Hausbesetzung an der Neuen Messe

David Weigend

Heute Nacht haben 25 bis 30 Menschen aus der linksautonomen Szene das alte Flugplatzgebäude an der Neuen Messe (Hermann-Mitsch-Straße / Emmy-Noether-Straße) besetzt. Hausverwalter und Polizei haben den Besetzern eine Frist mitgeteilt, nach der sie das Gebäude heute früh um 9 Uhr verlassen sollten. Gegen 14 Uhr hätten die Okkupanten das Haus friedlich geräumt, so ein Pressesprecher der Polizei.



Bei den Besetzern handelt es sich um "Studierende, Arbeitende, Arbeitslose, Punx, Autonome und WiderständlerInnen aller Horizonte", wie es in einer heute früh veröffentlichten Presseerklärung heißt. Ziel der Besetzung sei es, Räumlichkeiten zurück zu erobern, die zwecks Spekulation gewollt leer stehen. Die "Rückeroberung" begann gestern Nacht um etwa 23.30 Uhr, als rund 30 Menschen den einstöckigen, im Besitz der Stadt stehenden Flachbau an der Neuen Messe besetzten.




Ein Augenzeuge berichtet, dass er gegen 0.30 Uhr ins Gebäude gegangen sei. "Die ganze Nacht über lief eine Party. Es gab eine Anlage, man hörte Musik von Punk bis Ragga." Am Morgen habe der Partybesucher das besetzte Haus aber verlassen.



 Ein anderer Symphatisant der Szene sitzt auf dem Radweg auf der gegenüberliegenden Seite des besetzten Hauses. Er hat es sich mit etwa zehn Gesinnungsgenossen bequem gemacht. "Diese Hausbesetzung soll auf drei Dinge aufmerksam machen", sagt er.
"Die seit dem fünften Februar laufende Vertreibung der Straßenpunks von ihrem angestammten Gelände; der heute publik gewordene neue Mietspiegel, der deutlich höhere Mieten nach sich ziehen wird; letztlich der gescheiterte Boykott der Studiengebühren." Die Polizei habe den Symphatisanten der Hausbesetzer verboten, die andere Straßenseite zu betreten.



"Wir hoffen, dass wir das Gebäude nutzen können, es muss ja nicht weitere vier Jahre leer stehen", sagen die Radweghocker. Der plakatbeworbene Arbeitstitel der Besetzung, "Autonome Uni-Freiburg", wird zumindest schon einmal durch den Dunst einer Kräuterzigarette betrachtet.



12.45 Uhr. Etwa hundert Meter vor dem verbarrikadierten Gebäude stehen einige Polizisten sowie zwei Männer, die offenbar das Grundstück verwalten. "Wir haben denen angeboten, dass sie das Grundstück verlassen sollen. Vor vier Stunden ist die Frist abgelaufen", heißt es seitens eines Gebäudeverwalters. Ob es nun zu einer Zwangsräumung komme? "Das würde ich so nicht sagen", gibt sich der Mann mit der Motorradlederjacke bedeckt. Währenddessen genießen zwei der Besetzer die milde Februarsonne auf dem Dach des Hauses. Sie haben eine weiße Puppe am Kamin befestigt. Als einige Symphatisanten mit Sonnenschirm vorbei schlendern, ertönt vom Dach eine Trillerpfeiffe, man ruft "Aufstand!"



Ein Pressesprecher der Freiburger Polizei sagt um 15 Uhr, dass die Besetzer, es seien "nur eine Handvoll" gewesen, das Haus freiwillig verlassen hätten. Eine Auseinandersetzung hätte es nicht gegeben. Sachbeschädigung im Haus sei bislang nicht festzustellen gewesen, Verbarrikadierungen hingegen schon. Die Immatrikulierten der "Autonomen Universität Freiburg" müssten nun wahrscheinlich mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch rechnen.