Hazel Brugger, haben Männer und Frauen unterschiedlichen Humor?

Anika Maldacker

Ist es für Frauen schwieriger, lustig zu sein? Wir haben eine Fachfrau gefragt: Hazel Brugger aus Zürich ist mit 23 Jahren ein Shooting-Star der Comedy- und Slam-Szene.

Müssen Frauen sich mehr anstrengen als Männer, um lustig zu sein?

Hazel Brugger: Ich hab viele weibliche Freundinnen, die nicht so lustig sind, wie meine männlichen Freunde. Ich glaube, dass Humor viel mit Mut zu tun hat. Mut hat ein bisschen mit Dummheit zu tun. Wenn man eine Situation mit Humor bestückt, ruiniert man sie potentiell. Oder man wertet sie auf, indem man sie spaßiger gestaltet. Ich glaube, es ist was Männliches, eine Gruppe beeindrucken zu wollen. Das wird schon den Kindern antrainiert: Wenn die Jungs lustig sind, sind sie lustig. Die Mädchen sollen dann nicht so bitchy sein.

Spielt es bei Dir eine Rolle, wie lustig Frauen und Männer sind?

Eigentlich spielt es nicht so eine große Rolle. Aber ich kriege viele Kommentare. Entweder: "Das will ich mir nicht anschauen, weil es eine Frau ist." Oder: "Ach, für eine Frau ist das wirklich lustig." Man redet aber immer darüber. Eigentlich interessiert mich das gar nicht. Ich würde am liebsten gar nicht drüber reden. Das ist, wie wenn man sagt: "Hey krass, da ist ein Schwarzer, der joggt. Was geht mit dem ab?"

Hast Du männlichen Humor?

Es gibt keinen männlichen und weiblichen Humor. Wenn es den gäbe, könnte er sich fortpflanzen und das kann er aber nicht.

Video: Hazel Brugger Anfang April in der ZDF-Sendung "Die Anstalt"

Gab es schon Situationen, in denen Du es als negativ empfunden hast, eine Frau zu sein?

Es ist immer negativ eine Frau zu sein, außer wenn es positiv ist, eine zu sein. Das Problem bei Sexismus ist ja auch, dass es Frauen gibt, die ihn für sich nutzen. Da gehöre ich auch zum Teil dazu. Es hilft mir auch, eine Frau zu sein. Zum Beispiel, wenn ich in eine Sendung eingeladen werde, weil dann kein böser Brief kommt. Ich versuche, mich aber nicht als Frau zu sehen.

Warst Du schon immer auf diese trockene Art witzig?

Ich bin halt so. Für mich ist es am einfachsten, so zu bleiben, wie ich bin. Ich könnte auch eine Rolle spielen. Auf eine gewisse Art tue ich das natürlich, denn ich bin nicht immer so. Wenn ich mit Freunden eine lustige Zeit habe, dann lache ich mich über dumme Sachen kaputt. Aber ich finde es komisch, wenn man die anderen zum Lachen bringt und dann selber lacht. Das ist wie wenn du beim Arztbesuch die Hose ausziehen musst und der Arzt das gleiche tut. Es braucht ja eine Hierarchie. Mein Beruf ist es, die Leute zum Lachen zu bringen. Und ich höre meine Witze nicht zum ersten Mal.

Es ist interessant, dass Du das explizit Arbeit nennst. Bei Comedy denkt man immer an Spaß ohne Ende.

Die Arbeit ist halt das Hinfahren, Interviews führen. Das auf der Bühne ist das Kleinste. Manchmal ist es weniger Arbeit und manchmal mehr, weil ich auf der Bühne auch Insiderwitze mache, die ich in dem Moment nur für mich mache und die nur ich lustig finde. Damit will ich mir diesen Job frisch halten.

Wie reagiert das Publikum?

Im schlimmsten Fall reagieren sie gar nicht. Meistens reagieren sie geschockt, weil ich immer versuche, etwas möglichst Krasses zu sagen.

Was sagst Du dann?

Zum Beispiel: "Ein Rutschenpark ist der einzige Ort, an dem es legal ist, dass man Eintritt zahlt und am Abend haben einem zehn verschiedene Sechsjährige in den Mund gepinkelt." Das finde ich lustig, dem Publikum war es zu krass. Ich spreche gerne Tabuthemen an, bei denen die Leute eine Eigenleistung vollbringen müssen, um das moralisch einzuordnen oder zu erkennen, dass man es nicht moralisch einordnen muss. Ich finde, man muss vieles gar nicht moralisch einordnen. Wenn man was lustig findet, findet man es lustig. Und wenn nicht, dann nicht. Das sagt nichts darüber aus, ob man ein guter Mensch ist oder nicht.

Bringt dich so ein Moment, in dem das Publikum gar nicht reagiert, aus der Fassung?

Wenn es Bestandteil meines Programms ist und die Leute nicht so reagieren, wie sie sonst reagieren, dann verunsichert mich das schon. Aber das wird mit der Zeit besser. Bei einem der ersten Auftritte wäre das schlimm. Wenn man mehr Erfahrung hat, dann kann man das besser einschätzen.

Wer sind deine Vorbilder?

Der amerikanische Comedian Louis C.K., Gabriel Vetter, mein Lieblingsauftretender, ein Schweizer Slam-Poet, Kolumnist und jetzt auch Stand-Up-Comedian, was ich sehr begrüße. Ich finde auch Meryl Streep sehr krass, weil sie einfach nie etwas vermasselt.

Was macht dir mehr Spaß: Auf der Bühne stehen oder vor der Fernsehkamera?

Auf der Bühne macht mehr Spaß. Aber das Gesamtprodukt im Fernsehen ist auch toll. Es interessiert mich auch, beim Schneiden dabei zu sein. Das Auftreten ist schon super. Wenn das keinen Spaß machen würde, ergäbe es überhaupt keinen Sinn, das zu machen. Für 200 Leute nach Freiburg zu fahren, bedeutet für mich mehr Aufwand als irgendwo für vier Millionen Leute zu drehen.
Die 1993 in Kalifornien geborene Zürcherin Hazel Brugger ist Comedian, Poetry-Slammerin, Kabarettistin und Journalistin. Das Branchenmagazin "Schweizer Journalist" kürte sie 2015 zur Nachwuchsjournalistin des Jahres, 2017 bekam sie den Deutschen Kleinkunstpreis, den Salzburger Stier und den Bayerischen Kabarettpreis. Seit 2016 ist sie Außenreporterin der "Heute-Show" im ZDF.