Hausbesetzung in Herdern

Markus Hofmann

60 bis 80 junge Menschen haben am Donnerstagabend ein leerstehendes Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße besetzt. Zuvor hatte ein Mensch in einem Affenkostüm bei der Vollversammlung der Studenten der Uni Freiburg zu der Besetzung aufgerufen.

Bei dem besetzten Haus handelt es sich um ein zweigeschössiges Gebäude mit Dachstuhl in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 30. Im April hatte die Freiraumkampagne "Plätze.Häuser.Alles" das ebenfalls leerstehende Anwesen mit der Nummer 36 in der Johann-Sebastian-Bach-Straße besetzt. Die Polizei hatte die Besetzung damals nach vier Tagen beendet (fudder-Bericht und Foto-Galerie). Die leerstehenden Häuser sollen im Herbst abgerissen werden und Neubauten weichen (siehe BZ-Bericht).


Gegen 23 Uhr halten sich noch mehr als 50 junge Leute vor dem besetzten Haus auf. Es wird musiziert, Kerzen und Teelichter brennen. An der Hausfassade ist ein Transparent befestigt worden: "Besetzt - freies Wohnen für alle". Der Zufahrtsweg zum Haus ist durch Absperrgitter verbarrikadiert worden. 30 Meter vor der Barrikade beobachtet eine Polizeistreife die friedliche Szenerie.

Die Besetzung in Herdern hat gegen 19.30 Uhr begonnen. Wie mehrere der Hausbesetzer übereinstimmend berichten, wurde während der Vollversammlung der Studierenden der Uni Freiburg am heutigen Donnerstagabend im Audimax zur Besetzung aufgerufen. Eine Person in einem Affenkostüm habe den Audimax betreten und Flyer verteilt. Diesem Aufruf seien etwa 50 Studierende gefolgt.

Darunter ist auch ein Student, der sich mit dem Namen Florian vorstellt. Der 23-Jährige studiert Islamwissenschaften und VWL und wohnt gegenwärtig in der Notunterkunft des Studentenwerks in der Stusie im Matratzenlager. Ein anderer junger Mann, er nennt sich Tom, ist ebenfalls 23 Jahre alt und nach eigenen Angaben momentan obdachlos: "Ich finde keine Wohnung, weil ich mir die Miete nicht leisten kann."

Das besetzte Haus, das bald abgerissen werden soll, befindet sich in einem desolaten Zustand. Es gibt weder Wasser noch Licht, die sanitären Einrichtungen sind zerstört worden - einschließlich der Toiletten. Ziel sei es, so einer der Besetzer, den Abriss des Hauses zu verhindern und das Gebäude als Wohnraum zu nutzen.