2 EV-Stufen unterbelichtet (-2 EV) werden. Kann dies an der Kamera nicht eingestellt werden, erzielt man das gleiche Resultat, indem einfach im manuellen Modus eine zu kurze Verschlusszeit gewählt wird. Das zweite Bild wird nun normal belichtet und das dritte wiederum überbelichtet (+2 EV oder zu lange Verschlusszeit) - bei der Szene aus diesem Workshop sehen die Resultate so aus:

Unterbelichtet
 
Normale Belichtung


 Überbelichtet


Anhand dieser Beispielbilder wird bereits langsam klar, was mit erhöhten Kontrastumfang gemeint ist: das konventionelle, normal belichtete Foto in der Mitte zeigt in der linken Bildhälfte ein von der Mittagssonne angestrahltes Haus. Obwohl es eine kräftige gelbe Farbe besitzt, lässt sich dies nur erahnen. In der linken Bildhälfte sieht es genau entgegengesetzt aus, da die Bereiche im Schatten kaum noch Details enthalten.

Nach der Übertragung der Fotos auf den PC kommt Photomatix ins Spiel. Nach dem Öffnen des Programms erscheint ein Fenster, das kurz erklärt, wie das Programm zu bedienen ist. Der erste Eindruck täuscht dabei nicht, dass es nicht schwierig ist, ein HDR-Foto zu erstellen.



Nach dem klicken von "Close" wählt man in der Menüleiste "HDR" and und klickt auf "Generate":



Jetzt öffnet sich ein neues Fenster, indem einfach auf "Browse" geklickt wird



und im nächsten Schritt die drei unterschiedlich belichteten Fotos ausgewählt werden (STRG-Taste, dann auf jedes Foto mit gedrückter Taste klicken).



Photomatix legt nun automatisch diese drei Fotos übereinander. Nach einer kurzen Wartezeit erscheint ein Bild auf dem Monitor, dass noch nicht sonderlich ansehnlich aussieht, was daran liegt, dass ein normaler Conputerbildschirm keine HDR-Fotos darstellen kann.

Abhilfe schafft ein weiterer Klick im Programm: aus der Menüleiste wird erneut "HDR" ausgewählt und dann auf "Tone Mapping" geklickt, ein Verfahren, in dem der Kontrastumfang eines HDR-Fotos sichtbar gemacht wird:



Wenn alles richtig gemacht wurde, sollte der erste Freudenschrei der Entzückung nun kommen, denn das fast fertige HDR-Foto wird erstmals angezeigt. An der linken Seite können noch Details eingestellt werden, doch in den meisten Fällen, müssen keine weiteren Einstellungen mehr vorgenommen werden.



Nachdem auf "OK" geklickt wurde, speichert man das Bild noch ab, und kann es sich nun in seiner ganzen Pracht ansehen!

Der Vergleich des konventionellen Fotos und des HDRs zeigt nun die Vorteile dieses Verfahrens:



Es ist ein Foto entstanden, dass, je nach Motiv, wie gemalt aussieht, da in allen Teilen des Bildes (auch in den dunklen und hellen!) jede Menge Details zu sehen sind: der Himmel ist tiefblau, das Haus auf der linken Seite erstrahlt in einem sonnigen Gelb und selbst auf der rechten, schattigen Bildhälfte ist die Farbe des Autos klar zu erkennen.

Obwohl der Blick aus dem Fenster oder das Haus des Nachbarn ganz nett sein mögen, steht nach diesem Workshop der Suche nach schönen Motiven und deren Umsetzung in HDR nichts mehr im Wege - viel Spaß beim Fotografieren!

Profi-Tipp
Auf Reisen und keine Lust ein Stativ mitzuschleppen? HDR-Fotos sind trotzdem möglich, einfach die Fotos im RAW-Modus aufnehmen und in einem RAW-Konverter drei JPGs erstellen (-2 EV, 0 EV, +2 EV) und nach dem hier beschriebenen Verfahren mit Photomatix bearbeiten - fertig ist das HDR-Foto aus nur einer RAW-Datei!

Links
- Freiburger HDR-Beispiele im Großformat auf Markus-Berger.de
- Tausende von HDR-Fotos bei Flickr
- Grundlagenartikel zur Belichtung