Hausbesetzung in Haslach: Der Tag danach

Sebastian Klaus

Vierzig Menschen haben in der Nacht im Haus an der Freiligrathstraße 99 besetzt. Es gab laute Musik, viel Essen und ein Lagerfeuer. Und kurze Zeit später einen Polizeieinsatz. Die Besetzer wurden so lange festgehalten, bis ihre Personalien aufgenommen wurden. Die Anwohner allerdings bekamen von der Aktion kaum etwas mit.


Nachbar
Dietmar Englert (Bild rechts) war total überrascht, als ein Anwohner ihm am nächsten Morgen von der Besetzung mit anschließender Räumung erzählte: „Ich habe geschlafen, wie ein Stein. Von dem Lärm habe ich absolut nichts mitbekommen.“

Ein älterer Mann, aus einem der Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite, weiß dagegen genaueres: „Ich habe noch gelesen, so gegen 23 Uhr, als auf einmal der Krach anfing. Eine Frau hat unglaublich laut geschrien. Das ging so bis gegen Mitternacht.“ Maler Heinz Bürgi (Bild links) arbeitet in der Nähe des besagten Hauses: „Ich parke mein Auto immer vor der Nummer 99, damit das Haus bewohnt aussieht. Schließlich steht es schon eine ganze Weile leer. So wollte ich eigentlich verhindern, dass jemand ins Haus eindringt. Hat leider nicht geklappt.“

Von der kurzfristigen Besetzung selbst ist am Tag danach nicht mehr viel zu sehen. Türen und Fenster wurden noch in der Nacht von einem Mitarbeiter der Stadtbau verschlossen. Nur noch zwei Isomatten im Garten, eine leere Reisschale vor dem Hauseingang und kalte Aschereste, als letzte Überreste des Lagerfeuers, zeugen von den Vorkommnissen der Nacht.

Auch die polizeiliche Bilanz des Abends fällt einigermaßen unspektakulär aus. Polizeipressesprecher Ulrich Brecht teilte mit, dass die Personalien von 22 Personen festgestellt wurden und "drei bis vier" der Besetzer fotografiert worden sein. Erkennungsdienstlich sei keiner der Besetzer behandelt worden. "Es wird höchstwahrscheinlich zwei Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und zwei wegen Beleidigungen geben", sagte Brecht.

Die Besetzung ist laut Blogposting des Linksradikalen Bündnis Kontrollverlust Teil derAktionstage "Wir haben in der Nacht auf den…", die bis Sonntag andauern sollen sowie Teil der sogenannten Freiraumkampagne 'Plätze. Häuser. Alles.'
Geplant sind unter anderem mehrere Veranstaltungen mit Demonstrationscharakter, so heute ab 18 Uhr die 'Wohnraum-Polit-Rad-Ralley', die vor dem Stadttheater startet und am Samstag der "Kundgebungsmarathon" mit den geplanten Demonstrationsorten Adlerstraße, Rathausplatz und Revier Nord sowie einer Volksküche auf dem Platz der Weißen Rose.

Die Polizei zeigte sich gelassen. "Wir müssen uns auf alles vorbereiten, und wir sind auch - wie man gestern abend sehen konnte - auf diese Begenung vorbereitet", sagte Ulrich Brecht. "Wie sich gezeigt hat, geht unser grundsätzlich deeskalierendes Verhalten auf. Es gab - bis auf ein paar Beleidigungen keinen Trouble."

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